Channel-Frust und eine bald platzende Blase

7. Oktober 2015, 13:45
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Canalys Channels Forum: Die acht schlimmsten Channel-Sünden und eine Cloud-Blase

Canalys Channels Forum: Die acht schlimmsten Channel-Sünden und die Frage, was mit dem Cloud-Business passiert, wenn Geld wieder etwas kostet.
Das Canalys Channels Forum, dessen europäische Ausgabe in diesen Tagen in Barcelona über die Bühne geht, hat sich zum wichtigsten internationalen Treffpunkt von Herstellern, Distributoren und grösseren Resellern entwickelt.
Highlight des glamourösen Events ist jeweils die Keynote von Canalys-Gründer und -Chef Steve Brazier. Er spricht gut, scheut sich vor heissen Eisen nicht und stellt überraschende Zusammenhänge her. So zieht er für sich aus der VW-Affäre den Beleg für eine von ihm aufgestellte These aus dem Jahr 2012: Heutzutage ist buchstäblich jedes Unternehmen auch eine Software-Firma.
Wann platzt die Startup-Blase?
Spricht man von der IT-Industrie, so ist meistens von den heissen Startups Kaliforniens die Rede. Brazier listete einige wie Linkedin oder Box auf und stellte trocken fest: "Sie alle haben noch nie Gewinn gemacht". Die am meisten gefeierten Startups, Salesforce und Amazon, haben seit ihrem Börsengang zusammen ungefähr drei Milliarden Dollar Verlust gemacht. Dass so viel Geld in unprofitable Firmen fliesst, ist für Brazier ein klares Zeichen für eine Blase, die früher oder später platzen wird.
Was passiert mit der Cloud, wenn Geld wieder etwas kostet?
Eine Blase dürfte auch im Cloud-Geschäft, genauer im Business mit Infrastructure as a Service (IaaS), entstanden sein. Ein Indiz dafür: Die Preise sind zu tief. So verdient Amazon zwar operativ Geld mit seinen Web Services, doch eben nur operativ und nicht netto. Denn im operativen Gewinn sind die Kosten für Zinsen nicht enthalten. Brazier rechnete - nicht ohne einen kleinen Seitenhieb auf die anwesenden Journalisten - den Unterschied zwischen operativem und Netto-Gewinn vor. Amazon gab für den Bau der Cloud-Infrastruktur in den letzten drei Jahren etwa 14 Milliarden aus. Alleine die Kapitalkosten dafür betragen bei fünf Prozent Zinsen 700 Millionen Dollar pro Jahr. "Steigen die Zinsen, so wird sich die Industrie verändern. Cloud-Computing wird teurer werden und Gewinn wird wieder wichtig", sagte der Analyst.
Für den Channel und vor allem für die etablierten Player seien das gute Nachrichten, denn die meisten Techkonzerne sitzen auf Bergen von Cash.
Vorsicht mit Hyperconverged
Einige interessante Bemerkungen kamen von Brazier auch zu hyperkonvergenten Systemen. Süffisant wies er darauf hin, dass "Hype" ja schon im Begriff hyperkonvergent vorkomme. Es gehe nur um einen zwar rasch wachsenden, aber immer noch sehr kleinen Markt, in dem sich viele Startups tummeln und in dem es sehr viele Partnerschaften gebe.
Noch sei nicht klar, welche Player sich durchsetzen würden. Das Channelbusiness verlange sehr viel Expertise, weshalb es noch zu früh sei, um unter den vielen jungen Unternehmen jetzt schon einen möglichen Gewinner ausmachen zu können. Entsprechend riskant sei es, in diesem Bereich auf nur einen Partner zu setzen.
Die acht schlimmsten Channel-Sünden
Viel Erfolg erntete Steve Brazier mit der Auflistung der acht schlimmsten Channel-Sünden der Hersteller. Die Liste stammt aus Umfragen des Martkforschers.
Er startete mit Nummer 8 - wir tun das Gleiche:
8. Zertifizierungen (zu kompliziert, zu teuer, zu viele Änderungen)
7. Rules of engagement (Erstaunlich, dass dieser konfliktträchtige Punkt an zweitletzter Stelle kommt.)
6. Exklusive Partnerschaften
5. Zu Cloud-Angeboten gezwungen zu werden (Adobe & Co)
4. Fehlende persönliche Beziehungen
3. Prozeduren für Deal-Registrierungen
2. Komplizierte und zu viele Rabatt-Regelungen (die Hersteller hätten es geschafft, ihre Partnerprogramme zu vereinfachen, aber nicht die Rabatt-Regelungen)
1. Management by Dashboard
Der Applaus war heftig - Brazier hat den Nagel wohl auf den Kopf getroffen. (Christoph Hugenschmidt)

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