Wie gut Banken ihre KI-Transformation meistern

30. Januar 2023 um 13:04
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Foto: Claudio Schwarz / Unsplash

Eine Studie untersucht, wie fortgeschritten das Thema KI in grossen Finanzhäusern ist. Die UBS kann im internationalen Vergleich vorne mithalten.

Banken verfügen über einen Schatz an wertvollen Kundendaten. Dank ihrer Digitalisierungsbemühungen im letzten Jahrzehnt würden sich die Finanzinstitute in einer idealen Ausgangsposition befinden, um das Potenzial von KI auszuschöpfen, heisst es im "Evident AI Index", den wir über 'Finews' gefunden haben.
Allein im Jahr 2022 seien weltweit über 400 Milliarden Dollar für KI-Lösungen ausgegeben worden. Für grosse Unternehmen sei das Thema eine Priorität und sie würden ihre Investitionen erhöhen. Dies gelte insbesondere für Banken. Mögliche Anwendungsfälle in der Finanzwelt umfassen beispielsweise die Bewertung von Krediten, KI-Chatbots, die Bekämpfung von Betrug oder Cyberkriminalität, die Verbesserung des Portfoliomanagements oder Marktanalysen.
Der Evident-Index untersucht die Fähigkeiten von Banken in Nordamerika und Europa, KI-Lösungen zu entwickeln und einzusetzen. In die Bewertung eingeflossen sind Aspekte rund um Fachkräfte und Weiterbildung, die Priorisierung von KI im Management oder der Umgang mit dem Thema verantwortungsvolle KI.

Nordamerika ist Europa voraus

Europa verfüge über einen grossen Talentpool und könne erhebliche Stärken im KI-Bereich vorweisen. Aber die Banken würden bei ihrer KI-Transformation den nordamerikanischen Instituten hinterherhinken, so ein Fazit aus dem Index. In den Top-10 finden sich drei europäische Finanzinstitute. Mit Rang 4 ist die Schweizer Grossbank UBS Spitzenreiter auf dem alten Kontinent.
Gute Noten für die UBS gibt es im Bereich Leadership. Hier versucht der Index festzuhalten, inwieweit das Management seine KI-Ambitionen priorisiert und wie gut die Bank KI-Initiativen an die verschiedenen Interessengruppen kommuniziert. Vergleichsweise schlecht schneidet die UBS beim Thema Transparenz ab. Dabei geht es um die Fragen, welche Massnahmen die Banken im Bereich verantwortungsvolle KI umsetzen, ob es spezifische Kontrollmechanismen gibt und ob diese Bemühungen öffentlich kommuniziert werden, etwa durch die Veröffentlichung ethischer Grundsätze.

Wenig Raum für Fehler

Nach der Finanzkrise von 2008 sei niemand mehr bereit, den Banken viel Spielraum zu lassen, schreiben die Index-Autoren. Auch würden Regulierungsbehörden das Thema KI immer genauer ins Visier nehmen, was Projekte anspruchsvoller mache und wenig Platz für Fehler lasse.
Für die Banken gebe es aber ohnehin wenig Spielraum für Fehler, heisst es weiter. Das Risikomanagement beispielsweise sei ein komplexes Gebilde, in dessen Kern auch interne Transparenz über Prozesse und Entscheidungen stehen müsse. KI berge die Gefahr, dass solche Prozesse in einer Black Box landen.
Da sich KI-Technologien rasant weiterentwickeln und Applikationen einen umfassenden Datenzugriff erfordern, bevor die Ergebnisse bestätigt werden können, ist sie von Natur aus risikoreicher, heisst es weiter. Die Ergebnisse einer Machine-Learning-Applikation könnten weit über das hinausgehen, was ursprünglich erwartet wurde. Die Unberechenbarkeit sei aber auch eine Stärke von KI.

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