"Nun können wir die Handbremse lösen"

3. September 2020, 10:10
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BSI hat Capvis als Investor an Bord geholt. CEO Markus Brunold erklärt exklusiv die Hintergründe und die strategischen Konsequenzen.

Die vergangenen Jahre waren gute Jahre für die Schweizer Softwareschmiede BSI. 2019 stieg der Umsatz auf rund 60 Millionen Franken. Die Profitabilität sei grundsätzlich sehr gut und das erste Halbjahr 2020 sei das beste der Firmengeschichte gewesen, sagt BSI-CEO Markus Brunold im Gespräch mit inside-channels.ch. Im CRM-Bereich sei man erfolgreich unterwegs und es laufe vor allem in der DACH-Region gut. Die Stärkung der Produktentwicklung und der Branchenfokus – Versicherungen, Banken und Retail – hätten sich bewährt. "Dies wollen wir beschleunigen", erklärt Brunold die Hintergründe des Einstiegs des Investors Capvis.
BSI habe nach einem Partner gesucht, der das Unternehmen in bestimmten Bereichen unterstützen könne. Brunold nennt ein starkes Netzwerk und Know-how in den Bereichen Marketing, Vertrieb oder M&A als zentrale Faktoren. M&A sei Teil der Wachstumsstrategie von BSI. Konkretes gebe es derzeit aber noch nicht.
2018 hat BSI rund 15% des Umsatzes in die Entwicklung der eigenen Softwarelösung gesteckt. 2019 sei es mehr gewesen, und der Anteil soll wachsen. Denn der CRM-Anbieter wolle das Produktgeschäft stärken. Ende 2020 werde BSI zwei neue Produkte lancieren.
Allzu viele Details dazu will Brunold noch nicht verraten. Es gehe um die Integrationsfähigkeit und Schnittstellen sowie das Thema Kundendaten und deren Integration in andere Systeme. Insgesamt sei das Ökosystem wichtig; eine gute CRM-Suite müsse ergänzbar sein.
"Das Tempo auf dem Markt ist hoch", so der Firmenchef. Man müsse rasch neue Produkte und Module auf den Markt bringen können.

BSI will auch über Partner wachsen

Ein weiterer Teil der Wachstumsstrategie sei die stärkere Durchdringung der bestehenden Märkte und Branchen. Beispielsweise im Banken-Bereich in Deutschland gebe es noch viel Potenzial. Neben den Fokusbranchen Retail, Banking und Versicherungen hat BSI auch Kunden aus anderen Bereichen wie Telcos, Automotive oder Behörden
Wachsen will der Badener Softwarehersteller auch über den Channel. Vor zwei, drei Jahren habe sich BSI für Partner geöffnet, davor lief der Vertrieb ausschliesslich direkt. "Das Partner-Business ist ein wichtiges Standbein für die Skalierung", führt Brunold aus. "Vor allem mit dem stärkeren Produktefokus brauchen wir Partner."
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BSI zählt gut 330 Mitarbeitende und es sollen mehr werden. Foto: BSI
Der stärkere Fokus auf das Produktegeschäft heisse aber nicht, dass man das Projekt-Business aufgeben werde. Dieses sei ein elementarer Bestandteil für BSI, vor allem für die Kundennähe. Aber auch für das Projekt-Business brauche man Partner. Schon allein deshalb, weil man selbst nicht genügend rasch an die nötigen Fachkräfte komme.
Auch personell will BSI ausbauen, vor allem im Bereich Softwareentwicklung. Diese ist in der Schweiz und in Deutschland angesiedelt. Trotz der bekannten Herausforderungen im Recruiting von IT-Fachkräften sei Near- und Offshoring zurzeit kein Thema.

"Jüngeren eine Perspektive geben"

Mit dem Einstieg des Investors seien keine personellen oder organisatorischen Änderungen geplant. Auch das Programm zur Beteiligung von Mitarbeitenden an der Firma werde weitergeführt. Mit diesem könne man auch jüngeren Leuten eine Perspektive geben, erklärte der CEO, ausserdem sei es unternehmerisch wertvoll.
Ein Investor will bekanntlich Geld verdienen. Können wir Veränderungen in der Strategie von BSI erwarten? "Wir sitzen im gleichen Boot", so die Antwort des Firmenchefs. BSI sei zuvor schon auf Wachstum ausgelegt gewesen und verfolge die gleichen Interessen wie Capvis. "Jetzt können wir die Handbremse lösen." 

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