SIX lanciert Plattform für Open Banking

19. Mai 2020, 15:08
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Der Start von b.Link kommt später als geplant. Erste Partner im umkämpften Feld gibt es, aber ein Software-Haus ist abgesprungen.

SIX hat b.Link lanciert, eine Open-Banking-Plattform, die den sicheren Austausch von Daten über APIs ermöglichen soll. Damit schaffe man die Grundlage für Partnerschaften zwischen Finanzinstituten und Drittanbietern, verspricht der Finanzinfrastruktur-Betreiber.
Open Banking, die gemeinsame Nutzung der Kundendaten von Banken und Drittanbietern über offen standardisierte Schnittstellen, dürfte die Zukunft für den Schweizer Finanzplatz darstellen. In der EU wird der Ansatz mit der PSD2-Regelung forciert. Hierzulande fehlt eine verbindliche Regelung und man hinkt der Entwicklung in der EU und Grossbritannien hinterher. Dennoch gibt es einige Initiativen.
Swisscom betreibt seit November 2017 einen Open-Banking-Hub. Dieser wird derzeit aber neu positioniert und soll breiter aufgestellt werden, wie Ivan Büchi, Produktmanager Innovation Banking bei Swisscom, auf Anfrage erklärt. Daneben sind die Hypi Lenzburg sowie die Banken-Software-Schmieden Avaloq und Finnova mit eigenen Projekten aktiv. Nun stösst SIX in den Markt vor.
Eigentlich hatte der Börsenbetreiber geplant, den Hub bereits im zweiten Quartal 2019 zu lancieren. Auf Nachfrage von inside-it.ch erklärt Pressesprecher Jürg Schneider, dass die Plattform damals technisch fertig gewesen sei. Die Partner hätten aber andere Prioritäten gesetzt und man habe mit einem festen Namen – der zwischenzeitlich zweimal gewechselt worden war – an die Öffentlichkeit treten wollen. "Uns war zudem wichtig, dass wir bei der Lancierung bereits ein Ökosystem anbieten können", so Schneider.

Die zwei Schweizer Grossbanken sind bereits an Bord

Lanciert hat SIX die Lösung nun mit dem Business-Software-Anbieter Klara sowie den Finanz-Instituten UBS und Credit Suisse sowie der CS-Tochter Neue Aargauer Bank. Ab September plane auch die ZKB, b.Link zu nutzen. Zudem würde mit weiteren Banken und Drittanbietern Gespräche geführt, heisst es seitens SIX.
Ursprünglich war neben Klara auch Abacus als Partner genannt worden. Der St. Galler Business-Software-Hersteller war auch im Pilotprojekt noch an Bord, wie einem Interview von 'Voice of Fintech' mit Sven Siat, Head Connectivity Open Banking bei SIX, zu entnehmen ist. Nun taucht Abacus aber nicht mehr auf. Wieso das Unternehmen nicht mehr an Bord ist, wollte man seitens SIX nicht kommentieren.
Abacus-CEO Claudio Hintermann sagt auf Anfrage, dass man den Nutzen von b.Link grundsätzlich sehe. "Wir halten es aber für nicht verantwortbar, dass Abacus in dieser Corona-Zeit derart hohe Investitionen in ein kostenloses Produkt allein finanzieren muss". Die Geschäftsleitung wolle die Ressourcen dieses und nächstes Jahr in Projekte mit besseren Kosten-Nutzen-Verhältnisse investieren.

Ein einheitliches Ökosystem für die Schweiz

Herausforderungen für das Open Banking sind neben der Überprüfung und dem Management von Drittparteien auch die fehlenden Standards bei den Schnittstellen. Dem will SIX entgegenwirken: Ziel des Unternehmens ist es, dass bis 2022 rund 60 Prozent aller KMU durch eine Bankverbindung b.Link nutzen können. Letztlich hofft man bei SIX auf ein einheitliches Ökosystem. "Es ist für uns als Infrastruktur-Betreiber für den Finanzplatz mit Erfahrung im Management von Plattformen naheliegend, dass wir eine solche Plattform anbieten", so Schneider.
Man stelle durch eine vorgängige Prüfung die Sicherheit der Partner im Umgang mit den sensiblen Finanzdaten sicher. Der rechtliche Rahmen werde durch einen einheitlichen Vertrag definiert, was bilaterale Verhandlungen überflüssig mache, wirbt der Börsenbetreiber.
Zum Start wird es zwei Anwendungen geben: Drittanbietern soll es möglich sein detaillierte Konto- und Transaktionsinformationen für ihre Kunden zu beziehen und sie etwa für den Abgleich mit der Buchhaltung zu nutzen. Zudem sollen sie Zahlungen ihrer Kunden automatisiert bei deren Banken in Auftrag geben können. Danach sei nur noch die Freigabe der Zahlung im E-banking des Kunden notwendig, verspricht SIX.

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