Also-Actebis: Licht und Schatten vor der Integration

14. Februar 2011, 16:19
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Profitabler als die Konkurrenz aber stagnierende Umsätze beim frisch fusionierten drittgrössten europäischen Distributionskonzern. Also Schweiz wird Sortiment ausbauen.

Profitabler als die Konkurrenz aber stagnierende Umsätze beim frisch fusionierten drittgrössten europäischen Distributionskonzern. Also Schweiz wird Sortiment ausbauen.
Heute Morgen stellte Verwaltungsratspräsident Thomas Weissmann zum ersten Mal die Geschäftszahlen sowohl von Also wie auch von Actebis für 2010 vor. Am 8. Februar haben die Aktionäre der Also Holding bekanntlich der Fusion mit Actebis zugestimmt.
Weissmann konnte einen klar höheren Gewinn ausweisen gestopft.
Umsatz stagniert, Also-Actebis nur wenig profitabler als Ingram
Nicht nachvollziehbar angesichts der präsentierten Zahlen ist die Aussage Weissmanns, Also habe seine "Marktposition" in der Schweiz (und Deutschland) "verbessert". Denn der Umsatz des grössten Schweizer Distis stagnierte im deutschsprachigen Raum (+ 2 Prozent in Länderwährungen) bei knapp drei Milliarden Franken, was wohl kaum auf den Gewinn von Marktanteilen hinweist. So hat sich etwa der Umsatz mit PCs in der Schweiz, wo Also die wichtigen Marken (HP, Apple, Acer) vertreibt, gemäss Robert Weiss mit einem Wachstum von 6,7 Prozent signifikant erholt.
Also-Actebis arbeitet etwas profitabler als die amerikanischen Konkurrenten Tech Data und Ingram Micro. Doch der Unterschied ist nicht so gewaltig, wie Thomas Weissmann heute morgen suggerierte. Also kam letztes Jahr auf eine EBIT-Marge (ohne Sondereffekte) von 1,33 Prozent, Actebis schaffte 1,35 Prozent. Ingram Micro, der weltweit grösste Disti, schaffte in Europa eine EBIT-Marge von 1,25 Prozent. Weissmann argumentierte gegenüber inside-channels.ch, Ingram sei in Europa doppelt so gross wie Also oder Actebis und sollte deshalb Skaleneffekte erzielen können. Dem könnte man entgegenhalten, dass gerade Weissmann immer wieder betont hat, die Gesamtgrösse sei weniger wichtig als die jeweilige Position innerhalb eines Marktes.
Gute Actebis-Zahlen
Zum ersten Mal überhaupt veröffentlichte Actebis - bis letzte Woche noch rein in Privatbesitz - heute Morgen detaillierte Geschäftszahlen. Der Actebis-Konzern erzielte gemäss Weissmann bei einem Umsatz von 3,7 Milliarden Euro (wir verzichten auf die wenig aussagekräftige Umrechnung in Franken) einen Konzerngewinn von 28,2 Millionen Euro. Actebis war also letztes Jahr einiges profitabler als die Also-Gruppe, die in Skandinavien immer noch relativ wenig Geld verdient. Dies ganz im Gegensatz zu Actebis, die in Dänemark sitzt und deshalb von den Euro-Turbulenzen profitiert hat.
Teures SAP-Projekt vielleicht doch nicht so teuer
Ob - und in welchem Zeitraum - die Fusion von Also und Actebis zum Erfolg wird, hängt weitgehend davon ab, ob die Integration der beiden Distributoren in Deutschland gelingt. Dort ist Also-Actebis die Nummer 1 in der Distribution und dort erwirtschaftet der neue Mega-Disti etwa 60 Prozent des gesamten Umsatzes. In Deutschland gibt es aber auch das grösste Konfliktpotenzial, da die beiden Distributoren nur in diesem Markt wirklich aufeinander treffen.
Weissmann wiederholte einmal mehr, dass die Standorte der Lager und der beiden Firmenzentralen (Straubing und Soost) erhalten bleiben sollen.
Als Vorteil der Fusion könnte sich herausstellen, dass Actebis bereits bisher mit SAP als Software-Lösung gearbeitet hat, während Also erst auf SAP migrieren will. Man klärt nun ab, ob die teure (20 bis 30 Millionen Franken) Migration allenfalls günstiger werden könnte, wenn einzelne Ländergesellschaften direkt auf das System von Actebis umsteigen, so Weissmann heute Morgen.
Kleinaktionäre nun wirklich "klein"
Nicht wirklich neu, aber noch wenig beachtet wurde die Tatsache, dass Also-Actebis keine "Schweizer" Firma mehr ist. Die deutsche Droege-Gruppe, die vor eineinhalb Jahren Actebis übernommen hat, hält nun mit 51 Prozent die Mehrheit, der Schindler-Konzern, dem man nachsagt, früher oder später aus der Distribution aussteigen zu wollen, noch 30 Prozent während die Publikumsaktionäre nur noch 19 Prozent der Firma besitzen. (Christoph Hugenschmidt)

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