Gaia-X: Verantwortliche versprühen Optimismus

7. Juni 2021, 13:13
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Über 200 Firmen an Bord, Spezifikationen abgesegnet: Die "souveräne europäische Cloud-Infrastruktur" mache Fortschritte.

212 Unternehmen hätten sich dem europäischen Dateninfrastruktur-Ökosystem Gaia-X angeschlossen, erklärte der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier bei einem Anlass letzte Woche.
Darunter seien 80 Firmen aus Deutschland. 131 Konsortien aus Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand die beabsichtigen, in Anwendungsfeldern wie Mobilität, Gesundheit, Energie und Industrie 4.0 mit der Gaia-X-Infrastruktur ihre Projekte zu realisieren.
Am 26. Mai sei zudem erste Spezifikationsrunde der "Federation Services" abgeschlossen, berichten Medien. Diese gemeinsamen Standards und Frameworks sollen Interoperabilität und Kompatibilität zwischen verschiedenen Systemen sicherstellen, damit keine Lock-ins entstehen und die Datenübertragung so einfach wie möglich erfolgt. "Die Gaia-X Federation Services bilden das Fundament und die Grundlage für die operationale Implementierung von Gaia-X", sagte Andreas Weiss vom Verband der Internetwirtschaft (eco) über das Herzstück des Projekts.
"Mit dem Aufbau der sogenannten Federation Services, dem technischen Herzstück des Betriebssystems von Gaia-X, ist der nächste Meilenstein geschafft", liess sich der Beauftragte für Digitale Wirtschaft des deutschen Wirtschaftsministeriums, Thomas Jarzombek, zitieren. "So werden alle Services von Gaia-X zu einem transparenten und offenen System nach europäischen Standards verbunden."
Gaia-X ist als offener Marktplatz für Cloud-Service-Anbieter angedacht. "Gaia-X ermöglicht die digitale Souveränität der Nutzer von Cloud-Dienstleistungen. Europäische Anbieter von Cloud-Dienstleistungen können ihre Nutzungen skalieren, sodass es wirtschaftlich attraktiv ist, diese Dienstleistungen anzubieten", glaubt Altmaier. Nun soll die Ausschreibungsphase folgen, mit welcher Partner für Implementierungen gefunden werden sollen.

2025: Operative und Software-Souveranität erreicht

Laut der im Mai ebenfalls veröffentlichten, aktuellen Roadmap (PDF) soll bis 2025 die europäische Software- und Betriebs-Souveränität erreicht sein und es sollen bis 2030 Initiativen starten, welche die Hardware-Souveränität ermöglichen sollen.
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Technischer Scope der Next-Generation-Cloud (grau: Ausserhalb des Scopes). Quelle: Gaia-X-Roadmap
Konkret definiert die Roadmap die Begriffe wie folgt:
  • Operative Souveränität: "Die Fähigkeit, eine Cloud auf Basis der erforderlichen Skalierbarkeit, Zuverlässigkeit und Kosten zu betreiben. Infrastruktur- und Softwaretechnologie-Versorgung bleibt abhängig von europäischen Akteuren."
  • Software-Souveränität: "Betrieb und Softwareversorgung können von europäischen Akteuren und/oder auf Open-Source-Basis bezogen werden. Hardware wird weiterhin teilweise von aussereuropäischen Akteuren bereitgestellt."
  • Hardware-Souveränität: "Betrieb, Software und Hardware-Technologie können von europäischen Akteuren und/oder auf europäisch registrierter Open-Source-Basis bezogen werden."
Versprochen wird mit Gaia-X eine virtuelle europäische Cloud- und Dateninfrastruktur, welche Unabhängigkeit von US- und chinesischen Konzernen ermöglichen soll.
Kritiker bemängeln, dass auch Amazon, Alibaba, Google und Microsoft sowie die eng mit US-Geheimdiensten kooperierende Firma Palantir bei Gaia-X mittun. Deren Interesse scheint gross zu sein. Die geografische Herkunft sei kein Hinderungsgrund, denn Datenportabilität und Interoperabilität seien die wichtigsten Prinzipien des Programms, heisst es seitens der Zuständigen.
Regelmässig werden neue Ankündigungen für Gaia-X gemacht, beispielsweise von den französischen Konzernen Atos und OVHCloud. Aber manche Experten und Marktforscher glauben, Gaia-X komme zu spät, um die Ziele tatsächlich erreichen zu können.

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