Google will keine Datenkrake mehr sein

3. März 2021, 16:22
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Google verspricht, ab dem kommenden Jahr Individuen im Web nicht mehr zu tracken.

Einst war Google der grosse Antreiber der Datensammelwut im Internet. Den Werbern gefiel Googles Idee ungemein, das Verhalten von individuellen Usern immer genauer zu tracken während sie sich durchs Web bewegen, um ihnen so individualisierte Werbung anzeigen zu können. Dies spülte Unmengen von Geld in die Kassen des Internetriesen. Trotz seines anfänglichen Leitspruchs "Don't be evil" wurde das Wort "Datenkrake" sehr oft im Zusammenhang mit Google benützt.
Nun das grosse Umdenken: In einem Blogpost verspricht der Google-Vertreter David Temkin, dass Google im kommenden Jahr damit aufhören werde, Individuen beim Surfen von Site zu Site zu verfolgen. Nur noch ihr Verhalten auf einer Site soll aufgezeichnet werden, und nur der Betreiber dieser Site soll dies für Werbung nützen können, wenn er dies will. Google werde aber keine Cookies mehr einsetzen, um Individuen über die Grenzen einer Site hinaus verfolgen zu können. Auch in alternative, möglicherweise in Sachen Datenschutz etwas weniger heikle Methoden zum Tracking von Individuen, will Google nicht investieren.
Der Grund? Auch Google scheint es mittlerweile aufgegangen zu sein, dass viele Internetuser sich an der Dauerüberwachung stören. Temkin zitiert eine Studie, laut der 72% der Leute glauben, dass fast alles, was sie online tun, irgendwo gespeichert wird. 81% erklären laut dieser Studie, dass die daraus stammenden Risiken jeglichen Vorteil, den sie selbst davon haben könnten, übersteigen.

Eine neue Technologie soll Cookies ersetzen

Durch den Verzicht auf das Tracking von Usern könnte Google sein Image, das in den letzten Jahren auch bei den eigenen Mitarbeitenden stark gelitten hat, wieder aufpolieren.  Um Werbern trotzdem personalisierte Werbung anbieten zu können, will Google eine bereits Ende Januar angekündigte Technoologie namens Federated Learning of Cohorts (FLoC) einsetzen.
Mittels Machine Learning sollen Benutzerdaten analysiert, dann aber nicht einem Individuum, sondern einer Übergruppe, einer "Kohorte", zugeordnet werden. Das Versprechen: Die Browserdaten würden nicht geteilt, stattdessen würden die Daten der Kohorte an Werber weitergegeben, in der die individuellen Daten stecken. Diese anonymisierten Gruppen-Daten würden genutzt, um personalisiert zu werben. Das soll ähnlich effektiv sein wie Cookies, verspricht Google.
Allerdings räumt Temkin im aktuellen Blogpost ein, dass andere Anbieter in Zukunft Werbern ein höheres Level an Individualisierung bieten könnten, als Google.
Eine grosse Frage ist nun, wie andere Internetkonzerne und die Werbetreibenden auf die Entscheidung von Google reagieren werden. Laut Schätzungen von Marktanalysten hat Google im vergangenen Jahr rund die Hälfte des weltweiten Umsatzes von rund 290 Milliarden Dollar eingeheimst, der mit digitaler Werbung erzielt wurde. Es scheint wenig wahrscheinlich, dass keine Konkurrenten versuchen werden, Google nun einen Teil dieses riesigen Kuchens abzujagen, indem sie Werbern weiterhin individualisierte Werbung anbieten.
Andererseits wächst anscheinend auch bei den Unternehmen, die Werbung schalten, das Bewusstsein, dass übertriebene Datensammelwut das Image einer Marke beeinträchtigen kann.

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