Microsoft enthüllt Details zum künftigen "Dynamics"

10. Februar 2006 um 10:43
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Die Microsoft Geschäftssoftware "Dynamics" wird auf einer "Workflow-Maschine" aufsetzen und als Service im Internet erhältlich sein.

Die Microsoft Geschäftssoftware "Dynamics" wird auf einer "Workflow-Maschine" aufsetzen und als Service im Internet erhältlich sein.
Microsoft besitzt heute fünf verschiedene Suiten von Geschäftssoftware. Drei davon, nämlich Navision, Axapta und Microsoft CRM, spielen auch im Schweizer Markt eine Rolle. Als die Redmonder vor knapp vier Jahren in rascher Folge die Business-Softwarehersteller Solomon, Great Plains, Navision und Axapta übernahmen, sprach man noch davon alle Systeme in nicht allzu ferner Zukunft auf einen einheitlichen Code ("Projekt Green") zu migrieren. "Green" heisst nun "Dynamics"
James Utzschneider, weltweit für das Marketing von Microsoft Dynamics verantwortlich, detaillierte nun erstmals an einem Presseanlass im Kopenhagener MBS-Haupsitz die Zukunftspläne des Software-Riesen für seinen disparaten "ERP-Zoo". In der ersten Welle bis 2007 werden die unterschiedlichen Software-Pakete in die Microsoft-Systemwelt integriert. So kann Navision (offiziell heisst das Produkt nun "Microsoft Dynamics NAV") die neuen Auswertungsfunktionen der Datenbank "SQL Server" ausnützen - Anwender können sich damit sowohl den Umweg über eine Tabellenkalkulation wie auch den Einsatz von teurer Auswertungssoftware sparen.
Erste Welle: Alles sieht wie Outlook aus
Microsoft will in der ersten Welle vor allem das für Geschäftssoftware so wichtige Anwender-Interface verbessern, das heisst die von "Office" gewohnte Bildschirmaufteilung und Benutzerführung einsetzen. Prinzipell sieht Microsoft Business-Software nun immer ungefähr wie Outlook aus. "Wir haben weltweit mit Anwendern von Business-Software gesprochen und ihr Verhalten studiert. Niemand setzt heute seine Software gerne ein", erzählt Utschneider. Also will man ab sofort die Benutzerführung mit Hilfe von Rollen an die Bedürfnisse der AnwenderInnen anpassen. Utschneider zeigte einen Arbeitsplatz aus der Software "Great Plains" für die Rolle des Kreditorenbuchhalters. Es gibt nur wenige, für die Arbeit relevante Ordner und Links im Bildschirm - zusätzlich aber noch einen (aktuelle) grafische Darstellung der durchschnittlich erreichten Rabatte. Von Microsoft selbst sind heute 50 solche "Rollen" für Great Plains erhältllich - weitere sollen von Partnern hinzu kommen.
Utzschneider zeigte ein interessantes User-Interface, das von einem Dritthersteller zu Great Plains entwickelt wurde. Am Bildschirm eines Gebrauchtwagenhändlers gab es nicht nur die üblichen Funktionen der Geschäftssoftware zu sehen, sondern es sind auch Informationen von "aussen" zu sehen. So ist das Bild einer Webcam auf dem Parkplatz integriert - der Händler sieht sofort, wenn ein Kunde interessiert ein Auto betrachtet. Zudem sieht er eine Karte, auf der laufend die Position der Autos angezeigt wird, mit denen seine Kunden auf Probefahrten unterwegs sind.
Zweite Welle: Der Traum vom Workflow
Ab 2008 soll "Dynamics", wie Navision, Great Plains und Axapta dann heissen werden, einen alten Traum der ERP-Szene verwirklichen. Anstatt Arbeitsprozesse mühsam und Schritt für Schritt in Code zu giessen, soll man die Software über die Definition des Workflows verändern können.
Utzschneider antwortete auf unseren Einwand, an diesem Vorhaben seien schon viele gescheitert: "Frühere Technologien wie 'COM', 'Corba', ja sogar Java, waren zu unstabil. Erst heute mit Webservices und XML kann man die grossen Applikationen aufbrechen und über die Definition von Workflows verändern. Ausserdem werden wir die Workflow-Engine aus Biztalk in Windows integrieren. Jede Windows-Maschine wird dann über eine robuste und einfache Workflow-Engine verfügen. Ich glaube, wir werden es schaffen."
Business-Software als Internet-Service
Auf die Frage eines lettischen Kollegen, ob Microsoft auch komplexe Business-Software als Internet-Service auf der "Live"-Plattform bringen werde, antwortete Utzschneider schlicht: "Sure we do!". Zu Beginn, so der "Evangelist", werde man Business-Software-Funktionen über Internet für Kleinfirmen anbieten. So werde die Internet-Plattform "Office Live" beispielsweise HR-Funktionen und Kreditkartenabwicklung anbieten.
Mit der Zeit, so Utzschneider, würden immer mehr Funktionen von ERP-Lösungen als "blended services" angeboten. Wo es Sinn macht, wird man also einen Teil seiner Geschäftsdaten auf dem Server eines Microsoft-Partners lagern und die Software über den Web-Browser bedienen.
Microsoft wiederholt altes Erfolgsrezept
Vieles von dem, was die Microsoft-Leute in Kopenhagen gezeigt haben, ist nicht neu. Die Einbindung von Informationen und Funktionen aus verschiedenen Quellen kennt man vom Apple-Betriebssystem, die hohe Integration von betriebswirtschaftlicher Software, Business-Intelligence-Funktionen und Office gibt es auch bei SAP ("Mendocino").
Doch die Redmonder machen es wie so oft: Man beobachtet die Konkurrenz und scheut sich nicht gute Ideen zu übernehmen. Die "geklauten" Konzepte werden zu einem kompletten Bündel geschnürt - am Schluss macht der bessere und durchdachtere Vertrieb den Unterschied. (Christoph Hugenschmidt)

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