Die Anforderungen an Technologiepartner steigen: KI, Cloud und Cybersecurity machen IT-Landschaften komplexer, während viele KMU nur über begrenzte interne Ressourcen verfügen. Für Stefania Serafino,
seit Juni verantwortlich für den Commercial Partner Channel & SMB bei Lenovo Schweiz, wird die enge Zusammenarbeit mit den Partnern deshalb zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Im Interview mit inside-it.ch erläutert sie, wie Lenovo seine Partner unterstützen will, welche Geschäftsfelder an Bedeutung gewinnen und was sie in ihrer neuen Rolle erreichen möchte.
Inside IT: Sie haben im Sommer die Leitung des Commercial Partner Channel & SMB in der Schweiz übernommen. Was hat Sie an dieser Aufgabe besonders gereizt?
Stefania Serafino: Mich hat vor allem die Möglichkeit gereizt, das gesamte Channel- und SMB-Geschäft in der Schweiz mitzugestalten und dabei unsere verschiedenen Stärken noch besser zu verbinden. Nach vielen Jahren im Consumer-Geschäft bietet mir diese Rolle die Chance, das gesamte Lenovo Portfolio stärker in den Markt zu tragen – von Devices über Infrastruktur bis hin zu Services und Hybrid AI.
Besonders spannend finde ich die enge Zusammenarbeit mit unseren Partnern. Partnernähe, Vertrauen und gemeinsames Wachstum sind für mich zentrale Werte. Deshalb waren meine ersten Wochen vor allem vom Zuhören geprägt – in Gesprächen mit Partnern, Kunden, meinem Team und internen Stakeholdern. Mein Ziel ist es, gemeinsam Wachstumspotenziale zu identifizieren und Lenovo für unsere Partner noch einfacher und zugänglicher zu machen.
Welche IT-Themen beschäftigen Schweizer KMU derzeit am stärksten?Schweizer KMU beschäftigen sich aktuell vor allem mit Themen wie KI, Cybersecurity, Cloud, Infrastruktur und Services. Gleichzeitig stehen viele Unternehmen vor der Herausforderung, diese Technologien sinnvoll in ihr Geschäft zu integrieren und daraus einen konkreten Mehrwert zu schaffen. Hinzu kommt, dass viele KMU nur begrenzte interne IT-Ressourcen haben. Deshalb suchen sie nach Lösungen, die einfach zu implementieren, sicher und wirtschaftlich sinnvoll sind. Sie möchten Komplexität reduzieren und benötigen Unterstützung bei der Auswahl, Einführung und dem Betrieb moderner Technologien.
Wie haben sich die Anforderungen der KMU an Technologiepartner verändert?
Die Erwartungen der KMU haben sich deutlich verändert. Früher stand das Produkt im Mittelpunkt. Heute erwarten Kundinnen und Kunden Beratung, Verlässlichkeit und einen Partner, der ihr Geschäft versteht und sie über den gesamten Technologie-Lifecycle begleitet. Der Technologiepartner entwickelt sich immer stärker zum Trusted Advisor.
Für Lenovo und unsere Partner besteht neu die Herausforderung darin, die zunehmende Komplexität moderner IT-Landschaften beherrschbar zu machen. Themen wie KI, Security, Cloud und Services erfordern neue Kompetenzen und eine stärkere Zusammenarbeit über klassische Produktgrenzen hinweg. Gleichzeitig stehen viele Partner unter Margendruck und müssen neue Geschäftsfelder erschliessen. Genau hier sehe ich auch eine grosse Chance für Lenovo und unsere Partner. Unser Anspruch ist es, den Zugang zu unserem gesamten Portfolio so einfach wie möglich zu gestalten und unsere Partner dabei zu unterstützen, ihr Geschäft weiterzuentwickeln. Sie sollen für ihre Kunden Lösungen aus einer Hand anbieten können.
Wie konkret ist die Nachfrage nach KI-Lösungen bei Schweizer KMU bereits?
Das Interesse an KI ist heute sehr konkret. Wir sehen, dass sich viele Schweizer KMU intensiv mit den Möglichkeiten von KI beschäftigen und prüfen, wie sie diese Technologien für mehr Produktivität, Effizienz und Innovation nutzen können.
Gleichzeitig befindet sich der Markt noch in einer frühen Phase. Viele Unternehmen evaluieren derzeit Anwendungsfälle und beschäftigen sich mit Fragen rund um Sicherheit, Governance und den konkreten geschäftlichen Nutzen von KI. Daher steigt nicht nur die Nachfrage nach KI-fähigen Geräten, sondern vor allem nach Beratung und einem ganzheitlichen Technologieansatz.
