Das BAG kämpft mit digitalen und analogen Systemen

20. März 2020, 12:13
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Das Bundesamt für Gesundheit hat Mühe, die korrekten Corona-Fallzahlen zu dokumentieren. Schuld sind unterschiedliche Meldesysteme.

Täglich informiert das Bundesamt für Gesundheit (BAG) über die Entwicklung des Coronavirus in der Schweiz und liefert Fallzahlen. Doch diese seien weder präzise noch aktuell, berichtet die 'Republik'. Grund seien komplizierte Meldeprozesse und unverbindliche Meldekriterien, welche die offizielle Corona-Statistik fehleranfällig machen.
Die Schwächen des Meldesystems würden im Wechsel zwischen analogen und digitalen Datenträgern liegen, so die 'Republik'. Dies führe zu einem "Underreporting". Das Echtzeitmonitoring werde erschwert. Ein BAG-Mitarbeiter wird mit der Aussage zitiert, man habe es mit einer "Papierschlacht wie in einem Film der 1980er-Jahren" zu tun.

Formularstapel werden auf die Waage gelegt

Die Recherche listet verschiedene Beispiele der Probleme bei der Erfassung von Corona-Fällen auf: So würden Schätzungen gemacht, indem Formularstapel auf eine Waage gelegt werden. Meldungen würden per Fax übermittelt, solche, die via unverschlüsseltes E-Mail geschickt werden, müssten manuell bearbeitet werden. Angaben zu Todesfällen oder Heilungen würden BAG-Mitarbeitende zum Teil über die Medien oder Wikipedia eruieren. Informationen über den Krankheitsverlauf seien bei maximal 30% der getesteten Fälle vorhanden.
Das BAG hatte zwar 2014 angekündigt, eine Evaluation für digitalisierte Abläufe der Meldungen von Ärzten und Laboratorien zu starten. Seit Juni 2019 ist auch ein Auftrag für eine ".NET Meldeplattform für Meldesysteme" bei Simap ausgeschrieben. Diese soll "jährlich rund 80'000 Meldungen der Ärzteschaft und Laboratorien zu rund 55 Krankheitserregern" verarbeiten, heisst es dort.
Dabei handle es sich aber um einen Kommunikations¬kanal für den Nachrichten¬austausch zwischen Kantons¬ärzten und BAG-Mitarbeitenden und nicht um automatisierte Meldungsabläufe, schreibt die 'Republik'. BAG-Mediensprecher Daniel Dauwalder sagte gegenüber dem Online-Medium: "Die in der Verordnung bezeichnete 'elektronische Übermittlung' ist ein längerfristiges Projekt, welches wegen der aktuellen Covid-19-Situation nicht beschleunigt werden kann."
Daniel Koch, Leiter Abteilung Übertragbare Krankheiten beim BAG, widersprach an der Pressekonferenz des Bundesrates dem 'Republik'-Bericht in gewissen Teilen. Man arbeite beim BAG an der Digitalisierung. Zu Beginn der Woche hätte es einen "vorübergehenden Rückstand" bei der Eingabe von Meldungen gegeben, doch dieser sei nun aufgeholt. Weiter sei es nicht wahr, dass bei den zuständigen Stellen "mittels Waage gemessen und geschätzt werde".
Update 16.30 Uhr: Der Artikel wurde mit den Aussagen von Daniel Koch an der Pressekonferenz des Bundesrates ergänzt.

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