EFK nimmt erneut den RZ-Campus des Bundes unter die Lupe

22. Mai 2019, 11:41
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Zum dritten Mal hat sich Ende letzten Jahres die eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) dem künftigen Rechenzentrums-Verbund des Bundes gewidmet.

Zum dritten Mal hat sich Ende letzten Jahres die eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) dem künftigen Rechenzentrums-Verbund des Bundes gewidmet. Diesmal ging es um die Beurteilung der Migration ins Frauenfelder RZ.
Bekanntlich wird es dereinst nur noch vier grosse RZs für die Bundesinformatik geben, darunter eines namens "Campus" in Frauenfeld. Das ist sowohl für militärische wie zivile Nutzung gedacht, entsprechend sind drei Departemente am RZ mit eigenen Vorstellungen und Rahmenbedingungen beteiligt, nämlich der ICT-Bereich des VBS namens FUB, das Informatik Service Center (ISC) des EJPD sowie das EFD mit dem Bundesamt für Informatik (BIT).
Im jetzt vorgelegten Bericht der EFK sind die Projekte RZMig 2020 iSC-EJPD, RZMig 2020 BIT und das Projekt RZ/VBS 2020 untersucht worden. Es handelt sich um IKT-Schlüsselprojekte des Bundes, die insgesamt fast eine Milliarde Franken kosten werden. Abgefragt wurden Stand und Risiken der Zügelte.
Gesamtkosten nicht bekannt
Dabei wurde zunächst einmal festgestellt, dass "der Bau des RZ Campus und die Migrationsvorbereitungen weitgehend auf Kurs sind und auch ein angemessenes Risiko- und Qualitätsmanagement besteht". Jedoch existiert laut EFK an drei Stellen Handlungsbedarf. Man vermisse "einen Überblick über die Gesamtkosten des RZ-Verbunds", ausserdem werde der "2014 geschätzte Kapazitätsbedarf mindestens zu Beginn des RZ-Betriebs nicht benötigt" und drittens "ist die Berichterstattung zwar aufwendig, aber trotzdem nicht zuverlässig".
Unter anderem wurde zum ersten Punkt beispielsweise kritisiert, dass in den vom VBS prognostizierten 924,9 Millionen Franken Gesamtkosten ein "hoher zweistelligen Millionenbereich für Migrationen im Rahmen des Lebenszyklusmanagements von Fachanwendungen des EJPD" fehlt. Auch seien Kosten für die Gesamtmigration im VBS und Anpassungen von sogenannten nicht-Campus-Fit Anwendungen im BIT nicht aufgeführt.
Klar sei, dass erst nach der Migration und der Auflösung der bestehenden RZs das Ziel des RZ-Verbunds erreicht sei. Doch diese beiden Kostenfaktoren seien nicht von den derzeit geschätzten Kosten von über 980 Millionen Franken gedeckt.
Zum Punkt Kapazitätsbedarf heisst es , dass sich die "Befürchtung der EFK, dass ein wesentlicher Leerstand oder doppelte Mieten in Kauf genommen werden, verstärkt hat". Man rechnet damit, dass dieser Leerstand erst 2025 reduziert werden kann. Was bis dahin mit den Räumlichkeiten geschieht, ist offen. Abklärungen zu deren Nutzung sind jedoch in Arbeit und Ende des Jahres soll zumindest die ursprünglich für Ende 2018 vorgesehene Liste von RZs respektive Serverräumen vorliegen. "Die EFK empfiehlt dafür zu sorgen, dass der Leerstand schnellstmöglich reduziert wird."
Dann wird noch kritisiert, dass das IKT-Schlüsselprojekt des VBS auf einer untergeordneten Stufe angesiedelt ist. Zwar würden alle Projekte und Teilprojekte eigene Statusberichte führen, die aber teilweise über mehrere Hierarchiestufen hinweg konsolidiert werden. "Dadurch wird eine negative Beurteilung auf unterer Stufe verwischt", heisst es. Hier sei mehr Transparenz nötig, so die EFK.
Zudem wird festgehalten, dass für die IKT-Schlüsselprojekte eine Leistungswertanalyse gefordert werde, die aber nur für das Migrationsprojekt des BIT vorliegt. Beim "RZ VBS / Bund 2020" verzichte man sogar auf eine Leistungswertmessung, "weil nach eigenem Ermessen keine sinnvollen Kennzahlen angegeben werden können". Man sei der Meinung, so die EFK zu diesem Punkt, dass die Berichterstattung auf messbaren Grundlagen basieren muss, "welche nur mit entsprechender Definition der Arbeitspakete möglich ist". Diese Grundlagen sind zu schaffen, wird daher empfohlen.
Schliesslich wird noch bemängelt, dass von den 15 Empfehlungen der vergangenen zwei Prüfungen fünf noch nicht umgesetzt oder zurückgewiesen wurden. (vri)

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