Vogt am Freitag: VBS schiesst Primeur von 'SRF' ab

25. August 2023 um 14:11
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Die Kollegen von 'SRF Investigativ' sitzen auf einer pfannenfertigen Recherche zu einem Datenleck bei der Militärpolizei. Dann aber funkt das VBS dazwischen.

Dokumente und Personendaten der Militärpolizei sind im Darkweb gelandet. Es ist ein weitereres Mosaiksteinchen aus dem Xplain-Hack – die Analyse der gestohlenen Daten läuft nach wie vor und deshalb kommen von Woche zu Woche neue "Trouvaillen" zum Vorschein.
Fakt ist: Der gestohlene Datensatz ist seit Wochen da. Weil er so riesig ist, dauert es Monate, bis jede Datei inspiziert ist. Ihn zu durchsuchen, ist einerseits Aufgabe der Strafverfolgungsbehörden. Andererseits – davon bin ich felsenfest überzeugt – ist es auch der Job von uns Medienschaffenden, die Daten zu analysieren. Die Recherche ist legitim. Ob Daten im Darkweb liegen oder eine ausgedruckte Akte im Zug vergessen geht, ist einerlei. Beides gilt als öffentlich.

Medienmitteilung statt Antwort auf Fragen

Es ist dementsprechend das Recht und auch die Aufgabe von Journalistinnen und Journalisten, zu berichten, was gestohlen wurde und wer betroffen ist. Um zu sensibilisieren und um zu informieren. Mit dem Ziel, dass nichts unter den Teppich gekehrt werden kann, insbesondere wenn es um heikle Informationen von Behörden geht. Und dabei ist es selbstverständlich, dass Persönlichkeitsrechte der Betroffenen oder geheime Informationen geschützt werden.
Diesmal sind wir von inside-it.ch nicht an der Recherche und der Analyse der Xplain-Daten beteiligt. Das ist für uns als kleines Team mit wenig Ressourcen nicht zu bewerkstelligen. 'SRF' ist mit seinem Investigativteam hingegen mittendrin, statt nur dabei. Und das ist gut so. Als meine Kolleginnen und Kollegen das VBS mit der Recherche zum Datenleck bei der Militärpolizei konfrontierten, schreibt das Militärdepartement statt einer Antwort an die Recherchierenden eine öffentliche Medienmitteilung – und schiesst so den Primeur von 'SRF' ab.
Als wäre das noch nicht frech genug, endet die Kommunikationsoffensive des VBS mit einer Drohung:
Hinweis an die Redaktionen: "Die Publikation von sensiblen Dateninhalten jeglicher Herkunft sind für den Schutz von Persönlichkeitsrechten und die Sicherheit kontraproduktiv. Eine Weiterverbreitung der illegal veröffentlichten Daten kann für sich sogar einen neuen Straftatbestand darstellen."

Mahnfinger für Journalistinnen und Journalisten

Während ersteres noch knapp als "unprofessionell" durchgeht, geht der "Hinweis an die Redaktionen" zu weit. Als wüssten Journalistinnen und Journalisten nicht, wie sie mit sensiblen Informationen umzugehen haben. Als wären wir Anfängerinnen und Anfänger, die von den Kommunikationsgöttern im Tarnanzug eine Art Leitfaden bräuchten, wie wir zu arbeiten haben.

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