Farmy verkauft Äpfel und jetzt auch Software

7. Januar 2021, 15:15
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Der Lebensmittel-Lieferant hat einen ersten Software-Kunden. Der Co-Gründer erklärt uns den verblüffenden Schritt.

Der auf lokale Lebensmittel spezialisierte Händler und Lieferant Farmy tritt neu auch als IT-Dienstleister auf. Dies geht aus der Mitteilung zum Geschäftsgang 2020 hervor.
Mit dem ersten Lockdown im Frühjahr sei die IT-Infrastruktur von Farmy durch massiv erhöhte Zugriffe auf die Probe gestellt worden, schreibt das Unternehmen. Dabei habe sich das in-house entwickelte System behaupten können.
Nun will das Züricher Unternehmen die Eigenentwicklung auch anderen Offline-Händlern anbieten.

Eigenentwicklung für eine neue Nische

"Da es keinen Anbieter gab, der mit einer fertigen Lösung alle für das Thema eFood relevanten Prozesse abdecken konnte (komplette Supply Chain, inklusive Inbound Logistik und Auslieferung – spricht letzte Meile), haben wir uns entschieden, ganz auf Eigenentwicklung zu setzen", erklärt uns Roman Hartmann, Co-CEO und Co-Gründer, auf Anfrage. Einzig in den Bereichen CRM und Buchhaltung setze Farmy auf Standardlösungen.
Ein Vorteil der eigenen Lösung ist laut dem Co-CEO, dass sämtliche Systeme nahtlos ineinander spielten, sowohl hinter den Kulissen in der Logistik als auch in den Frontend-Systemen. Somit könne man schnell auf Veränderungen reagieren, was beispielsweise in der ersten Welle der Pandemie essenziell gewesen sei. In dieser Zeit habe Farmy 300% mehr Bestellungen verarbeiten können.
Die Farmy-Lösung besteht aus verschiedenen Komponenten, darunter ein Webshop und eine Kunden-App. Hinzu kommen das ERP- und Warehouse-Management-System, eine Fulfilment-App, eine Delivery-App sowie ein Tool für die Routen-Planung.
In der IT-Infrastruktur Farmy stecken gemäss Hartmann inzwischen 7 Jahre Entwicklungsarbeit. "Wir haben von Anfang an auf die Eigenentwicklung aller Systeme gesetzt und somit ist sehr viel Know-how und Erfahrung in die bestehenden Lösungen eingeflossen", so der Mitgründer.

Vertrieb über das eigene Netzwerk

Mit Bio Suisse gibt Farmy einen ersten Kunden für die Software-Lösung bekannt. Weitere wollte Hartmann auf Anfrage noch nicht verraten, aber es werde noch dieses Jahr "sehr viele interessante Neuigkeiten geben", wie er sagt.
Bisher laufe der Vertrieb direkt über das eigene Netzwerk. Die Nachfrage sei bereits jetzt sehr hoch.
Im Visier für die Out-of-the-Box-Lösung stehen etablierte Supermarktketten, Lebensmitteleinzelhändler und -produzenten. Dabei fokussiere sich Farmy im Food-Segment auf Kunden, die nicht sofort in ein grosses automatisiertes Lager investieren wollen, sondern auf dezentrale Lagerlogistik setzen – inklusive Picking aus bestehenden Offline-Läden.
In dieser Nische gebe es bisher kaum Player. Auch im Bereich der letzten Meile für Lebensmittel-Lieferungen gebe es bisher kaum vergleichbare Angebote. "Dabei bieten wir unseren Service natürlich international an", so Hartmann.

IT-Team soll wachsen

Derzeit beschäftigt Farmy laut Eigenangaben ein Dutzend IT-Angestellte und nutzt mehrere Subunternehmen. Das In-House-Team werde in den kommenden 1 bis 2 Jahren voraussichtlich doppelt so gross werden, so Hartmann.
Farmy wurde 2014 von Roman Hartmann zusammen mit Tobias Schubert in Zürich gegründet. Die Covid-19-Pandemie hat dem Onlineshop Farmy ein Rekordjahr beschert. Der Umsatz stieg laut Mitteilung 2020 im Vergleich zum Vorjahr um fast das Dreifache auf 26 Millionen Franken. Die Belegschaft wuchs von 133 auf 220 Mitarbeitende.
Das Unternehmen bietet laut Mitteilung über 14'500 Produkte von 1200 Produzenten und liefert diese selbst aus. 

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