In der Stadt St. Gallen fiel die Informatik einen Tag lang aus

10. März 2020, 14:52
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Der Krisenstabsleiter der Stadt erklärt, was die Ursache war, und warum die Redundanz nicht half.

Die Informatik der Stadt St.Gallen ist gestern grossflächig ausgefallen. Sven Ihl, Mitglied der Geschäftsleitung und gestriger Krisenstabsleiter der Informatikdienste (IDS), bestätigt einen Bericht des 'Tagblatt' auf Anfrage.
Telefone, E-Mails und Datenzugriffe waren für die rund 3000 User der Stadt nicht möglich, auch die Blaulichtorganisationen waren betroffen, aber die Notrufnummern konnten umgeleitet werden. Da die ganze städtische Informatik betroffen war – von der Schule bis zur Polizei – sei die höchste Alarmstufe in Kraft getreten.
Sven Ihl erklärt den Ausfall von Skype, Exchange-Mail, Domain-Controller, Datenspeicher und weitreichenden ICT-Services damit, dass sich ein zentrales Storage-System wegen eines Softwarefehlers des Herstellers bei zu grossem Workload  planmässig selbst herunterfuhr. "Wir haben durchgängig die aktuellen Releases und Patches im Einsatz, aber in einer gewissen Konstellation von Hardware, Firmware, Betriebssystem, Storage, Virtualisierung und Verbindungen zwischen den drei Rechenzentren, fährt das Storage-System als Schutzmassnahme auf beiden Seiten herunter. Dies um Inkonsistenzen der Daten zu vermeiden." Das bedeutet ebenfalls, dass auch die vorhandene Redundanz nicht mehr zum Tragen kam.
Diese Infrastruktur-Konstellation sei mit dem Hersteller als Standardlösung konzipiert, und nicht alleinig für St.Gallen massgeschneidert worden, so Ihl. Den Namen des Herstellers möchte er aufgrund der laufenden Zusammenarbeit nicht nennen, aber dieser habe sofort und professionell reagiert: "Die Firma sagte, das Problem ist bekannt, die Lösung liegt vor und wäre im nächsten Release des Herstellers sowieso enthalten gewesen. Dadurch erfolgte die Ursachenbehebung innert Minuten."

Was gut lief, welche Lehren gezogen werden

Nicht innert Minuten konnte die städtische Informatik wieder hochgefahren werden. Man habe nach fundierten Tests die Dienste kontrolliert und priorisiert hochgefahren. Im Fokus seien tagsüber Basisdienste, AD, DNS, DHCP, Public Key Infrastruktur (PKI) und für die Kommunikation zentrale Dienste wie Skype, E-Mail und das Intranet gestanden. Es gab aber keine Freigaben an die städtischen Dienststellen bis sichergestellt war, dass die Datenkonsistenz vorhanden war. Diese Freigabe erfolgte letzte Nacht, nachdem auch alle Datenbanken getestet worden waren. 
Sven Ihl hält fest, es habe keinen Datenverlust gegeben. "Heute Morgen funktionierte die Informatik wieder ganz normal und ist weiterhin stabil, denn es handelt sich nicht um einen Workaround."
Die Krisenorganisation der Stadt St.Gallen habe sehr gut funktioniert, so lautet Ihls Bilanz, "weil die ganze Mannschaft und die Partner gewusst haben, was zu tun ist." Man habe den ganzen Tag über alle Tests und Entscheidungen protokolliert, ebenso die gezogenen Lehren. Es stelle sich aber die Frage, was angesichts der aktuellen Ausnahmesituation wegen Corona/COVID-19 passiert wäre, wenn einige Spezialisten in der Schweiz oder im Ausland nicht verfügbar gewesen wären. "Auch dafür wird man sich nun rüsten."
Was der Krisenstabsleiter weder sagen, noch bestätigen will, darf man vermuten: Der US-Hersteller muss die verhängnisvolle Konstellation gegenüber den Informatikdiensten der Stadt St.Gallen noch überzeugend erklären. Sven Ihl sagt zur Abschaltung wegen eines Herstellerfehlers nur: "Weil wir jedes Jahr reale Szenarien trainieren und uns auf Notfälle vorbereiten, klappte es so gut und zeitnah."

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