Basler war mutmasslich Mitglied der berüchtigten Ransomware-Bande Fin6

18. Januar 2022 um 13:41
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Die ukrainischen Kriminellen waren offenbar auch von Schweizer Boden aus aktiv. Auf ihr Konto geht unter anderem der spektaktuläre Hack gegen den Konzern Norsk Hydro.

Im Kanton Basel-Land wurde letzten Herbst im Zuge einer internationalen Aktion gegen eine Cybercrime-Bande eine verdächtige Person festgenommen. Da sich die Festnahme auf ein internationales Rechtshilfegesuch der Pariser Staatsanwaltschaft stützte, wollte die Basler Polizei damals keine weiteren Auskünfte zum Fall erteilen.
Rund 1800 Geschädigte aus 71 Ländern wurden der Bande von Interpol zugeschrieben, die den Schlag gegen die Kriminellen koordinierte. Zu deren Strafdaten gehört auch der verheerende Ransomware-Angriff auf die systemkritische Norsk Hydro im Frühling 2019. Der riesige Aluminiumproduzent musste die Produktion in mehreren Werken einstellen. Die Kosten des Ausfalls werden von der norwegischen Polizei mit umgerechnet fast 113 Millionen Franken veranschlagt.
Bei den Ermittlungen sei die Polizei aufgrund von Parallelen zu alten Hackangriffen zu neuen Erkenntnissen gelangt, schreibt nun die 'Luzerner Zeitung'. Im Jahr der Norsk-Hydro-Attacke wurde dann auch die Polizeiaktion initiiert, in deren Rahmen 2 Jahre später der in Binnigen wohnhafte Mann verhaftet wurde. Indizien deuten darauf hin, dass es sich um einen erfahrenen Software-Entwickler handelt, der auch in verschiedenen Github-Projekten mitgewirkt hat.
Der Binninger Einwohner soll laut Anschuldigungen Mitglied der 12-köpfigen Bande Fin6 aus der Ukraine sein. Bekannt sei diese auch unter dem Namen Skeleton Spider, MageCart Group6, White Giant, Gold Franklin oder ITG08, wie die 'Luzerner Zeitung' schreibt.
Eine Analyse des staatlichen Computer Emergency Response Teams aus Frankreich (CERT-FR) vom Februar 2021 zeigt: Fin6 war seit 2015 aktiv und hat dabei auch mit anderen Banden zusammengearbeitet. So setzte sie unter anderem Schadsoftware im Servicemodell ein, kaufte sich Zugang zu Systemen und teilte sich Aufgaben. Es sei schwierig zu eruieren, welche Hacker in den Angriffsketten welche Funktion ausübten, heisst es vom CERT-FR.
Neben Lockergoga nutzte die Bande Ryuk, Maze, Megacortex and Dharma sowie Malware für das Deployment und die Verschleierung der Aktivitäten wie Terraloader, Trickbot und Powershell Empire, wie Security-Analysen zu entnehmen ist. Vorerst hatte Fin6 auf Zahlungskartendaten abgezielt, die sie von Points-of-Sale und E-Commerce-Anbietern abgriff. Die erbeuteten Daten verkaufte sie im Darknet.
Securityforscher von Fireeye entdeckten aber 2019, dass die Bande ihre Aktivitäten auf gezielte Ransomware-Attacken ausgedehnt hatte. Im selben Jahr fiel ihr Norsk Hydro zum Opfer. Die ausgeklügelten und gezielten Attacken von Fin6 haben Security-Spezialisten von IBM auf der Plattform 'Security Intelligence' analysiert.
Die Person aus Binningen muss sich in der Schweiz wegen Verdachts auf Geldwäscherei und Datenbeschädigung verantworten. Sie wird gestützt auf ein internationales Rechtshilfegesuch der Pariser Staatsanwaltschaft zu ihrer Beteiligung an den Machenschaften befragt.

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