Der Luzerner Regierungsrat will die digitale Abhängigkeit von Microsoft weiter überprüfen. Auslöser ist das Postulat P 543 von Kantonsrätin Rahel Estermann (Grüne) und Mitunterzeichnenden. Darin wird eine langfristige kantonale Strategie gefordert, um sich "aus der umfassenden Abhängigkeit von grossen amerikanischen Digitalkonzernen – insbesondere Microsoft – zu lösen". Im Zentrum stehen Diversifizierung, ein mögliches Exit-Szenario sowie der verstärkte Einsatz von Open-Source-Software.
Hintergrund ist die heiss diskutierte Umstellung der kantonalen Verwaltung auf Microsoft 365. Diese führe zu einem "erheblichen und unerwünschten Vendor Lock-in", verbunden mit rechtlichen, geopolitischen und finanziellen Risiken, heisst es im Postulat. Kritisiert wird insbesondere, dass auch besonders schützenswerte Personendaten in der Cloud bearbeitet werden sollen. Zudem rechnet der Kanton künftig mit jährlichen Kosten von rund 4,4 Millionen Franken für M365.
Regierung setzt auf nationale Koordination
Der Regierungsrat teilt in seiner Stellungnahme vom Februar 2026 grundsätzlich die Sorge über wachsende Abhängigkeiten. "Angesichts der geopolitischen Entwicklungen" könne diese im Notfall zu "sehr eingeschränkter Handlungsfähigkeit" führen. "Von einer isolierten, kantonalen Open-Source-Strategie sehen wir zum jetzigen Zeitpunkt ab", hält der Regierungsrat fest.
Stattdessen verweist die Regierung auf laufende Arbeiten auf Bundesebene. Digitale Souveränität sei bereits eines der Fokusthemen der Strategie Digitale Verwaltung Schweiz 2026. Einerseits werde bereits auf Bundesebene gemeinsam mit den Kantonen an entsprechenden Ansätzen gearbeitet, andererseits seien die personellen und organisatorischen Ressourcen der kantonalen Verwaltung auf den Betrieb etablierter Standardsoftware ausgerichtet.
Open Source kein Ersatz für M365
Open-Source-Software wird laut der Regierung in Luzern bereits breit eingesetzt, etwa bei Betriebssystemen, Datenbanken, Container-Plattformen oder im Monitoring. Für zentrale Arbeitsplatzanwendungen gebe es jedoch derzeit keine Open-Source-Lösung, die den Funktionsumfang von M365 vollständig abdecken könne. Ein Ersatz würde "einen massiven Einschnitt in ein funktionierendes System bedeuten" und sei mit hohen Aufwänden verbunden.
Zudem betont der Regierungsrat, dass Open Source zwar Abhängigkeiten reduziere, gleichzeitig aber mehr interne Kompetenzen, Koordination und Sicherheitsverantwortung verlange. Auch kostenseitig sei ein Wechsel nicht automatisch günstiger, da neben Lizenzkosten auch Integrations-, Betriebs- und Weiterentwicklungskosten zu berücksichtigen seien.
Digitale Souveränität soll deshalb primär über das Risikomanagement adressiert werden. Die Risiken von M365 seien dort bereits erfasst und würden laufend überwacht. Zusätzlich will der Regierungsrat Notfallpläne für geschäftskritische Prozesse ausarbeiten lassen. Der Kantonsrat soll das Postulat deshalb nur teilweise erheblich erklären.