Daten sollen strategisches Gut sein

8. Dezember 2022, 14:50
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Foto: Waldemar Brandt / Unsplash

Eine Befragung zeigt, dass Unternehmen noch wenig Wert aus ihren Daten generieren. HPE AI Advisor Bernd Bachmann erklärt, warum das so ist und wie sich das ändern könnte.

Unternehmen nutzen das Potenzial ihrer Daten noch nicht ausreichend, um damit beispielsweise Geschäftsprozesse zu optimieren, Entscheidungen zu treffen oder neuen Umsatz zu generieren. Dies zeigt eine Befragung, die im Auftrag von HPE in 19 Ländern durchgeführt wurde.
Anhand einer Reihe von Fragen evaluiert die Studie den "Datenreifegrad" von Unternehmen, der zeigen soll, inwiefern sie einen Mehrwert aus ihren Daten generieren. Dazu angeschaut werden Themen wie Strategie, Ökosystem, Data Lifecycle, Analytics und Operations. Der globale Schnitt liegt bei 2,6 auf einer 5-Punkte-Skala. Der höchste Wert soll Organisationen beschreiben, die als Teil ihrer Unternehmensstrategie eine Datenstrategie ausgearbeitet haben und verfolgen. Ausserdem verfügen sie über einen einheitlichen Zugriff auf ihre internen und externen Datenquellen, die mit Analytics und KI verarbeitet werden. Damit fördern sie Innovation und Data-Monetarisierung.
Von den Befragten aus der Schweiz gaben lediglich 2% an, sich auf dieser höchsten Stufe 5 zu befinden. Weniger als 10% erklärten, dass sie über eine Datenstrategie verfügen, die Kernbestandteil ihrer Organisationsstrategie sei. Immerhin ein knappes Drittel gab an, dass ihr Unternehmen auf die Bereitstellung datengesteuerter Produkte oder Dienstleistungen fokussiere.
Die mangelnde Datenfähigkeiten, so HPE, würde es den Unternehmen erschweren, ihre Ziele wie Umsatz- oder Effizienzverbesserungen zu erreichen.

Sorge um Datenmonopole bei den Hyperscalern

Fehlt eine übergreifende Daten- und Analysearchitektur, bleiben Daten an ihren einzelnen Standorten isoliert, schreibt HPE. Global erklärte rund ein Drittel der befragten Unternehmen, dass dies bei ihnen der Fall ist. Gleichzeitig glaubt aber eine Mehrheit, dass es strategisch wichtig sei, ein hohes Mass an Kontrolle über die Daten zu haben. In diesem Zusammenhang sorgt sich rund die Hälfte der Befragten um Datenmonopole – sprich, dass die Hyperscaler zu viel Kontrolle über Daten und damit Vorteile haben.
Entsprechend überdenken die Unternehmen gemäss der Befragung ihre Cloud-Strategie. Neben der Frage der Datenkontrolle spielen hierbei auch Kosten und Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit eine wichtige Rolle.

Thema muss strategisch verankert sein

Es gibt, so das Fazit zur Studie, somit noch deutlich Luft nach oben. In den Unternehmen gebe es noch immer kein richtiges Verständnis dafür, welches Potenzial in Daten steckt und wie dies genutzt und somit auch monetarisiert werden könnte, sagt Bernd Bachmann, AI Advisor DACH bei HPE.
Eine allgemeingültige Anleitung, wie Unternehmen ihren Daten-Reifegrad erhöhen können, gebe es nicht. Klar aber sei, dass zunächst internes Know-how aufgebaut werden müsse. Spätere Schritte und konkrete Massnahmen lassen sich dann laut Bachmann aber nicht verallgemeinern und unterscheiden sich von Unternehmen zu Unternehmen.
In vielen Firmen lasse sich aber ein ähnliches Problem erkennen: Data Scientists seien sehr gut darin, schnell Prototypen und PoCs zu entwickeln. Diese Anwendungen dann aber in die Produktion zu bringen und im Kontext der Unternehmens-IT zu betreiben, sei für viele eine Herausforderung. Häufig würden deshalb Projekte nicht umgesetzt, so der HPE-Manager. Dies liege einerseits daran, dass es schlicht einfacher sei, mit Testdaten ein Modell zu erstellen und dieses auf einem Gerät zu betreiben. Es sei aber ganz etwas anderes, dieses Modell dann mit echten Daten produktiv im Unternehmen einzusetzen.
Machine-Learning-Development funktioniere anders als die klassische Softwareentwicklung. Es brauche andere Tools, andere Prozesse und eine andere Infrastruktur, führt Bachmann aus. Schafft es ein AI-Modell schliesslich in die Produktion, brauche es auch dort neue Prozesse, um es über den Lifecycle hinweg aktiv und gut zu halten – Stichwort: Machine Learning Operations (MLOps).
Deshalb sei es wichtig, dass das Thema strategisch verankert ist und von der Geschäftsleitung mitgetragen wird, betont Bachmann. Denn nur so stünden auch die die entsprechenden Budgets zur Verfügung.
Interessenbindung: Das Gespräch mit Bernd Bachmann wurde im Rahmen der HPE Discover in Frankfurt geführt, zu der die Autorin vom Hersteller eingeladen wurde.

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