Unter den Netzwerkausrüstern herrscht ein harter Konkurrenzkampf. Der schwedische Branchenprimus Ericsson muss jetzt unter Druck umbauen. "Wir sind unzufrieden mit dem Wachstum und der Profitabilität in den vergangenen Jahren", so CEO Hans Vestberg. Deshalb kommt es bei Ericsson zu weiteren Veränderungen. Von einem Stellenabbau ist derzeit nicht die Rede.
Per 1. Juli 2016 wird sich das Unternehmen in fünf Business-Einheiten und einer dedizierten Abteilung für Industry & Society organisiert haben. Das Netzwerk-Kerngeschäft wird in zwei Sparten weitergeführt: Network Products und Network Services. Ein Fokus in diesem Bereich liege beim Ausbau und Weiterentwicklung der 4G- und 5G-Technologien sowie dem Ausbau von Managed Services. Hinzu kommen zwei Geschäftseinheiten für das IT- und das Cloud-Geschäft: IT & Cloud Products und IT & Cloud Services. Gemeinsam mit der neuen Business Unit Media sieht Vestberg im IT- und Cloud-Geschäft Wachstumspotential. Mit der neuen Struktur werden acht neue Mitglieder ins Executive Team berufen. Gleichzeitig verlassen Executive VP Magnus Mandersson, Senior VP Jan Wäreby, CIO Anders Thulin und Head of Ericsson Asia-Pacific Mats Olsson das Unternehmen.
Die Umstrukturierung soll es dem Konzern einfacher machen, auf die Bedürfnisse der Kunden einzugehen. Doch der Umbau kostet. Das Management veranschlagt dafür in diesem Jahr vier bis fünf Milliarden Kronen, umgerechnet bis zu 600 Millionen Franken. Zuvor war von drei bis vier Milliarden Kronen die Rede. Ericsson war in der Ausrüstung von IT- und Telekommunikationsnetzen bislang die Nummer eins. Mit dem milliardenschweren
Kauf des französisch-amerikanischen Anbieters Alcatel-Lucent will der finnische Rivale Nokia Ericsson aber nun überholen. Zudem gibt es Druck von aggressiven chinesischen Konkurrenten wie Huawei und ZTE.
Rückläufige Profitabilität
Das bereits laufende Sparprogramm reicht Ericsson nicht mehr - bis 2017 sollten die Kosten im Vergleich mit 2014 ohnehin um jährlich neun Milliarden Kronen sinken. Im ersten Quartal rutschte der Ericsson-Umsatz im Jahresvergleich um zwei Prozent auf 52,2 Milliarden schwedische Kronen (6,3 Milliarden Franken) ab. Ohne Währungseffekte sowie Zu- und Verkäufe, hätte der Rückgang ein Prozent betragen.
Die Profitabilität ging trotz höherer Lizenz- und Patentgebühren überraschend zurück, die bei Ericsson vielbeachtete Bruttomarge sank um über zwei Prozentpunkte auf 33,3 Prozent. Da ist der um 45 Prozent auf 2,1 Milliarden Kronen gestiegene Gewinn nur ein schwacher Trost, denn im Vorjahr hatten vor allem Währungssicherungsgeschäfte das Ergebnis belastet. (sda/kjo)