In den letzten Jahren wurde schon oft vermutet, dass Igel eines Tages aus dem Hardwaregeschäft aussteigen wird. Nun ist es soweit. Wie das US-Channelmagazin 'CRN' berichtet, will Igel ab sofort keine eigenen Thin Clients mehr herstellen. CEO Jed Ayres hat sich
gegenüber 'CRN' dementsprechend geäussert.
Man sei aktuell noch dabei, das vorhandene Inventar in den Lagern abzuverkaufen, so Ayres. Ende des ersten Quartals 2023 würden dann keine Geräte mit dem Igel-Brand mehr verkauft. Die Garantiefristen für bereits verkaufte Geräte werde Igel aber "natürlich einhalten".
Konflikte mit Hardware-Partnern vermeiden
Igel wurde 2001 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Bremen. Das Unternehmen war laut 'CRN' zuletzt der weltweit drittgrösste Hersteller von Thin Clients und in Deutschland die Nummer 1. Schon seit einigen Jahren hat der Anbieter seinen Fokus aber mehr und mehr auf sein eigentliches Kernprodukt, das Linux-basierte Igel-OS gelegt, das auch auf Geräten anderer Hersteller laufen kann. Dieses soll nun die Zukunft von Igel ganz bestimmen. Die Hardware-Sparte war zwar auch zuletzt noch lukrativ, so CEO Ayres. Indem man den Verkauf eigener Hardware aufgibt, können aber Konflikte mit Hardware-Partnern wie Lenovo, HP und LG vermieden werden.
Das OS für sich eröffne dem Unternehmen auch einen sehr viel grösseren Markt als die Hardware, so Ayres weiter. Seit er vor 6 Jahren, anfänglich als CEO für Nordamerika zum Unternehmen stiess, sei der Umsatz von 50 Millionen auf 100 Millionen Dollar gewachsen. Als reiner Softwarehersteller könne Igel einen Milliardenmarkt adressieren. "Wir haben das erste Linux-OS, das von Microsoft für den Betrieb mit Windows Virtual Desktop abgesegnet wurde." Er glaubt, dass das leichte und sichere Igel-OS auf Millionen und Abermillionen Geräten weltweit laufen könnte. Sein unbescheidenes Ziel ist es, in fünf Jahren einen Umsatz von 1 Milliarde Dollar zu erreichen.
Zu diesem Zweck werde Igel auch noch mehr in die Softwareentwicklung investieren. Das Unternehmen beschäftige bereits 150 Softwareentwickler und wolle in Deutschland zwei Entwicklungszentren betreiben, so Ayres. Im Dezember werde eine neue grosse Niederlassung in Augsburg eröffnet.