Nun beklagt auch Luzern fehlende IT-Lehrstellen

23. September 2019, 11:43
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Seit Jahren fehlt IT-Nachwuchs. Nach Zürich murrt auch Luzern, dass Betriebe zu wenig Nachwuchs ausbilden und fordert Taten.

Seit Jahren fehlt IT-Nachwuchs. Nach Zürich murrt auch Luzern, dass Betriebe zu wenig Nachwuchs ausbilden und fordert Taten.
Den jüngsten Zahlen der Luzerner Staatskanzlei ist zu entnehmen, dass auch in diesem Jahr im Kanton generell wieder mehr Lehrstellen zur Verfügung stehen als am Ende besetzt werden konnten. Doch während beispielsweise die Auto- und die Lebensmittelbranche sowie die Gastronomie zu wenig Nachwuchs für die verfügbaren Lehrstellen hat, sieht es in der IT genau umgekehrt aus: Die "Informatik-Branche bietet gemessen an der Nachfrage jedoch noch zu wenige Lehrstellen", heisst es in einer Mitteilung.
Auf Nachfrage der 'Luzerner Zeitung' erklärt Ursula Flaig vom Beratungs- und Informationszentrum Bildung und Beruf (BIZ) in Luzern: "Die Nachfrage nach Lehrstellen in der Informatikbranche ist gerade bei jungen Männern gross. Obwohl viele für den Beruf schulisch fähig wären, fehlen schlichtweg genügend Lehrstellen." Sie stehe vor dem Problem, schon in der Berufsberatung den Fokus der interessierten Jugendlichen auf andere Berufsfelder zu lenken und mit ihnen einen Alternativplan zu entwickeln.
Und Luzern steht nicht allein. Soeben erst hat man auch im Kanton Zürich eine ganz ähnliche Situation konstatiert: Ganze zehn Lehrverträge seien heuer in Zürich mehr als 2018 angeboten worden. Dass es in diesem Jahr nur "stabile Lehrverhältnisse" gebe, ist für Barbara Jasch, Geschäftsführerin des Berufsverbands ICT-Berufsbildung Zürich enttäuschend. Es sei nicht klar, ob die Wirtschaft nicht mehr Lernende ausbilden kann oder will.
Die Lage ist besonders deshalb erstaunlich, weil in der IT schon seit Jahren fehlender Nachwuchs beklagt wird. Nicht neu ist zudem, dass der Berufsverband ICT Berufsbildung Schweiz seit Jahren für weitere Lehrstellen wirbt. Erst zum diesjährigen Start der neuen Generation in die Berufswelt teilte er wieder einmal mit: "Wir sind darauf angewiesen, dass in naher Zukunft noch viele zusätzliche ICT-Lehrstellen geschaffen werden, damit wir den künftigen Fachkräftebedarf auch nur ansatzweise decken können."
Luzern will jedenfalls die Stagnation der Informatik-Lehrstellen nicht einfach hinnehmen. In dem Bericht lässt sich Christof Spöring, Leiter der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung des Kantons, denn auch mit einer unmissverständlichen Forderung zitieren: "Ich erwarte von der Wirtschaft, dass sie in diesen Zukunftsberuf investiert, weil dies für die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz wichtig ist".
Der Kanton selbst hat bereits vor Jahren reagiert und bietet als Alternative zum dualen Berufsweg seit dem August 2017 die Informatikmittelschule an. Wer sie absolviert verfügt nach vier Jahren über eine Ausbildung als Informatiker mit Fachrichtung Applikationsentwicklung und über die Berufsmatura. (vri)

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