Schweizer Software-Hersteller Trifork verschiebt Börsengang

24. Juni 2021, 14:43
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Rechtliche Unsicherheit verhindert die Aufnahme der IT-Firma an der Schweizer Börse vorläufig. Das Problem: Die geplante Doppelkotierung.

Der Schweizer Softwarehersteller Trifork verschiebt den für den Montag 28.6. angesetzten Gang an die Schweizer Börse. Hintergrund ist die Nichtanerkennung der Börsenäquivalenz zwischen der EU und der Schweiz. Die Finma dürfte deshalb dem Unternehmen die Doppelkotierung in der Schweiz und in Dänemark untersagen.
Das Unternehmen sei von der Schweizer Börse SIX darüber informiert worden, dass die Finanzmarktaufsicht Finma möglicherweise die Verordnung über die "Anerkennung ausländischer Handelsplätze für den Handel mit Beteiligungspapieren von Gesellschaften mit Schweizer Sitz" aus dem Jahr 2018 anwenden wolle, teilte Trifork mit. Das führe zu rechtlicher Unsicherheit. Der Firmensitz der Trifork Gruppe ist in Schindellegi.
Trifork stehe klar hinter der Kotierung und dem Handel seiner Aktien an der Nasdaq Kopenhagen, hiess es in der Mitteilung weiter. Eine Auswirkung auf die Kotierung und den Handel in Kopenhagen habe die Entscheidung nicht, versichert das Unternehmen.
Offenbar ist das Unternehmen von den Entwicklungen völlig überrascht worden. Trifork hatte seinen Börsengang in der Schweiz angekündigt, nachdem das Unternehmen von der SIX grünes Licht dafür erhalten hatte. Der Verwaltungsrat werde nun "zu gegebener Zeit" über den potenziellen Börsengang an der SIX informieren.
Die Schweizer Behörden hatten Mitte 2019 ihre "Schutzmassnahmen" aktiviert, nachdem die Europäische Kommission der Schweiz die Börsenäquivalenz – also die Anerkennung der Gleichwertigkeit der Schweizer Börsenregulierung – aberkannt hatten. Gemäss den Massnahmen ist es Handelsplätzen mit Sitz in der EU untersagt, den Handel mit Beteiligungspapieren von Gesellschaften mit Sitz in der Schweiz anzubieten.

Handel von Schweizer Aktien in EU verboten

Auf Anfrage der Nachrichtenagentur 'AWP' nahm auch die Finma zum Fall Stellung. Der Handel von in der Schweiz kotierten Schweizer Aktien in der EU sei laut Notverordnung des Bundesrats seit 2018 grundsätzlich verboten, führte ein Sprecher aus. Doppelkotierungen seien in Ausnahmefällen möglich.
Die Finma sei allerdings auch gar nicht für die Durchsetzung der aktuellen Verordnung gegen Schweizer Emittenten zuständig, betonte der Sprecher weiter. Doch müsste die Behörde gegebenenfalls bei klaren Verstössen gegen Schweizer Verordnungen Anzeige erstatten, worauf man Trifork hingewiesen habe.
Die 1996 in Dänemark gegründete Trifork-Gruppe hat den Hauptsitz in Schindellegi und unterhält den Angaben zufolge in mehr als 11 Ländern Europas sowie in Nordamerika Niederlassungen. Die Gruppe zählt über 800 Mitarbeitende und ist auf IT-Lösungen in den Kernbereichen Digital Health, Fintech und Smart Buildings fokussiert.

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