Öffentliche Forschungseinrichtungen haben bei KI-Entwicklungen fast gar nichts mehr zu sagen, zeigt ein kürzlich publizierter AI Index Report.
Was früher nur Wissenschaftler oder Technologieinteressierte beschäftigte, ist heute für viele Menschen zugänglich. Tools im Bereich der Künstlichen Intelligenz entwickeln sich mittlerweile derart rasant, dass fast täglich Neuheiten präsentiert werden. Insbesondere seit Big Tech Ende 2022 die ersten KI-Sprachbots vorgestellt hat, ist die Technologie endgültig allgegenwärtig geworden.
Bis 2014 wurden die meisten Machine-Learning-Modelle von öffentlichen Forschungseinrichtungen entwickelt. Das zeigt ein kürzlich vom Stanford Institute for Human-Centered Artificial Intelligence (HAI) veröffentlichter Index. Der Jahresbericht von 2022 verfolgt, sammelt und visualisiert Daten im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz.
Mittlerweile hat Big Tech übernommen: Im vergangenen Jahr allein wurden 38 solcher Modelle veröffentlicht, 32 davon von privaten Unternehmen. Andere Bereiche können die Entwicklungen und Technologien kaum mitgestalten.
Grafik: AI Index Report 2023 / Stanford Institute for Human-Centered Artificial Intelligence (HAI)
Dennoch gingen die weltweiten Privatinvestitionen zum ersten Mal seit 2013 zurück – und zwar um rund 27% auf 91,9 Milliarden US-Dollar. Über die Hälfte dieser Investitionen stammt aus den USA, gefolgt von China und dem Vereinigten Königreich. Auch die Schweiz schafft es in die Liste: Mit Investitionen in Höhe von 3 Milliarden seit 2013 ist das aber ein geringer Anteil im Vergleich zu anderen Ländern.
Grafik: AI Index Report 2023 / Stanford Institute for Human-Centered Artificial Intelligence (HAI)
KI-Missbrauch steigt rapide an
Schon 2021 berichteten die Autoren des Index über die Herausforderungen mit der Technologie. Ihre negativen Auswirkungen auf die Gesellschaft können mannigfaltig sein: Verletzung der Privatsphäre, Diskriminierung und undurchsichtige Entscheidungsfindung sind nur die bekanntesten davon. Der Missbrauch von KI steigt rapide an – seit 2012 um das 26-fache.
Um diese Effekte zu mindern, sind mittlerweile ethische KI-Richtlinien wie Pilze aus dem Boden geschossen. Über die letzten zwei Jahre wurden rund 70 Ethikrichtlinien verfasst.
Grafik: AI Index Report 2023 / Stanford Institute for Human-Centered Artificial Intelligence (HAI)
Allgemein erwähnt die Gesetzgebung zunehmend Künstliche Intelligenz – seit 2016 haben solche Gesetzesverfahren, die die Technologie behandeln, um das 6,5-fache zugenommen.
Die wichtigsten Erkenntnisse
Neben den Investitionen und Entwicklungen im Tech- und Wissenschafts-Bereich sowie dem KI-Missbrauch und der Gesetzgebung hebt der Bericht auch noch weitere 6 zentrale Erkenntnisse hervor:
Leistungssättigung: Es gibt eine Leistungssättigung bei den Vergleichswerten, Foundation Models brauchen neue Benchmarks.
KI und Umwelt: Neue Forschungsergebnisse belegen, dass KI-Tools schädlich für die Umwelt sind, gleichzeitig aber auch den Energieverbrauch optimieren könnten.
Wissenschaft: KI-Modelle beschleunigen den wissenschaftlichen Fortschritt.
Nachfrage: Viele Bereiche in den Vereinigten Staaten verlangen in Stellenbeschrieben professionelle KI-Kenntnisse.
Wirtschaftliche Vorteile: Der Anteil der Unternehmen, die KI einführen, hat sich seit 2017 mehr als verdoppelt. Unternehmen mit KI-Tools profitieren insbesondere von Kostensenkungen und Umsatzsteigerungen, so der Bericht.
Öffentliche Meinung zu KI: Während China den KI-Entwicklungen am positivsten gegenüber steht, bleibt Europa kritisch. Insbesondere Frankreich äussert sich eher ablehnend gegenüber Künstlicher Intelligenz.
Wenn man sich die Sponsoren und Partner des AI Report Index genauer anschaut, wird klar: Am Bericht sind überwiegend US-Unternehmen beteiligt, deren eigene KI-Tools auch Gegenstand des Berichts sind. Die Daten aus Europa müssen dementsprechend kritisch betrachtet werden. Dennoch wird mit Blick auf den Bericht ersichtlich, dass Europa im KI-Bereich derzeit noch nicht gross mitspielt.