Das Fürstentum Liechtenstein ist Ziel eines umfangreichen Cyberangriffs geworden. Dabei wurden rund 31'000 Datenkopien von Gesellschaften, Stiftungen und Treuhänderschaften gestohlen. Wer hinter dem Angriff steht, ist laut der Regierung in Vaduz unklar. Seit Samstagabend, 1. August, tagt ein Krisenstab.
Ziel des Angriffs wurde das "Verzeichnis wirtschaftlich berechtigter Personen", wie die Regierung des Fürstentums am Sonntagabend mitteilte. Das Gesetz über das Verzeichnis trat 2021 in Kraft, um die Vorgaben der EU-Geldwäschereirichtlinien umzusetzen. Bis zur Aufhebung des Bankgeheimnisses 2017 war Liechtenstein von zahlreichen Steuerhinterziehern für ihre Zwecke benutzt worden.
Nach vorläufigen Erkenntnissen habe sich in der Nacht auf den 30. Juli "eine unbekannte Täterschaft widerrechtlich auf digitalem Weg" Zugriff auf das Verzeichnis verschafft, hiess es in der Mitteilung der Liechtensteiner Regierung weiter. Wie die Zeitung 'Liechtensteiner Vaterland' schreibt, besitzen die Täter mindestens eine Liste mit Name, Vorname, Geburtsdatum, Wohnsitzstaat und Staatsangehörigkeit aller wirtschaftlich Berechtigten der im Verzeichnis geführten Rechtsträger.
Krisenstab einberufen
Beim Amt für Justiz seien Unregelmässigkeiten aufgefallen, worauf das Amt für Informatik eingeschaltet worden sei. Dieses habe zur Sicherheit das betroffene System vom Netz genommen. Am Tag darauf schliesslich sei die Regierung informiert und am Samstag seien die ersten bestätigten Ergebnisse der Voruntersuchungen an die Regierung übermittelt worden.
Die Leitung des von der Liechtensteiner Regierung einberufenen Krisenstabes haben Regierungschefin Brigitte Haas und Justizminister Emanuel Schädler. Oberstes Ziel sei es, "den Vorfall so rasch wie möglich umfassend aufzuklären, Betroffene zu informieren und Gegenmassnahmen einzuleiten", hiess es.
Nach aktuellem Kenntnisstand bestünden keine Hinweise darauf, dass Daten im System verändert oder gelöscht wurden, schrieb die Liechtensteiner Regierung weiter. In der 'Tagesschau'-Hauptausgabe von SRF sagte Regierungschefin Haas zudem, dass bislang auch keine Lösegeldforderungen eingegangen seien, ebenso wenig seien die Daten im Darknet aufgetaucht. Der Krisenstab wolle am Montag über weitere Entwicklungen informieren.