Viele Jahre lang pflegten die Chefs der grossen indischen IT-Dienstleister anlässlich der Ankündigungen von Geschäftszahlen jeweils auch grosse Neuanstellungspläne zu verkünden. Insbesondere bei den vier Überfliegern Wipro, HCL, Infosys und Tata Consultancy Services (TCS) ging es dabei jeweils um tausende oder zehntausende neue Angestellte.
Aktuell ist diese Entwicklung aber gestoppt,
wie 'The Register' berichtet. Im Gegenteil, erstmals berichten Wipro, Infosys und TCS von Personalrückgängen. Bei Wipro (rund 230'000 Angestellte) arbeiten 25'500 Leute weniger. Bei Infosys (350'000 Angestellte) ist der Personalbestand um 26'000 und bei TCS (ca. 620'000 Angestellte) um 13'000 Menschen zurückgegangen. Nur HCL (230'000 Angestellte) ist personalmässig mit 1500 neuen Leuten noch gewachsen, für indische Verhältnisse aber nur minim.
Die Manager der Unternehmen sind über diese Entwicklung nicht unglücklich und führen sie nicht auf wirtschaftliche Probleme zurück. Statt dem Kampf um immer mehr Personal scheinen für sie Effizienz und höhere Margen in den Vordergrund gerückt zu sein.
Mehr Effizienz statt mehr Personal
Milind Lakkad, Personalchef von TCS, erklärte, dass man die Anstellungsprozesse gegenwärtig "rekalibriere". Man konzentriere sich vermehrt darauf, die in den vergangenen Jahren geschaffenen Kapazitäten besser auszunützen.
Der Infosys CFO Jayesh Sanghrajka erklärte ungefähr das Gleiche mit konkreten Zahlen. Bei Infosys, so Sanghrajka, sei der Arbeitsanteil, den Consultants mit Projektarbeiten für Kunden verbringen, von 77% Anfang des Geschäftsjahrs auf 82% gestiegen. Gleichzeitig gebe es auch weniger Personalumwälzungen.
Auch der Wipro-Personalchef Saurabh Govil berichtete, dass die zeitliche Auslastung des Personals auf einem Allzeithoch sei. Operative Effizienz sei nun die Hauptstrategie des Unternehmens. Zudem, fügte er noch an, habe es die Branche in der Nach-Covid-Zeit mit Anstellungen übertrieben. Nun wolle man vorsichtiger und überlegter weitermachen.