Google hat bewusst WLAN-Daten abgegriffen

30. April 2012, 11:15
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Doch kein Versehen.

Doch kein Versehen.
Was ursprünglich wie ein Software-Fehler aussah und jetzt einem einzelnen Mitarbeiter angelastet wird, hat für Google zwar nur die Konsequenz einer relativ kleinen Geldstrafe von 25'000 Dollar, wirft aber auch eine Reihe von Fragen auf. Das Abgreifen von WLAN-Mitschnitten durch Kameraautos, die Street-View-Daten sammeln, geschah offenbar bewusst.
Tatsächlich hat der Suchmaschinenriese auf Anfragen der US-amerikanischen Telekommunikationsbehörde FCC am Wochenende eingeräumt, dass besagter Kollege die Software dafür allein geschrieben habe mit der Absicht, Suchanfragen im Internet zu verbessern. Für eine genauere Ortung haben die Street-View-Autos tatsächlich aber nicht nur die Position von WLAN-Stationen erfasst. Wie sich herausstellte, soll die Software zwischen 2008 und 2010 auch unverschlüsselte Inhalte aus dem WLAN-Äther abgefangen haben. Entgegen der ursprünglichen Beteuerung, dass im Zuge dessen versehentlich nur einzelne Datensplitter gespeichert worden waren, haben eingehende Untersuchungen nun ergeben, dass tatsächlich auch E-Mails und andere Daten in den Fundus gelangt sind.
Der alleinschuldige Software-Entwickler soll sich die Daten mindestens einmal angeschaut haben, um Einblick in oft besuchte Websites zu nehmen und erst davon gelassen haben, nachdem ein Kollege aus der Suchmaschinen-Abteilung ihn darauf aufmerksam machte, dass die Daten für Google keinen Wert hätten. Ausserdem soll er zwei weitere Mitarbeiter in seine Pläne eingeweiht haben und schliesslich sogar per E-Mail das ganze Street-View-Team. Keiner konnte oder wollte sich später daran erinnern.
Nun kann man sich fragen, wie es sein konnte, dass ein einzelner Mitarbeiter unbehelligt seine streitbare Idee umsetzte, ohne dass irgendwo im Konzern die Alarmglocken läuteten. Um sich nicht selbst zu belasten, hat dieser vor der FCC die Aussage verweigert. Wie es von Google heisst, gehöre er nicht direkt zum Street-View-Team. Ausserdem habe jeder die Software ändern können, ohne Rechenschaft darüber abzulegen. Dabei bleibt aber die Frage, warum ein Software-Experte, der die Street-View-Software 2007 auf Fehler überprüfte, von der Möglichkeit, WLAN-Daten abzugreifen, nichts bemerkt haben will.
Die Geldstrafe von 25.000 Dollar hat Google im Übrigen von der FCC wegen Behinderung der Ermittler auferlegt bekommen und nicht, weil der Mitschnitt der WLAN-Daten gegen die Gesetze verstossen habe. Denn in den USA gebe es dafür keinen Präzedenzfall, ein entsprechender Artikel zum Abhörverbot sieht noch keine Anwendung auf das WLAN vor. (kh)

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