Massenhaft Industriespionage über verseuchte Software?

4. April 2006, 15:39
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Die schlimme Welt von MELANI

Die schlimme Welt von MELANI
Die "Melde- und Analyse Informationssicherung" (MELANI) des Bundes veröffentlicht zusammen mit KOBIK (Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internet-Kriminalität) im Halbjahresrythmus eine Bericht zur "Lage der Schweiz" in Sachen IT-Sicherheit. Liest man den Bericht, so kann einem Angst und Bange werden. Da draussen im Internet scheint es von Cyberterroristen und kriminellen Identitätsdieben ("Phisher") zu wimmeln.
Der Bericht widmet sich jeweils einem Thema besonders. Diesmal ist es Industriespionage durch "Trojaner", bösartige Software, die sich in einem PC einnistet, diesen ausspioniert und Daten an ebenso bösartigen Empfängerinnen versendet. Die Autoren schreiben, es sei davon auszugehen, dass immer mehr qualifizierte Hacker Dienste an die organisierte Kriminalität verkaufen und dass "künftig mächtigere Spionageprogramme zum Einsatz kommen dürften". Weiter heisst es: "Vermutlich stehen hinter den vielen Angriffen Reigerungskreise, insbesondere im fernen Osten." Als Beispiel wird im Bericht der Fall "Titan Rain" erwähnt. Unbekannte Angreifer aus China hatten versucht, britische Parlamentarier mit präparierten E-Mails auszuspionieren. Sie benützten dazu die Sicherheitslücke im Umgang von Windows mit WMF-Bilddateien. Weiter heisst es: "...dass bereits seit zwei Jahren systematische, professionelle Computerspionage aus China gegen militärisch genutzt Systeme der US-Regierung und gegen private Subunternehmer stattgefunden haben und noch immer im Gang sind."
Ob die Angriffe wirklich aus China kommen und von einer staatlichen Stelle aus orchestriert werden, ist allerdings nicht bewiesen. MELANI zitiert das US Verteidigungsdepartement, wonach die chinesische Volksbefreiungsarmee sehr wahrscheinlich ("likely") Einheiten zur elektronischen Kriegsführung gebildet habe. Über Bemühungen von westlichen Staaten zur elektronischen Kriegsführung und der (gegenseitigen) Ausspionierung steht im Bericht von MELANI nichts - auch gibt es kein offenbar noch keinen öffentlich bekannten Fall von Industrispionage mittels "Trojanern" aus der Schweiz.
Wer sich gerne zum Einschlafen wohlige Schauer des Entsetzens über den Rücken laufen lässt, ist mit dem 44-seitigen Bericht von MELANI bestens bedient. Er kann kostenlos heruntergeladen werden. Das digitale Papier hilft aber auch, wenn man einfach nur eine Übersicht über die verschiedenen Gefahren des Internet möchte. (Christoph Hugenschmidt)

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