Facebook stellt Kryptowährung Libra vor

18. Juni 2019, 11:35
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Die Währung soll von der Libra Association in Genf verwaltet und Open Source entwickelt werden.

Die Währung soll von der Libra Association in Genf verwaltet und Open Source entwickelt werden.
Facebook hat mit einem White Paper seine neue globale, digitale Währung vorgestellt. Libra soll 2020 starten und basiert ähnlich wie Bitcoin auf der Blockchain-Technologie, soll aber ohne Kursschwankungen auskommen. Facebook werde keinen Zugang zu den Transaktionsdaten haben, versicherte der für das Projekt zuständige Facebook-Manager David Marcus gegenüber 'dpa'.
In der Anfangszeit dürfte das Digitalgeld vor allem für Überweisungen zwischen verschiedenen Währungen eingesetzt werden, sagte Marcus. Damit würde Libra mit Diensten wie Western Union oder Moneygram konkurrieren. Die Vision sei aber, Libra schliesslich zu einem vollwertigen Zahlungsmittel für alle Situationen zu machen. Mit fast 2,4 Milliarden Menschen, die jeden Monat Facebook nutzen, könnte Libra das globale Finanzsystem verändern.
Für Verbraucher soll es einfach sein, das Geld zwischen Libra und anderen Währungen zu tauschen und Transaktionen damit zu machen. So soll man Libra-Überweisungen zum Beispiel direkt in Facebooks Chatdiensten WhatsApp und Messenger ausführen können. Mit einer Verknüpfung zum Bankkonto sollen Libra auch direkt auf dem Smartphone in andere Währungen umgetauscht werden können.
Libra Association mit 28 Mitgliedern
Um das Ziel einer digitalen Vollwährung zu erreichen, hat Facebook die Libra Association mit Sitz in Genf gegründet. Diese Allianz und nicht Facebook soll das Digitalgeld verwalten.
Unter den aktuell 28 Mitgliedern sind die Finanzdienstleister Visa, Mastercard, Paypal und Stripe – was die Integration in Bezahlsysteme erleichtern dürfte. Mit an Bord sind unter anderem auch Vodafone und Ebay, die Reisebuchungs-Plattform Booking.com, der Musikstreaming-Dienst Spotify und die Fahrdienst-Vermittler Uber und Lyft, sowie die gemeinnützige Finanzorganisation Women's World Banking, die Mikrokreditplattform Kiva und die humanitäre Hilfsorganisation Mercy Corps.
Zum Libra-Start im Jahr 2020 hoffe er auf mehr als 100 Mitglieder, sagte Marcus. Facebook werde keine Sonderrolle in der Organisation haben.
Kursschwankungen vermeiden
Bisherige Blockchain-Währungen wie Bitcoin sind für ihre massiven Kursschwankungen berüchtigt – dies wolle Facebook mit Libra unbedingt vermeiden. Deshalb soll Libra in vollem Umfang durch einen Reservefonds mit verschiedenen Währungen wie Dollar, Euro und Yen gedeckt sein. "Wenn zum Beispiel jemand Libra für 100 Euro kauft, fliessen diese 100 Euro in die Reserve", erläuterte Marcus.
Die Libra Association werde zudem festlegen, in welchem Verhältnis Währungen und Wertpapiere wie Anleihen in der Reserve gehalten werden, um für einen stabilen Kurs zu sorgen. Auch wird Libra anders als der Bitcoin nicht von den Nutzern selbst erstellt, sondern muss bei Mitgliedern der Allianz oder auf Handelsplattformen erworben werden.
Verschiedene digitale Brieftaschen
Zur Aufbewahrung und Nutzung von Libra werden verschiedene Anbieter Wallets aufsetzen können. Facebook will nur einer von vielen Wallet-Anbietern sein, dafür gründete das Online-Netzwerk die Tochterfirma Calibra, die ihren Sitz ebenfalls in Genf hat und Mitglied der Libra Association ist.
Chef von Calibra wird David Marcus, der in Genf aufgewachsen ist. 2008 gründete Marcus in den USA das Payment-Unternehmen Zong. Nach dessen Übernahme durch Paypal war er unter anderem CEO des Bezahldienstes, bevor er 2014 zu Facebook wechselte.
"Facebook und Calibra werden keine besonderen Rechte oder Vorteile haben, obwohl wir den gesamten Quellcode für die Blockchain und die Transaktionen geschrieben haben", sagte Marcus.
Umgang mit Regulationsbehörden
Facebook steht insbesondere nach dem Skandal um Cambridge Analytica unter massivem Druck, den Datenschutz zu verbessern. Nutzer sollen deshalb im Libra-System unter Pseudonymen agieren können und mehrere Zugänge haben. "Transaktionen enthalten keine Verbindung zur Identität der Nutzer in der realen Welt", heisst es im White Paper.
Die übliche Regulierung – also zum Beispiel Massnahmen gegen Geldwäsche – werde auf Ebene der Wallets greifen, sagte Marcus. "Wir haben mit Regulierern rund um die Welt gesprochen." Für Unternehmen, die Gründungsmitglieder der Libra-Allianz werden wollen, wurde eine Hürde gesetzt: Sie müssen einen Marktwert von mindestens einer Milliarde Dollar oder mehr als 20 Millionen Kunden haben. Mitglieder müssen mindestens zehn Millionen Dollar investieren.
Ein Sprecher der Eidgenössischen Finanzaufsicht Finma bestätigte gegenüber 'Reuters', dass man mit den Initiatoren von Libra in Kontakt stehe. Er lehnte es aber ab, weitere Kommentare dazu abzugeben, ob für das Projekt bestimmte behördliche Genehmigungen eingeholt wurden.
Anderes System als Bitcoin
Libra soll Open Source entwickelt werden. Die Libra Association hat eine erste Vorab-Version des Codes unter einer Apache-2.0-Lizenz zur Verfügung gestellt. Facebook entwickelte für das System auch eine neue Programmiersprache mit dem Namen Move.
Facebook sei es bei seinem System gelungen, bekannte Probleme der Blockchain-Technologie wie Langsamkeit zu lösen. Bei Libra komme es auch nicht zu dem hohen Energieverbrauch wie bei Bitcoin. "Wir haben eine Blockchain entwickelt, die sich an die Anforderungen von Milliarden Menschen anpassen kann", sagte Marcus.
Das White Paper wurde auf der Libra-Website veröffentlicht. (paz/Keystone-sda)

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