Oracle ist jetzt auch ein Cloud-Anbieter

7. Juni 2012 um 16:02
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Der kalifornische IT-Konzern bietet nun Software und Infrastruktur im Internet-Mietmodell an - lange nach Konkurrenten wie SAP, Salesforce, Microsoft oder Amazon. Dafür aber mit einem riesigen Angebot.

Der kalifornische IT-Konzern bietet nun Software und Infrastruktur im Internet-Mietmodell an - lange nach Konkurrenten wie SAP, Salesforce, Microsoft oder Amazon. Dafür aber mit einem riesigen Angebot.
"Es war eine gigantische Anstrengung. Es war das Schwierigste, was wir je gemacht haben," sagte Oracle-Boss Larry Ellison gestern an einer Veranstaltung in San Francisco vor mehreren hundert Kunden, Analysten und Journalisten. Ellison kündete ein riesiges Paket an Software und Infrastruktur an, das ab sofort - also seit gestern Abend - in einem Mietmodell über Internet geliefert wird. Oracle bietet nun über 100 Applikationen aus einer Computer-Wolke, als "Cloud Service" also, an.
So neu, wie man der Welt gestern weismachen wollte, ist Oracles Angebot aber nicht. So wurden die Cloud-Infrastrukturservices bereits letzten Oktober vorgestellt..
Sieben Jahre Entwicklung
Der Konzern habe vor sieben Jahren beschlossen, alle Applikationen neu zu entwickeln, damit sie im Cloud-Mietmodell vertrieben werden können, sagte Ellison. In der Tat hat Oracle nach einer ganzen Reihe von Übernahmen von grossen Herstellern von ERP-Systemen (Peoplesoft, J.D. Edwards, Siebel, Hyperion) damals verkündet, man werde die gekauften Produkte in einem neuen Produkt namens "Fusion" verschmelzen. Wenig später aber musste Ellison zurückkrebsen und kündigte an, man werde alle gekauften Lösungen "ewig" weiter entwickeln." Das Projekt "Fusion", eine neu entwickelte Business-Software-Suite auf Basis von Java, wurde aber weiter verfolgt und das Resultat liegt nun als "Oracle Cloud Application Services" vor.
Konkurrenten wie SAP oder Salesforce - oder in der Schweiz die kleine Abacus und andere - bieten bereits länger Applikationen an, die man über das Internet bezieht und bei denen die Daten auf virtuellen, verteilten Maschinen liegen. Neu am Angebot von Oracle ist allerdings, dass eine ganze, riesige Suite von Software-Stücken in einer Cloud-Version angeboten wird. Während Ellison in seiner etwas unsicher wirkenden Präsentation von umfassenden ERP-Lösungen sprach, findet man auf Oracles Cloud-Website erst drei Software-Pakete: Fusion CRM, Fusion HCM (Human Capital Management) und "Social Network". Zu letzterem sprach Ellison erstaunlich lange. "Social Network" ist eine Software-Sammlung mit der man Daten aus sozialen Netzwerken analysieren und in den eigenen Lösungen integrieren kann.
Oracle als Cloud Infrastruktur-Anbieter
Bei Oracle kann man seit gestern nicht nur Business-Lösungen und Datenhaltung "als Service" mieten, sondern auch Infrastruktur, sprich Rechenkapazität, Speicher, Betriebssysteme, Entwicklungsumgebungen und Datenbanken online beziehen.
"Oracle Cloud Platform Services", wie der Hersteller das Angebot nennt, umfasst verschiedene Online-Dienste. So kann man den Gebrauch von Oracles Datenbank mieten und man kann Java-Programme in der Computer-Wolke von Oracle entwickeln, ausrollen und betreiben und dabei zwischen drei verschiedenen Application Servern auswählen. Zusätzlich kann man Anwendungen für mobile Geräte mit HTML5-Clients bauen und betreiben und es gibt klassische "Document Services" für das Speichern und Teilen von Dokumenten.
Und auch noch Hosting
Ausserdem gibt es eine Dienstleistung namens "Site Services". Endanwender könnten mit dieser Dienstleistung ohne Vorkenntnisse und ohne die Hilfe der IT-Abteilung Webseiten, ja ganze Webshops zusammenstellen und veröffentlichen, sagte Ellison. Ob Oracle nun etwa auch noch ein Konkurrent von Hostpoint und anderen Hoster werden will?
Nicht ohne mein SAP-Bashing
Wie immer gehörte zu Ellisons Präsentation auch eine gehörige Portion Konkurrenten-Beschimpfung, insbesondere von SAP. SAP habe noch nicht mal begonnen, Cloud-Versionen seiner Software zu entwickeln, sagte Ellison. Der deutsche Anbieter werde frühestens 2020 erste, mit Oracle vergleichbare Angebote machen können. Ellison: "2020 ist ein schreckliches Jahr, um in der Cloud zu sein." (Christoph Hugenschmidt)

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