Abraxas und Abacus setzen sich in St. Gallen durch

23. Juli 2019, 09:32
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Der ERP-Zuschlag nach dem Rechtsstreit kennt zwei Gewinner und drei Verlierer.

Der ERP-Zuschlag nach dem Rechtsstreit kennt zwei Gewinner und drei Verlierer.
"Die Abraxas Informatik AG, St.Gallen, erzielt mit ihrem Angebot mit Produkten der Firma Abacus einen hohen Erfüllungsgrad der Anforderungen" heisst es auf Simap. In diesen trockenen Worten erteilt die Stadt St. Gallen den Zuschlag im Rahmen einer aufsehenerregenden Ausschreibung für eine neue ERP-Lösung für Finanzen und Personal.
Nötig geworden war die Ausschreibung dank einem Kompromiss nach langjährigem Rechtstreit zwischen Abacus und Abraxas, beziehungsweise der vormaligen VRSG, und St. Galler Gemeinden. Dieser verpflichtet die vier grössten Gemeinden im Kanton St. Gallen – St. Gallen, Rapperswil-Jona, Wil und Gossau – eine neue Finanzlösung als Nachfolge der VRSG-Lösung auszuschreiben.
"Wir haben den Wettbewerb gesucht und freuen uns sehr, dass wir diese anspruchsvolle Ausschreibung auch gewonnen haben", sagt Abacus-GL-Mitglied Martin Riedener auf Anfrage. "Die Kooperation mit Abacus trägt Früchte", will auch der neue Vertriebs- und Implementierungspartner Abraxas in einer Medienmitteilung festgehalten haben. "Wir ergänzen uns in idealer Art und Weise", lässt sich Reto Gutmann, CEO von Abraxas, zitieren und Daniel Senn, GL-Mitglied von Abacus sieht das ganz genau so.
"Die neue Personal- und Finanzlösung von Abacus Research deckt alle relevanten Prozesse und Geschäftsfälle im Bereich Finanzen und Lohn/HR der Stadt St.Gallen ab", heisst es weiter in Mitteilungen beider Firmen. Der Zuschlag an sich beläuft sich auf 2,8 bis 8,7 Millionen Franken, einmalige und wiederkehrende Kosten über fünf Jahre eingerechnet. Der Preis wurde dabei mit 40 Prozent gewichtet.
Dies war nicht das günstigste der total vier eingegangenen Offerten, hält die Stadtverwaltung St.Gallen zum Zuschlag fest. "Trotz des höheren Angebotspreises bleibt dieses Angebot aufgrund der positiveren Bewertung der anderen Kriterien insgesamt das am besten bewertete Angebot."
Riedener hält gegenüber inside-channels.ch und inside-it.ch fest, man sei sehr stolz, dass man bezüglich Funktionen und Preis bei Lohn und Finanzen habe mithalten können. "Das zeigt, dass das Produkt wettbewerbsfähig ist auf Stufe Stadt", so der Abacus-Mann. Natürlich hofft man in Wittenbach auf Signalwirkung des Zuschlags bei aktuellen und anstehenden Ausschreibungen anderer Städte, sei es Aarau, Rapperswil, Gossau oder Wil.
Die Verlierer
Speziell ist die Situation auch für Abraxas inklusive VRSG: Die Firma ist nämlich Gewinner der Ausschreibung, aber auch ein Verlierer: Man hatte nämlich zwei Offerten eingereicht, neben Abacus eine zweite für die Implementierung der Abraxas FIS FinanzSuite, die auf Navision basiert. Dies bestätigt ein Sprecher auf Anfrage.
"Im Rahmen des Vergleichs sind alle klüger geworden und dieser hat dazu geführt, dass wir eine Zwei-Produktestrategie fahren", erläutert Abraxas-GL-Mitglied Christian Manser. "Wir freuen uns über die Vergabe und dass St.Gallen weiterhin mit uns zusammenarbeiten will."
Er verneint, dass der St.Galler Entscheid intern Signalwirkung bei künftigen Ausschreibungen habe. "Es sind zwei gleichwertige Lösungen und wir haben bewusst mit beiden Produkten offeriert." Man habe für beide Lösungen, FIS und Abacus, hauseigene Teams, die man auslasten wolle. Je nach Ausschreibung und Anforderungen werde man die eine, die andere oder beide Lösungen offerieren. "Bei grösseren Ausschreibungen ist der Aufwand von zwei Offerten gerechtfertigt", sagt Manser.
Die zwei weiteren Verlierer sind, so heisst es aus gewöhnlich gut informierten Kreisen, SAP und Dialog Verwaltungs-Data. (Marcel Gamma)

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