Kudelski dribbelt sich an die Fussball-EM

1. September 2011, 08:00
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Grossauftrag für die Europameisterschaft 2012: Österreichische Tochtergesellschaft liefert Kassenlösungen für den Zutritt und die Gastronomie.

Grossauftrag für die Europameisterschaft 2012: Österreichische Tochtergesellschaft liefert Kassenlösungen für den Zutritt und die Gastronomie.
Der Lausanner Technologiekonzern Kudelski kommt nach enttäuschenden Halbjahreszahlen zumindest wieder bei seinem Österreich-Geschäft voran. Die Salzburger Ticketing-Tochtergesellschaft Skidata hat einen Grossauftrag für die Fussball-EM 2012 an Land gezogen, die Polen und die Ukraine gemeinsam im kommenden Jahr ausrichten sollen. Es geht um die Ausstattung des Warschauer Nationalstadions und der Spielarena in Wroclaw (Breslau) mit Kassenlösungen für den Zutritt und die Gastronomie. Diese Sportarenen bieten 58'000 bzw. 44'000 Zuschauern Platz und gehören zu den Flaggschiffen der polnischen Organisatoren für dieses prestigeträchtige Grossereignis.
"Die Fans erwarten heutzutage die höchstentwickelte Technologie", sagte der CEO von Skidata, Charles Egli, ohne den Wert des Auftrags zu nennen. "Sie wollen die Tickets online kaufen, mit ihrem Handy bezahlen und möglichst schnell und sicher zu ihren Sitzen im Stadion kommen", erklärte der Manager und betonte, dass die Technologien seines Unternehmens alle diese Erfordernisse erfüllen würden. Und das sei noch nicht alles: Skidata habe bereits Ende 2009 die beiden ukrainischen Spielstätten in Donezk (50'000 Plätze) sowie in Charkow ausgestattet sowie 2010 Sportarenen der polnischen Fussballklubs Legia und Cracovia beliefert.
Erst mal ein Imagewinn
Skidata steuert mit seinem Jahresumsatz von umgerechnet rund 187 Millionen Franken einen satten Anteil von rund 20 Prozent zum Erlös des Gesamtkonzerns bei. Und kann somit auch die Richtung des Gesamtkonzerns beeinflussen. Eigentlich ist dieser Erfolg auch kein Wunder, weil diese Branche schon immer eine Domäne von Schweizer und österreichischen Unternehmen gewesen ist. Denn gerade diese Länder verfügen über eine ausgeprägte Ski- und Tourismusindustrie, wo das Ticketing eine gewichtige Position einnimmt. Insbesondere ist hier Skidata bisher überwiegend positiv aufgefallen, weil der Dienstleister schon 2010 in Südafrika WM-Stadien ausgerüstet hat.
Das unterstreicht auch Analyst Reto Amstalden vom Investmenthaus Helvea: "Dieser Auftrag aus Polen ist keine Überraschung, weil das Unternehmen bereits in der Vergangenheit andere Verträge für Grossveranstaltungen gewonnen hat", so Amstalden gegenüber inside-it.ch. Dort habe das Unternehmen bewiesen, dass seine Produkte qualitativ hochwertig seien. "Für das laufende Jahr wird sich diese Order aber noch nicht auf das Ergebnis auswirken, sondern erst 2012", sagte Amstalden. Daher dürfte es für 2011 bei einem zusätzlichen Imagegewinn für Kudelski bleiben. Letztlich sei in den vergangenen Quartalen der Geschäftsbereich der physischen Zugangssysteme aber kein Problem für den Gesamtkonzern gewesen. "Die Enttäuschung bei den Halbjahreszahlen gab es im Bereich des digitalen TV", analysierte der Fachmann.
Findet die EM überhaupt statt?
Allerdings gibt es ein Problem, das dem Konzern noch einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Viele Fans befürchten, dass die Ausrichtung des Grossereignisses noch lange nicht in trockenen Tüchern ist. Beide Länder haben kaum Erfahrung mit der Ausrichtung von Grossereignissen und gelten nicht gerade als besonders talentiert, wenn es um die langfristige Organisation und die Planung von Events geht.
Zuletzt hatte Polen mit massiven Verzögerungen den Europäischen Fussballverband UEFA negativ überrascht – und das, obwohl dieses Land eigentlich als der solidere von beiden Ausrichtern gegolten hatte. Wichtige Autobahnabschnitte und andere Infrastrukturprojekte dürften nicht rechtzeitig fertig werden, hatte die Nationale Kontrollkammer (NIK) im Juni gemahnt. Diese Behörde beobachtet, was der polnische Staat mit den Steuergeldern macht.
Allerdings: Südafrika hat die WM 2010 auch gestemmt, obwohl viele im Vorfeld das den Afrikanern gar nicht zugetraut hatten. Möglicherweise sind diese Bedenken dann doch weniger begründet. Bei Kudelski sorgt dieser Auftrag aus Polen jedenfalls erst einmal für eine bessere Stimmung. Und das ist ja nach den unerfreulichen Halbjahreszahlen auch etwas Wert. (Sebastian Becker, Warschau)

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