Bundesweite Nutzung des neuen Gever erst im nächsten Jahr möglich

23. Oktober 2020 um 10:18
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Weil sich die Acta-Nova-Einführung erneut verzögert, ist ein Vertrag mit ABF Informatik verlängert worden.

Erneut macht der Bund bei der Einführung der Nachfolge-Lösung von Gever namens Genova Acta Nova oder Gever Bund mit einer Verzögerung auf sich aufmerksam. Wie einem Zuschlag auf Simap zu entnehmen ist, sind die Leistungen für den Erhalt der alten Gever-Lösung bis maximal Ende Dezember 2021 verlängert worden. Es handelt sich um Leistungen aus den 2014 freihändig vergebenen gut 70 Millionen Franken schweren Aufträgen an Fabasoft, I-Engineers, Optimal Systems und ABF Informatik. Konkret geht es jetzt um den damals für rund 24 Millionen Franken an ABF Informatik vergebenen Vertragsteil.
Bereits Ende letzten Jahres hatte die federführende Bundeskanzlei mitgeteilt, dass für die Einführung der künftigen Geschäftsverwaltung des Bundes die bestehenden Verträge um 16 Monate verlängert werden.
Auf die Frage, warum es nun zur erneuten Verzögerung bei der Ablösung des alten Gever komme, teilt die Bundeskanzlei mit: "Da die Einführung von Acta Nova im Bereich Verteidigung des VBS um ein Jahr verschoben wurde (neu auf August 2021), ist folglich der Betrieb des bestehenden Gever-Systems Igeko in der Gruppe Verteidigung des VBS bis dahin zu verlängern".
Die dabei entstehenden Mehrkosten für die Auftragsverlängerung könnten in der bisherigen Zuschlagssumme ohne weiteres aufgefangen werden, weshalb keine Erhöhung vorgenommen werden müsse, lässt uns der Pressesprecher der Bundeskanzlei, Urs Bruderer, wissen. Der konkrete Betrag belaufe sich auf rund 250'000 Franken.
Zur Verzögerung selbst schreibt Bruderer: "Das neue Gever-System ist bei allen Departementen eingeführt, zirka 22'000 Benutzer arbeiten mit dem System. Noch offen ist vor allem die vollständige Einführung im Bereich Verteidigung des VBS im August 2021 sowie im EDA-Ausland." Wobei Letzteres die Botschaften umfasst.
Auswirkungen auf Acta Nova als Basis der Digitalisierung der Bundesverwaltung sieht er nicht. Aktuell hätten alle Departemente Acta Nova im produktiven Einsatz. Das neue Gever-System sei wichtiger Baustein und diene "als ein Enabler für die Digitalisierung der Bundesverwaltung".
An den Gesamtkosten für die Einführung von Genova hält der Bund ebenfalls fest. Zu dem Betrag von 142 Millionen Franken (externe Kosten 67 Millionen Franken und interne maximal 75 Millionen Franken) kämen der vom Parlament bewilligte Zusatzkredit von 8,5 Millionen Franken. Diese seien gesprochen worden, nachdem im Sommer 2019 der Bundesrat der Verlängerung des Programms Genova zugestimmt habe.
Keine Abweichungen soll es hingegen bei den projektierten Einsparungen von rund 184 Millionen Franken über 10 Jahre geben: "Nach aktuellen Prognosen können die damals in Aussicht gestellten tieferen Betriebskosten (Einsparungen), die durch die Einführung und den Betrieb nur noch einer Gever-Standardlösung in der Bundesverwaltung angestrebt wurden, wie geplant eingehalten werden", teilt die Bundeskanzlei mit.
Insgesamt verfüge der Bund über genügend Ressourcen für Acta Nova, sagt Bruderer. "Die Bundesämter beziehungsweise Departemente haben grosse Anstrengungen für die Ausbildung ihrer Mitarbeitenden unternommen und durch interne Verschiebungen zusätzliche Support- und Weiterentwicklungskapazitäten geschaffen". Der zusätzlich Bedarf an externer Unterstützung sei durch die kürzlich abgeschlossene Beschaffung gedeckt.
Interessant dürfte sein, dass derzeit über zwei Drittel der insgesamt vorgesehenen rund 30'000 Bundesangestellten das neue System nutzen.
Wie kritisch auch immer man diese Vertragsverlängerungen von aussen einschätzt, beim Bund sieht man die lange Einführung des Produkts Acta Nova für "Gever Bund" durchaus als Erfolgsgeschichte. Und einiges in der Chronologie spricht für diesen Optimismus. Denn das im Programm Genova geführte Projekt sollte ursprünglich WTO-konform beschafft und bis Ende 2019 in der Bundesverwaltung eingeführt sein. Es war dann insbesondere die Fabasoft-Beschwerde gegen den WTO-Zuschlag, der zu Verzögerungen von 16 Monaten führte. Allerdings stimmt auch, dass die Bundeskanzlei noch im November 2019 plante, das Projekt Ende 2020 abzuschliessen und bis Ende März 2021 auch die Nutzung der alten Gever-Variante zu beenden.
Das Ziel wird also nur knapp nicht erreicht, wenn es denn dabei bleibt, dass auch die letzten Teile der Bundesverwaltung im August 2021 das neue Gever-System eingeführt haben und Acta Nova nutzen.

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