Letztes Jahr wurden hierzulande insgesamt rund 7920 Millionen Arbeitsstunden geleistet. Dies zeigen Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS). Damit wird in der Schweiz wieder gleich viel gearbeitet wie vor der Pandemie. Allerdings ist 2022 auch die Anzahl der Absenzstunden wegen Unfall oder Krankheit in die Höhe geschossen. Und zwar nach dem Ende der akuten Phase der Pandemie.
Die Absenzen stiegen von 53 auf 64 Stunden pro Vollzeitarbeitsstelle, heisst es vom BFS. Wenn man die selbständig Erwerbenden rausrechnet, fielen im letzten Jahr pro Stelle sogar 77 Stunden wegen Krankheit oder Unfall aus. Der Bereich Information und Kommunikation, zu dem die ICT-Branche zählt, lag mit 67 Stunden deutlich darunter – dennoch ist es ein Rekordwert.
Seit 10 Jahren lag die Ausfallzeit wegen Krankheit und Unfall nicht mehr so hoch (siehe Grafik). Es ist der höchste Wert, den das BFS je erfasst hat. Beim Bundesamt heisst es auf Anfrage, dass die Gesamtabsenzen in den beiden Vorjahren höher waren. Zu Buche schlugen etwa Kurzarbeit und Quarantänemassnahmen. Die starke Zunahme von krankheitsbedingten Absenzen im letzten Jahr könne man aber über die gesamte Wirtschaft beobachten.
Die jährlichen Ausfallzeiten und Überstunden (Zahlen: BFS)
Pendlerfahrten, Homeoffice, Massnahmen
Warum aber der Rekord nach der heissen Phase der Pandemie? "Wir können direkt aus unseren Daten leider keine Gründe für die Entwicklung der krankheitsbedingten Absenzen im Bereich 'Information und Kommunikation' identifizieren", schreibt das BFS. Zeitlich falle sie auf das Ende der Pandemiemassnahmen, eine direkte Kausalität können man aber nicht aufzeigen. Möglich wären Faktoren wie die Rückkehr aus dem Homeoffice, Zunahmen der Pendlerfahrten und das Ende der pandemiebedingten Massnahmen, so das Bundesamt.
An längeren Arbeitstagen kann es nicht liegen: Die Wochenarbeitszeit ist mit rund 41 Stunden über die letzten 10 Jahre stabil geblieben. Auch mehr Überstunden sind nicht zu verzeichnen. Diese sind seit 2015, als sie mit 66 Stunden pro Jahr einen Rekordwert erreicht hatten, fast ständig gesunken (siehe Grafik). Dennoch finden sich die Beschäftigten im Bereich Information und Kommunikation auf einer Spitzenposition: Sie arbeiteten letztes Jahr im Schnitt 33 Stunden mehr als vertraglich vereinbart. Das wird nur von den Beschäftigten im Kredit- und Versicherungswesen übertroffen, die fast die doppelte Anzahl Überstunden leisteten.
Information und Kommunikation ist nicht mit der ICT-Branche im herkömmlichen Sinn identisch. Das BFS fasst nach NOGA-Norm nebst klassischen ICT-Bereichen unter anderem auch das Verlagswesen und die Fernseh- und Radioproduktion darunter. Dafür werden zum Beispiel der Handel mit Datenverarbeitungsgeräten und Software sowie die Herstellung elektronischer Geräte unter anderen Kategorien subsumiert.