Huawei Cloud Switzerland fungiert auf einer schwarzen Liste der USA

18. August 2020, 14:23
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Was bedeutet diese Liste für Schweizer Kunden, Partner und Huawei Schweiz selbst? Wir haben nachgefragt.

"Huawei Cloud Switzerland" ist neu auf einer "Schwarzen Liste" der US-Regierung aufgeführt. Der Name taucht mit 37 weiteren Namen – von Huawei Cloud Argentinien über Frankreich bis UK – in der Liste auf, "weil sie ein erhebliches Risiko darstellen, im Namen von Huawei entgegen den nationalen Sicherheits- oder aussenpolitischen Interessen der Vereinigten Staaten zu handeln", wie es seitens der Trump-Administration heisst.
Die US-Regierung wolle mit der Liste verhindern, dass der chinesische Konzern via diese Länderorganisation Sanktionen umgehen könne, heisst es weiter.
Eine Firma namens "Huawei Cloud Switzerland" existiert nicht, darum ist unklar, wen und was die USA konkret meinen. Es gibt hierzulande nur "Huawei Technologies Switzerland".
Der chinesische Konzern ist nicht nur im hiesigen Smartphone-Business gross, sondern spielt auch eine zentrale Rolle beim Sunrise-Netz und dessen Betrieb. Dies sei ein Vorzeigeprojekt für Huawei in Europa, erklären Experten. Die Partnerschaft soll auch in der 5G-Aera bestehen bleiben, wurde von Sunrise immer wieder bestätigt. Bis anhin liess auch der künftige Sunrise-Besitzer, Liberty Global mit Headquarters in UK und USA, nichts anderes verlauten. Und UPC-Chef Baptiest Coopmans sagte der 'Sonntagszeitung', er erwarte keine bedeutenden Veränderungen. Man sei aber vorbereitet, wenn sich die Ausgangslage ändern sollte.
Auch zwei wichtige Huawei-Partner zeigen sich auf Anfrage nicht nervös. Urs Tschudin, Verwaltungsratspräsident von Infoniqa, sagt, seine Firma sei ein klassischer Data-Center-Ausrüster mit Netzwerk- und Storage-Lösungen im Enterprise-Bereich und so erkenne er nicht, dass Infoniqa aktuell betroffen sein könnte.
Auch Matt Keller, CEO und Mehrheitsaktionär bei UMB, sieht keinen Handlungsbedarf als Reseller. Bei juristischen Rahmen gebe die Schweizer Regierung den Takt an, erklärt er, und natürlich halte man sich an Gesetze. Zum zweiten sei die Kundensicht zentral. UMB biete Huawei ebenso wie Produkte anderer Hersteller an und erarbeite die Lösung mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis für jeden speziellen Kunden-Case. Der Kunde treffe die Entscheidung, welche Technologie er schliesslich beschaffe. "Diese Entscheidung können wir ihm nicht abnehmen."
Huawei Technologies Switzerland gibt sich auf Anfrage nicht beeindruckt. "Wir gehen davon aus, dass dies auf unser Schweizer Business keine Auswirkungen hat", so Manuel Küffer, Senior Manager Media & Public Affairs.

Wer lässt sich von US-Drohungen beeindrucken?

Der Markterfolg von Huawei in der Schweiz kommt nicht von ungefähr, der chinesische Anbieter wartet offensichtlich mit sehr kompetitiven Produkten und Preisen auf. So ist Huawei beispielsweise auch im hiesigen Bankensektor relativ verbreitet.
Die Frage ist also, wie Matt Keller es antönt, ob sich die Firmenkunden oder auch Verwaltungen von den Schwarzen Listen und US-Warnungen vor nicht spezifizierten Security-Risiken beeindrucken lassen.
Bis anhin war China, beziehungsweise die Schaffung einer Prüfstelle für kritische Hard- und Softwarekomponenten, zwar ein Thema, aber grosse Aufregung scheint in Bern aktuell keine zu herrschen.
Traditionell sind die Beziehungen Schweiz-China relativ stark. Die beiden Länder unterhalten seit 1950 bilaterale Beziehungen, die sich in den letzten Jahren intensiviert haben und aktuell rund 30 Bereiche umfasst. Dazu zählt eine strategische Partnerschaft, welche das Schweizer Aussenministerium EDA selbst als "innovativ" bezeichnet. Seit 2010 ist China laut EDA der wichtigste Handelspartner der Schweiz in Asien und der drittwichtigste Handelspartner überhaupt hinter der EU und den USA.
Auch beim gigantischen chinesischen Projekt einer "neuen Seidenstrasse" planen die beiden Staaten ihre Zusammenarbeit in den Ländern entlang der Route auszubauen.

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