Entscheidend ist: KI muss am Ende einen konkreten Mehrwert für das Unternehmen schaffen – technologisch und wirtschaftlich.
Wo sehen Sie derzeit die grösste Lücke zwischen dem Interesse an KI und der tatsächlichen Umsetzung in KMU?
Die grösste Lücke sehe ich aktuell zwischen der hohen Aufmerksamkeit für KI und der Frage, wie Unternehmen daraus konkreten Business Value schaffen können. Viele KMU erkennen das Potenzial von KI, wissen aber noch nicht genau, wo sie starten sollen oder welche Anwendungsfälle den grössten Nutzen bringen. Dazu kommen Themen wie Datensicherheit, Governance, Integration in bestehende Prozesse und häufig auch begrenzte personelle Ressourcen. Deshalb geht es heute weniger um die Technologie selbst als vielmehr darum, Unternehmen auf dem Weg von der Idee bis zur erfolgreichen Umsetzung zu begleiten.
Welche Rolle spielen die Channel-Partner dabei? Müssen sich deren Beratung und Geschäftsmodelle verändern?
Die Rolle der Channel-Partner wird noch wichtiger. Gerade weil viele KMU keine grossen internen IT-Teams haben, benötigen sie Partner, die sie beraten, Lösungen konzipieren und langfristig begleiten können. Die Nähe zum Kunden und das gegenseitige Vertrauen sind dabei ein entscheidender Erfolgsfaktor.
Gleichzeitig entwickelt sich das Geschäftsmodell vieler Partner weiter. Der Markt bewegt sich zunehmend vom reinen Produktgeschäft hin zu Lösungen, Managed Services und wiederkehrenden Service-Angeboten. Themen wie Hybrid AI, Services und ganzheitliche Lösungen eröffnen neue Möglichkeiten für nachhaltiges und profitables Wachstum.
Unsere Aufgabe bei Lenovo ist es, unsere Partner mit dem nötigen Know-how, Enablement und den passenden Technologien dabei zu unterstützen.
Sie übernehmen eine Führungsposition in einer weiterhin eher männerdominierten IT-Branche. Welche Erfahrungen haben Sie persönlich dabei gemacht?
In meinen 27 Jahren in der IT-Branche habe ich erlebt, dass sich vieles positiv entwickelt hat. Gleichzeitig ist die Technologiebranche in vielen Bereichen nach wie vor eher männlich geprägt. Ich persönlich habe mich allerdings nie primär als Frau in einer männerdominierten Branche gesehen. Für mich stand immer die Aufgabe im Vordergrund: Was kann ich in meiner Rolle bewegen, welche Verantwortung kann ich übernehmen und welchen Beitrag kann ich zum Erfolg leisten? Kompetenz, Leistung und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, waren für mich dabei immer entscheidend.
Zudem habe ich im Laufe meiner Karriere gelernt, dass Diversität nicht bedeutet, Unterschiede auszublenden, ganz im Gegenteil. Verschiedene Perspektiven, Erfahrungen und Führungsstile machen Teams stärker und fördern Innovation. Bei Lenovo habe ich sehr positiv erlebt, dass diese Vielfalt bewusst gefördert wird und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihren individuellen Stärken und Persönlichkeiten erfolgreich sein können. Das ist ein wichtiger Teil unserer Unternehmenskultur und gleichzeitig eine Voraussetzung für Innovationskraft.
Was möchten Sie in den ersten zwölf Monaten erreichen?
In den ersten zwölf Monaten möchte ich die Voraussetzungen dafür schaffen, dass unsere Partner auch künftig erfolgreich mit Lenovo wachsen können. Dazu gehören eine noch engere Zusammenarbeit, die stärkere Nutzung unseres gesamten Portfolios und die Erschliessung neuer Geschäftschancen rund um Services und Hybrid AI.
Woran würden Sie messen, ob Ihr erstes Jahr als Commercial Partner Channel & SMB in der Schweiz erfolgreich war?
Den Erfolg würde ich nicht nur an Geschäftsergebnissen messen, sondern auch daran, wie erfolgreich wir gemeinsam neue Potenziale erschliessen. Gerade in einem herausfordernden Marktumfeld ist es entscheidend, gemeinsam neue Wachstumsfelder zu entwickeln und langfristige Chancen zu nutzen.
Wenn unsere Partner Lenovo als Unternehmen erleben, das sie dabei unterstützt, neue Märkte zu adressieren, ihr Geschäft weiterzuentwickeln und auch unter anspruchsvollen Marktbedingungen nachhaltig erfolgreich zu sein, dann haben wir viel erreicht.