Hacker stehlen 31'000 Datensätze aus Liechtensteiner Register

3. August 2026 um 08:44
image
Foto: Henrique Ferreira / Unsplash

Die Regierung weiss bislang weder, wer hinter der Attacke steckt, noch ob die gestohlenen Daten missbraucht wurden.

Das Fürstentum Liechtenstein ist Ziel eines umfangreichen Cyberangriffs geworden. Dabei wurden rund 31'000 Datenkopien von Gesellschaften, Stiftungen und Treuhänderschaften gestohlen. Wer hinter dem Angriff steht, ist laut der Regierung in Vaduz unklar. Seit Samstagabend, 1. August, tagt ein Krisenstab.
Ziel des Angriffs wurde das "Verzeichnis wirtschaftlich berechtigter Personen", wie die Regierung des Fürstentums am Sonntagabend mitteilte. Das Gesetz über das Verzeichnis trat 2021 in Kraft, um die Vorgaben der EU-Geldwäschereirichtlinien umzusetzen. Bis zur Aufhebung des Bankgeheimnisses 2017 war Liechtenstein von zahlreichen Steuerhinterziehern für ihre Zwecke benutzt worden.
Nach vorläufigen Erkenntnissen habe sich in der Nacht auf den 30. Juli "eine unbekannte Täterschaft widerrechtlich auf digitalem Weg" Zugriff auf das Verzeichnis verschafft, hiess es in der Mitteilung der Liechtensteiner Regierung weiter. Wie die Zeitung 'Liechtensteiner Vaterland' schreibt, besitzen die Täter mindestens eine Liste mit Name, Vorname, Geburtsdatum, Wohnsitzstaat und Staatsangehörigkeit aller wirtschaftlich Berechtigten der im Verzeichnis geführten Rechtsträger.

Krisenstab einberufen

Beim Amt für Justiz seien Unregelmässigkeiten aufgefallen, worauf das Amt für Informatik eingeschaltet worden sei. Dieses habe zur Sicherheit das betroffene System vom Netz genommen. Am Tag darauf schliesslich sei die Regierung informiert und am Samstag seien die ersten bestätigten Ergebnisse der Voruntersuchungen an die Regierung übermittelt worden.
Die Leitung des von der Liechtensteiner Regierung einberufenen Krisenstabes haben Regierungschefin Brigitte Haas und Justizminister Emanuel Schädler. Oberstes Ziel sei es, "den Vorfall so rasch wie möglich umfassend aufzuklären, Betroffene zu informieren und Gegenmassnahmen einzuleiten", hiess es.
Nach aktuellem Kenntnisstand bestünden keine Hinweise darauf, dass Daten im System verändert oder gelöscht wurden, schrieb die Liechtensteiner Regierung weiter. In der 'Tagesschau'-Hauptausgabe von SRF sagte Regierungschefin Haas zudem, dass bislang auch keine Lösegeldforderungen eingegangen seien, ebenso wenig seien die Daten im Darknet aufgetaucht. Der Krisenstab wolle am Montag über weitere Entwicklungen informieren.

Loading

Mehr zum Thema

image

Anthropic-KI hackt drei Firmen

Auch das Claude-Modell des OpenAI-Rivalen Anthropic brach aus der Testumgebung aus und erlangte so Zugang zum Internet.

publiziert am 31.7.2026
imageAbo

Cyberkriminelle veröffentlichen Daten von Stadler Rail

Die Ransomware-Bande Everest Group hat sich offiziell zum Angriff bekannt. Stadler hatte bereits über den Datendiebstahl informiert.

publiziert am 30.7.2026
image

KI lässt IT-Sicherheitsbudgets wachsen

Neben Phishing und Malware zählen für viele Grossunternehmen inzwischen auch Schwachstellen in KI-Systemen und Schatten-KI zu den wichtigsten Cyberrisiken.

publiziert am 30.7.2026
image

Big Tech gründen KI-Sicherheitsbündnis

Nvidia, IBM, SAP, Microsoft und weitere wollen einen Sicherheitsbaukasten für KI-Agenten entwickeln. Nicht Teil der Allianz sind OpenAI, Google und Anthropic.

publiziert am 28.7.2026