Für den "Pioneer of the Year" nominiert ist Naomi MacKenzie, Mitgründerin von Kitro. Mit Anastasia Hofmann engagiert sie sich gezielt für den Schutz der Umwelt und vor allem des Ernährungssystems. Kito hilft vor allem Firmen der Gastronomie- und Lebensmittelbranche die Essensabfälle um bis zu 60% zu reduzieren. Ferner trägt sie als Coach und Mentorin am Venturelab zur Stärkung der digitalen Schweiz bei.
Inside IT: Was waren Ihre Gedanken, als Sie von der Nominierung erfahren haben?
Naomi MacKenzie: Überrascht, aber auch wirklich stolz. Anastasia und ich haben Kitro direkt nach dem Studium gegründet, um zu beweisen, dass Technologie eine Kraft für das ökologisch Gute sein kann. Damals war KI-basierte Bilderkennung noch nicht der Hype, der sie heute ist, und viele Kritiker sagten uns unverblümt, dass eine vollautomatische Erfassung von Lebensmittelabfällen technisch unmöglich sei. Zehn Jahre später hier zu stehen und diese Technologie für diesen Zweck weltweit als Pionierinnen etabliert zu haben, fühlt sich wie eine ziemlich gute Antwort an die Skeptiker an. Es beweist, dass sich Ausdauer und ein bisschen sturer Optimismus auszahlen.
Wer oder was inspiriert Sie zu Höchstleistung?
Unser Planet. Wenn man täglich in die Nachrichten schaut, sieht man die Warnsignale. Naturkatastrophen auf der ganzen Welt richten Verheerungen an. Wir zerstören den Planeten bis zu einem Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt.
Ob ein Moment im Schnee, eine Biketour durch die Berge oder ein Schwumm im See: Wir haben eine fundamentale Verantwortung, diesen spektakulären Planeten zu schützen, der uns so viel gibt. Das Wissen, dass meine Arbeit einen positiven Unterschied macht, dass sie zu mehr Wertschätzung für unsere Ressourcen beiträgt und die Umwelt aktiv schützt – genau das treibt mich jeden Tag aufs Neue an.
Sie haben viel erreicht. Worauf sind Sie besonders stolz?
Auf unsere Resilienz und unser Engagement, unseren Werten treu zu bleiben. Wir hatten im Laufe der Jahre ein Dutzend Gründe aufzugeben: die Bewältigung von Covid-19, ein schwieriges Finanzierungsumfeld und harte Konkurrenz. Dennoch haben mein Team und ich nie von unserer Mission abgelassen, dafür zu sorgen, dass alle Lebensmittel geschätzt und nicht verschwendet werden. Ein nachhaltiges, wirkungsorientiertes Unternehmen aufzubauen, anstatt dem schnellen Geld hinterherzujagen, ist etwas, hinter dem ich immer stehen werde und worauf ich stolz bin.
Über Kitro hinaus bin ich auch stolz darauf, dem Schweizer Startup-Ökosystem etwas zurückgeben zu können. Heute etwas weiterzugeben – sei es durch Coaching-Programme oder das Vernetzen von Gründerinnen und Gründern – ermöglicht es mir hoffentlich, die nächste Generation von Pionieren auf dieselbe Weise zu unterstützen, wie andere uns damals unterstützt haben.
An welchem Projekt oder Thema arbeiten Sie derzeit?
Bei Kitro heben wir unsere Bilderkennungstechnologie auf das nächste Level und entwickeln unsere Computer-Vision-Modelle gezielt weiter. Wir entwickeln das Produkt ständig fort: Wir balancieren menschliche Touchpoints mit KI-Automatisierung, verbinden Effizienz mit hoher Qualität und stellen sicher, dass jedes Update unseren Impact weiter vergrössert.
Auf persönlicher Ebene experimentiere ich damit, wie ich KI-Tools in meiner täglichen Arbeit und meinem Alltag nutzen kann, ohne mein Gehirn einzuschläfern. Es geht darum, genau den Sweet Spot zwischen smarterem Arbeiten und dem Erhalt meines kritischen Denkens und meiner Kreativität zu finden.
Welche Zukunftstechnologie fasziniert Sie und warum?
KI ist die naheliegende Wahl, aber für mich geht es nicht nur um den aktuellen Hype. Es fasziniert mich schon seit über zehn Jahren, insbesondere Computer Vision. Zu sehen, wie schnell sich die visuelle Erkennung entwickelt hat und was wir damit bei Kitro in so kurzer Zeit erreicht haben, beweist ihr Potenzial. Wenn sie aus den richtigen Gründen eingesetzt wird, kann visuelle Datenverarbeitung wirklich bedeutende, positive Veränderungen für den Planeten bewirken.
Gleichzeitig verstehe ich die Bedenken rund um das Thema vollkommen. Es gibt viele Anwendungen, mit denen ich nicht einverstanden bin, und wir müssen Werkzeuge bauen, die unsere Zukunft schützen, anstatt sie zu bedrohen. Was mir am meisten Sorgen macht, ist das Risiko einer übermässigen Abhängigkeit, konkret der Verlust unseres kritischen Denkens und unserer menschlichen Kreativität. Aber wenn wir bewusst handeln, das menschliche Urteilsvermögen im Mittelpunkt behalten und KI auf die Lösung realer Phänomene wie die Umweltzerstörung fokussieren, bleibt sie eines der mächtigsten Werkzeuge, die wir haben, um eine nachhaltige Zukunft zu gestalten.
Der Award "Pioneer of the Year" zeichnet die IT-Persönlichkeit des Jahres aus. Er wird am 19. November 2026 im Rahmen des Digital Economy Awards im Hallenstadion in Zürich vergeben. Wer einem oder einer der fünf Nominierten eine Stimme abgeben will, kann das ab sofort tun. Die Stimmen aus dem Onlinevoting zählen 50%, jene der Jury ebenfalls 50%.