SCIS stellt T-Systems einen Klotz vor die Nase

11. Januar 2008 um 16:22
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Swisscom IT Services öffnet das Tor zum neu gebauten Rechenzentrum in Zollikofen bei Bern. Vis-à-vis steht das T-Systems-Hauptgebäude.

Swisscom IT Services öffnet das Tor zum neu gebauten Rechenzentrum in Zollikofen bei Bern. Vis-à-vis steht das T-Systems-Hauptgebäude.
Es ist fast ein Affront: Der IT-Dienstleister Swisscom IT Services (SCIS) baut sein Rechenzentrum just dort, wo einer seiner grössten Rivalen "wohnt": An der Industriestrasse 21 in Zollikofen bei Bern befindet sich das Hauptquartier von T-Systems, und einen Steinwurf davon entfernt (Hausnummer 30) ragt nun das neue Datacenter von SCIS düster-drohend empor.
1800 m2 Nutzfläche
Die Verantwortlichen von SCIS erklärten heute in Zollikofen der versammelten Besucherschaft, dass es sich um eine "Ressourcenerweiterung" handele und nicht einfach um ein neues Rechenzentrum. Schliesslich betreibe SCIS unter anderem auch in Ostermundigen ein RZ. Die kleineren Rechenzentren (etwa in Meggen) sollen nun umgenutzt werden, sobald in den kommenden Wochen das RZ in Zollikofen offiziell den Betrieb aufnimmt und alle Kundensysteme transferiert sind.
Laut SCIS-Chef Eros Fregonas wäre der IT-Outsourcer heute an seine Kapazitätsgrenzen gestossen, wäre nicht das neue RZ entstanden. Auf sechs Stockwerken bietet das Gebäude eine Nettonutzfläche von rund 1800 m2 für den Serverbetrieb. Die Fläche ist in sechs Maschinen- und zwei Kommunikationsräume (für die Netzwerkanbindung) aufgeteilt. Unter der Erde befinden sich das IT-Lager und die Infrastruktur (Strom- und Kälteproduktion). Die oberen drei Stockwerke beherbergen die Maschinenräume, die Sicherheitszentrale und die beiden Kommunikationsräume. Das Bild oben zeigt übrigens den Blick in einen Maschinenraum – ein "Erlebnis", das ab Februar 2008 nur wenigen befugten Personen vorbehalten sein wird.
72 Stunden ohne Nachtanken
In Ostermundigen und Zollikofen sollen bald um die 10'000 Server betreut werden, wobei man dank Virtualisierung hofft, dass es in Zukunft weniger sein werden. Gleichzeitig aber erwartet SCIS, dass durch neue Outsourcing-Aufträge die Anzahl Server steigen wird. Letztlich dürfte die Zahl also konstant bleiben.
Energieeffizienz ist auch bei SCIS ein Thema. Das Unternehmen ist nach ISO 14001 zertifiziert. Die internationale Umweltmanagementnorm legt weltweit anerkannte Anforderungen an ein Umweltmanagementsystem fest. Weiter können etwa mit dem Einsatz von "FreeCooling" die IT-Systeme bei Aussentemperaturen unter 15 Grad direkt über die Aussenluft gekühlt werden. Trotz Energieeffizienz verbrauchen Rechenzentren aber immer noch sehr viel Strom – bei einem Unterbruch der Stromlieferung von aussen ist mit den vorhandenen Dieselgeneratoren ohne Nachtanken ein Betrieb von bis zu 72 Stunden möglich.
30 Millionen investiert
Nicht zu tief in die Karten schauen lassen sich die Swisscom-Verantwortlichen, wenn es um die Investitionskosten geht. Der Innenausbau habe 30 Millionen Franken gekostet, heisst es. Alle anderen Kosten wurden nicht von Swisscom übernommen und können somit bloss geschätzt werden. Vom Vorprojekt bis zur Realisierung vergingen gut zwei Jahre. Betriebsbereit ist das RZ jetzt schon, doch die Rechner werden erst in den kommenden Wochen phasenweise installiert.
Grundsätzlich arbeiten übrigens keine IT-Spezialisten im RZ, sondern nur einige für Security und Empfang zuständige Personen. Alles ist automatisiert. Im Problemfall sind die Spezialisten allerdings innert Minuten vor Ort. Die rosarote Konkurrenz von gegenüber wird durch die grossen Glasfenster immer genau beobachten können, was sich vor dem SCIS-RZ so tut. Was im Herzen des schwarzen, fensterlosen Kubus abgeht – das wissen allerdings nur wenige. (Maurizio Minetti)

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