Illustration: Erstellt durch inside-it.ch mit Midjourney
Der Chip-Konzern tätigt seine zweitgrösste Übernahme. Nvidia dringt damit weiter in neue Tech-Bereiche vor.
Nvidia tätigt die zweitgrösste Übernahme seiner Unternehmensgeschichte nach dem Kauf des Chipherstellers Groq im Dezember für 20 Milliarden US-Dollar. 12,9 Milliarden Dollar will der Chip-Konzern für die Plattform Hugging Face auf den Tisch legen. Für Nvidia ist die Summe ein Klacks: Im letzten Quartal hat der Konzern seinen Nettogewinn auf 59,7 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. Nvidia wird im Rahmen der Vereinbarung rund 11,9 Milliarden Dollar an die Investoren von Hugging Face zahlen und gleichzeitig ein aktienbasiertes Bindungsprogramm von bis zu 1 Milliarde Dollar für Mitarbeitende anbieten, die zu Nvidia wechseln.
Hugging Face wurde 2015 von den Franzosen Julien Chaumond, Clément Delangue und Thomas Wolf in New York gegründet, die bis heute das Unternehmen lenken. Unter ihrer Führung ist die Plattform zum zentralen Ort für Open-Source-KI-Entwicklung geworden. Nach eigenen Angaben nutzen über 18 Millionen Entwicklerinnen und Entwickler Hugging Face. Die Plattform hostet über drei Millionen KI-Modelle sowie eine Million Anwendungen.
Laut Nvidia-CEO Jensen Huang bleibt Hugging Face als offene Plattform für das gesamte KI-Ökosystem bestehen. Developers würden weiterhin die freie Wahl bei den genutzten Modellen, Software-Frameworks, Cloud-Anbietern und Hardware-Architekturen behalten. "Für die Entwicklung oder Bereitstellung von Anwendungen über Hugging Face wird keine Nvidia-Rechenleistung benötigt", sagte Huang.
Gespräche begannen im Sommer
Clément Delangue. Screenshot: Youtube
Clément Delangue, CEO von Hugging Face, sagte gegenüber 'CNBC', dass das Unternehmen im Sommer Gespräche mit Huang aufgenommen habe. "Ich glaube, wir haben im Laufe des Sommers erkannt, dass Hugging Face und Open-Source-KI im Allgemeinen an einem Wendepunkt stehen und dass sie mehr brauchen, mehr Ressourcen, mehr Umfang, mehr Sichtbarkeit", so Delangue.
Er habe sich zuerst an Nvidia gewandt, weil Nvidia "das perfekte Zuhause" für sein Unternehmen sei. Die Gespräche seien recht schnell vorangegangen, um eine Einigung zu erzielen. Ziel von Hugging Face sei, die Zahl der User in den nächsten Jahren von 18 Millionen auf 100 Millionen zu steigern. Die Ressourcen von Nvidia ermöglichten es dem Unternehmen, "über die nächsten zehn Jahre nachzudenken und die maximale Wirkung zu erzielen".
Besorgnis über Wettbewerbsvorteil für Nvidia
Einige Analysten und Entwickler äusserten ihre Besorgnis darüber, dass Nvidia die Konkurrenzhardware nach und nach vernachlässigen könnte, wodurch die Chips von Nvidia zur einzig praktikablen Wahl für diejenigen würden, die auf Hugging Face aufbauen. "Auch wenn sie das Gegenteil behauptet haben, ist es wahrscheinlich, dass zumindest technische Methoden eingesetzt werden, um einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen", sagte Harold Byun, CEO von Bluerock, gegenüber 'Reuters'. "Das ist etwas, was jedes vernünftige Unternehmen anstreben würde."
Für Nvidia könnte der Ausbau von Open-Source-Projekten dazu beitragen, einen Nachfragerückgang von einigen der grössten Kunden abzufedern. "Nvidia kauft sich ganz klar strategischen Einfluss ebenso sehr wie aktuelle Gewinne", erklärte Axel Rudolph, Chefanalyst der IG Group. Der Deal sei ein weiteres Zeichen dafür, dass die Ambitionen des Unternehmens weit über den Verkauf von Chips hinausgehen.