"Diebstahl", "kriminelle Aktion", "unlauter". PC-Ware-Konzern reicht Strafanzeigen ein. Mitarbeitende von Comparex können bleiben, sagt PC-Ware-Chef Elsbacher.
Harte Worte heute Mittag an einer kurzfristig einberufenen Medieninformation im Hauptbahnhof Zürich, an der PC-Ware-Chef Klaus Elsbacher zu den
Vorgängen bei der Surseer Comparex Stellung bezog. Elsbacher: "Wir sind betroffen von der Diebstahlsaktion bei Comparex Schweiz. An einer Veranstaltung mit Mitarbeitenden der Comparex Schweiz und einer Vertretung des Minderheitsaktionärs wurden den Mitarbeitenden vorgefertigte Kündigungsschreiben und ein neuer Arbeitsvertrag bei Bison vorgelegt. Niemand hat bei Comparex gekündigt, ohne einen neuen Anstellungsvertrag zu haben. Wir sind von dieser kriminellen Aktion erschüttert."
Am Dienstag hatten grosse Teile der Belegschaft sowie das Management der Schweizer PC-Ware-Tochter Comparex gekündigt und gleichzeitig neue Verträge bei Bison Schweiz unterschrieben. Pikant: Die Bison Holding ist aus historischen Gründen zu 30 Prozent bei Comparex Schweiz beteiligt, gehört in der Mehrheit dem grössten Comparex-Kunden Fenaco und war bis vor wenigen Tagen in der Person von Rudolf Fehlmann im VR von Comparex vertreten.
Strafanzeigen eingereicht
Elsbacher, der sich zusammen mit dem neuen interimistischen Comparex-Schweiz-Chef Peter Jung und Agro-Data-Urgestein und Comparex-VR Karl Hoppler einigen wenigen Medien stellte, sagte klar, dass PC-Ware Strafanzeigen eingereicht hat. Elsbacher: "Man hat in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zielgerichtet Mitarbeiter verunsichert, um sich wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen. Bison hat den Mitarbeitenden von Comparex Schweiz vermeintlich sichere Arbeitsplätze angeboten." Zusätzlich zu den Strafanzeigen erwägt man bei PC-Ware auch Zivilklagen. So richtig happig können solche allerdings vor allem dann werden, wenn die Strafanzeigen Erfolg haben sollten.
Elsbacher rechnet vor: "Bison macht mit 340 Mitarbeitenden einen Umsatz von 65 Millionen pro Jahr, also 190'000 Franken pro Mitarbeiter. Es ist doch unvorstellbar, wie eine solche Firma zusätzlich 200 Mitarbeiter erhalten soll."
PC-Ware bleibt
Zumindest vorläufig ist der PC-Ware-Konzern offenbar nicht bereit, seine Surseer Niederlassung aufzugeben. Elsbacher: "PC-Ware wird die Geschäftstätigkeit aufrecht erhalten und die Kunden in gewohnter Qualität bedienen."
Dazu braucht es allerdings Mitarbeiter. Diesen wurde an einer erneuten Mitarbeiterversammlung offenbar das Angebot gemacht, zu bleiben. Peter Jung sagte, an der Mitarbeiterversammlung sei "lebhaft und kontrovers diskutiert worden." Sowohl Jung wie auch Elsbacher und Hoppler bestreiten, dass eine einschneidende Änderung der Strategie von Comparex Schweiz geplant gewesen war. Elsbacher: "Ich habe Finanzchef Baier unseres Grosskunden Fenaco angerufen und ihm versichert, dass wir am erfolgreichen Geschäftsmodell von Comparex Schweiz festhalten." Der Fenaco-Konzern, über Bison immerhin am "Putsch" in Sursee beteiligt, hat gemäss Elsbacher bisher keinen der Verträge gekündigt.
Die Kündigung rückgängig gemacht hat gemäss Jung bis heute aber noch keiner der Comparex-Angestellten. Jung: "Wir wollen keinen Druck ausüben. CEO Oliver Schalch ist nach seiner Kündigung per sofort freigestellt, alle anderen Mitarbeiter wollen wir behalten." Unklar ist die Zukunft der Bereichsleiter, die zum Teil seit vielen Jahren bei Comparex und allen Vorläuferfirmen und mitverantwortlich für den Erfolg des Surseer VARs sind. Das Vertrauen ins Management sei "erschüttert", so Jung.
"Kriegsschauplatz, um von Problemen abzulenken"
Während die eine Seite sagt, die geplante Strategieänderung habe für massive Verunsicherung gesorgt und die Comparex-Belegschaft um ihre Arbeitsplätze gefürchtet, sieht die Darstellung seitens der PC-Ware-Konzernspitze aber auch Karl Hoppler ganz anders aus.
Von einer Restrukturierung oder gar geplantem Stellenabbau könne nicht die Rede sein, so Elsbacher. Ex-CEO Oliver Schalch sei wegen mangelnder Performance "unter Druck" gestanden. Diesem sei er durch die Kündigung ausgewichen, lauten die happigen Vorwürfe.
Elsbacher lehnt sich mit seiner Antwort auf unsere Frage, wie die Aktion seitens des Surseer Minderheitsaktionärs Bison und dessen Vertreter im Verwaltungsrat einzuschätzen sei, weit aus dem Fenster: "Ich glaube, bei Bison wollte man einen neuen Kriegsschauplatz eröffnen, um von eigenen Problemen abzulenken. Es ist für uns inakzeptabel, dass eine Firmengruppe, die uns eine Firma im Jahr 2002 verkauft hat, diese sich nun mit illegalen Methoden wieder einverleibt."