Vogt am Freitag: Zwei Dekaden, zwei Tech-Innovationen

30. Juni 2023 um 08:00
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Seit der Markteinführung des ersten iPhone vor exakt 16 Jahren hatte kein technisches Produkt mehr einen so grossen Impact auf die Weltwirtschaft wie jetzt ChatGPT.

Micheline Calmy-Rey wird Bundespräsidentin und der Lötschberg-Basistunnel in Betrieb genommen. Das Parlament wählt Christoph Blocher als Bundesrat ab und der FC Aarau spielt in der obersten Fussballliga. Facebook ist dreijährig, Twitter feiert den ersten Geburtstag. Wir schreiben das Jahr 2007.
2007 ist auch das Jahr, in dem Microsoft und Apple je ein neues Produkt auf den Markt bringen. Eins davon geht schnell wieder vergessen, das andere stellt die Welt auf den Kopf. Ich schreibe vom ersten iPhone sowie Windows Vista und es ist überflüssig zu erklären, welches in welche Kategorie gehört.

"One more Thing"

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Steve Jobs an seiner Macworld-Keynote im Jahr 2007.
Tatsächlich hat Steve Jobs mit der One-More-Thing-Ankündigung im Januar und der Markteinführung des iPhones Ende Juni 2007 nicht nur den damaligen Handy-Markt komplett auf den Kopf gestellt, sondern zugleich auch neue Milliarden-Märkte geschaffen. Ohne iPhone gäbe es heute keine Apps und Dienste, die darüber verkauft werden, keine sozialen Medien, kein mobiles Arbeiten (jaja, Blackberry, aber trotzdem), keinen digitalen Medienkonsum und generell keine Gig Economy. Auch die Erfolge von Konzernen wie Uber, Airbnb, Revolut und vielen mehr basieren auf dem des iPhones.
Okay, ich gebe zu, das eine oder andere aus der Liste gäbe es heute vielleicht trotzdem und womöglich hätte auch ein anderer Hersteller ausser Apple früher oder später etwas Ähnliches geschaffen. Aber: Apple war zuerst und ebnete den Weg für Billionen-Umsätze anderer Unternehmen. Und das ist nicht mal eine steile These.

Espresso mit Hafermilch

Die steile These kommt jetzt: ChatGPT ist das einzige "Produkt" seit der Einführung des iPhone heute vor 16 Jahren, das wieder die Chance hat, einen ähnlich grossen Impact auf die Weltwirtschaft zu haben. Dazwischen? Innovationseinöde. Minimale Produktupdates, leere Versprechen (Looking at you, Metaverse), Langeweile.
Gut, irgendwo dazwischen entstand auch die "Cloud". Aber das ist eigentlich nichts Neues. Die "Cloud" sind weiterhin Server wie früher, nur in einem modernen Gwändli, die mehr kosten. Also durchaus vergleichbar mit einer Tasse Espresso mit Hafermilch im Hipster-Café.

Sind 2 Innovationen viel?

Aber eine Revolution, wie sie das iPhone im Jahr 2007 und ChatGPT im Jahr 2023 ausgelöst haben, war die Cloud nicht. Und auch sonst kommt mir nichts Vergleichbares in den Sinn.
Ich bleibe dabei: Die IT hat in 2 Dekaden gerade mal 2 Tech-Innovationen hervorgebracht. Die einzigen Fragen, die ich mir nun stelle, sind: Ist das viel? Oder wenig? Und ist es genug? Eine Antwort darauf habe ich allerdings auch nicht.
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