Wie Swiss den Flugbetrieb mit KI optimiert

2. Oktober 2023 um 11:45
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Foto: Tommy Krombacher / Unsplash

Die Fluggesellschaft setzt bei der Planung ihres Betriebs und für die Reaktion auf kurzfristige Störungen auf die Hilfe von Künstlicher Intelligenz.

Die Schweizer Airline Swiss setzt Künstliche Intelligenz ein, um ihren Flug­betrieb pünktlicher und effizienter zu machen. Dafür ist das Unternehmen 2022 eine Partnerschaft mit Google Cloud eingegangen. Wir haben bei der Fluggesellschaft nachgefragt, was das bringt und wo KI überall eingesetzt wird.
"Wir erfassen rund um unseren Flugbetrieb jeden Tag aufs Neue unzählige Datenpunkte", schreibt Mediensprecher Michael Pelzer auf unsere Anfrage. Über die Jahre sei so ein umfassender Pool an historischen Daten (Big Data) entstanden, der laufend ausgewertet werde.
Damit werden verspätungsanfällige Schlüsselstellen analysiert und Muster erkannt. Das hilft einerseits bei der Erstellung des halbjährlich ändernden Flugplans und andererseits bei Unregelmässigkeiten im täglichen Flugbetrieb. Die KI kann innerhalb kürzester Zeit Lösungsszenarien vorschlagen, um die Störungen zu verhindern.

Besseres Gesamtbild

Um ein ganzheitliches Lagebild zu erhalten, werden die für den Flugbetrieb grundlegenden Einzelfaktoren Flugzeug, Passagier und Crew in einem Gesamtbild betrachtet. So werden die relevanten Daten miteinander ver­knüpft, um den Flugbetrieb zu verbessern.
Durch die Verbindung von historischen Daten mit Maschinellem Lernen kann die Airline zuverlässigere Prognosen geben. So kann beispielsweise vorausgesagt werden, wann ein Flugzeug an einer bestimmten Destination ankommt, wie lange der Rollweg vom Gate bis zur Startbahn dauert oder wie viel Zeit für den sogenannten Turnaround zwischen zwei Flügen einberechnet werden muss.
Zu diesen historischen Mustern werden Echtzeitfaktoren wie aktuelle Wetterdaten oder das Passagieraufkommen dazugerechnet, die die Vorhersagen dann entsprechend beeinflussen. Auch die Laufdistanzen zwischen den verschiedenen Flughafenterminals werden nach Möglichkeit mit einberechnet.

Grosse Pläne

Die Partnerschaft mit Google ist dabei strategischer Natur. Der Cloud-Anbieter liefert das technologische Rückgrat, die Fluggesellschaft speist ihre Daten ein, verifiziert diese und nutzt das sich daraus ergebende Gesamtbild für ihren täglichen Flugbetrieb.
Google habe dabei keinen vollständigen Einblick in die grundlegenden Algorithmen von Swiss, heisst es auf unsere Anfrage. Trotzdem liefert die KI des Unternehmens ausgewählte Vorschläge, wie der Flugbetrieb optimiert werden kann. Diese Vorschläge werden dann überprüft und nach Ermessen in den Flugplan integriert.
"Im Rahmen dieser Partnerschaft entstehen innovative, vernetzte Lösungs­ansätze – als Fluggesellschaft übernehmen wir in diesem Bereich weltweit eine Vorreiterrolle", schreibt Swiss-Sprecher Pelzer. Geht es nach der Flug­gesell­schaft, soll das auch so bleiben: "Unser Ziel ist die Verbindung aller operativ relevanten Daten an einem Ort."
Dazu gehören aktuell unter anderem die operativen Kernsysteme, Passagier­buchungszahlen, anonymisierte Crew-Informationen in Bezug auf Verfüg­bar­keit und zulässige Einsatzzeiten sowie Informationen zum Wetter oder zu anstehenden Inspektionen eines Flugzeugs.

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