Wie es um die digitalen Fortschritte in der EU steht

3. August 2022, 12:17
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Foto: Christian Lue / Unsplash

Es braucht laut EU mehr ICT-Fachkräfte und -Kompetenzen in der Bevölkerung und in Unternehmen. Gerade KMU haben demnach noch grosses Potenzial.

Die meisten Länder der EU würden Fortschritte beim digitalen Wandel machen. Dies schreibt die Europäische Kommission anlässlich der Veröffentlichung des neuesten Index für die digitale Gesellschaft und Wirtschaft (DESI). Aber der DESI zeige auch, dass "wir unsere Arbeiten weiter intensivieren müssen", sagt der für den Binnenmarkt zuständige Kommissar Thierry Breton.
Für den Index massgebend sind unter anderem Konnektivität und Breitband, die Nutzung und Integration digitaler Technologien in Unternehmen, die Verbreitung von E-Government-Lösungen sowie Fachkräfte. Erfreulich sei, so die Mitteilung, dass die Mitgliedstaaten, die von einem niedrigen Niveau gestartet sind, schneller vorankommen und allmählich aufholen. Beispielsweise habe die Netzabdeckung von Gebäuden mit Glasfaseranschluss fast 50% erreicht, auch die 5G-Abdeckung nehme weiter zu. Letzteres sei wichtig, um neue Dienste wie vernetzte Mobilität, fortgeschrittene Fertigung oder elektronische Gesundheitsdienste zu ermöglichen.

Potenzial von KI und Big Data noch kaum genutzt

Insgesamt hätten Unternehmen während der Pandemie die Nutzung digitaler Lösungen vorangetrieben. Die Nutzung von Cloud ist gemäss dem Index auf 34% gestiegen. Die Nutzung von KI und Big Data durch Unternehmen betrage hingegen erst 8 respektive 14%. Damit sei man noch weit vom Ziel 75% bis 2030 entfernt, wie es in der Mitteilung heisst. Verlangsamt werde der Fortschritt durch den Fachkräftemangel.
Schlüsseltechnologien wie Cloud, Big Data und KI, so die EU, würden "enormes Potenzial für erhebliche Innovations- und Effizienzgewinne" bergen. Dies sei vor allem auch für KMU wichtig. Aber der Index zeige, dass erst 55% der KMU in der EU über ein Mindestmass an Digitalisierung verfügen. Ziel der EU ist, diesen Wert bis 2030 auf 90% zu steigern. Es brauche somit vermehrte Anstrengungen, um KMU in ihrer digitalen Transformation zu fördern.

Digitale Kompetenzen müssen ausgebaut werden

Ähnlich wie bei den KMU gibt es laut dem DESI auch in der Bevölkerung Verbesserungspotenzial. Da digitale Instrumente zu einem integralen Bestandteil des Alltags und der Teilhabe an der Gesellschaft werden, bestehe die Gefahr, dass Menschen ohne angemessene Kompetenzen abgehängt werden, schreibt die EU. Nur knapp mehr als die Hälfte der Europäerinnen und Europäer im Alter zwischen 16 und 74 Jahren verfügen demnach über grundlegende digitale Kompetenzen.
Ein weiteres Ziel der EU ist, bis 2030 20 Millionen ICT-Spezialistinnen und -Spezialisten zu beschäftigen. Im letzten Jahr seien zwar 500'000 neue ICT-Fachleute in den Arbeitsmarkt eingetreten, aber mit 9 Millionen liege man noch deutlich hinter den Zielen zurück. Bereits 2020 habe die Mehrheit der Unternehmen Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von ICT-Fachkräften gemeldet.
Diese Engpässe würden ein erhebliches Hindernis für die Erholung und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in der EU darstellen, so die Mitteilung. Daher seien massive Anstrengung zur Umschulung und Weiterbildung erforderlich. Die EU habe erhebliche Mittel zur Unterstützung des digitalen Wandels bereitgestellt. 127 Milliarden Euro sind für vorgesehen, um die Digitalisierung mit verschiedenen Massnahmen zu beschleunigen, schreibt die Europäische Kommission.

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