Six: "Man sollte Open Banking nicht zu technisch angehen"

22. September 2020, 15:37
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Der Schweizer Börsenbetreiber präsentiert seine Pläne für eine Open-Banking-Zukunft. Und schwankt zwischen Alarmismus und Zuversicht.

"Wir sehen grosse Möglichkeiten für die Banken", sagt Sven Siat, Chef Connectivity Banking Services bei SIX, in Hinblick auf die Entwicklung der Finanzwelt. Die Aussage steht exemplarisch für den pragmatischen Optimismus, den SIX heute verbreiten wollte. Zu diesem Anlass hatte der Betreiber der Börseninfrastruktur zum Swiss Banking Services Forum geladen und diesem den hoffnungsfrohen Slogan "Unsere Zukunft liegt in der Innovation" verpasst.
Zuerst war aber Cornelius Dorn, Head Strategy & Business Developement bei SIX, darum bemüht ein differenziertes Bild der Situation zu zeichnen: Den Finanzinstituten droht neben den aufstrebenden Fintechs und Neobanken auch Konkurrenz von den Tech-Giganten aus Übersee. Amazon mit seinen über 50 Millionen Kunden oder Apple mit seinem geschlossenen System bringen ein riesiges Ökosystem und Heerscharen an Entwicklern mit User-Experience-Erfahrung mit – und sie alle wollen an der Wertschöpfungskette der Banken knabbern. Das klinge etwas alarmistisch – und sei auch so gemeint, erklärte Dorn.
Zugleich investierten letztes Jahr etwa J. P. Morgan 11 Milliarden und die Bank of America 10 Milliarden Dollar in Technologie. Da wird es schwierig mitzuhalten. Den Schweizer Instituten steht also einiges ins Haus. Eine mögliche Antwort darauf biete ein Nationales Zahlungssystem (NPS) für das Instant Payment, erklärte Dorn. Es könnte dereinst Twint und seine Mitbewerber zusammenführen. Doch die Vorschläge, die SIX vorstellte, gehen weit darüber hinaus. Im Zentrum der Strategie stehen die Öffnung der Banken und die Etablierung umfassender Ökosysteme.

Neue Produkte, neue Akquisitionskanäle, neue Ertragsquellen

Für Banken ergeben sich in einer Welt, in der Kunden in Ökosysteme abwandern, zwei Möglichkeiten: Entweder sie bauen ein eigenes um sich herum oder sie bieten ihre Kernkompetenzen innerhalb eines bestehenden Ökosystems an. Für beides ist Open Banking, die Vernetzung über standardisierte Schnittstellen, unerlässlich.
SIX-Manager Siat appellierte aber an die Finanz-Institute das Thema nicht zu technisch anzugehen, sondern sich vorgängig über Strategie, Business-Modelle, Regulation und Partnermanagement Gedanken zu machen. "Auch etablierte Banken können von Open Banking profitieren", warb er für den unvermeidbaren Ansatz. Sie könnten neue Akquisitionskanäle finden, neue Produkte anbieten und sich schliesslich neue Ertragsquellen erschliessen.
Ein grosses Akquisitionsprojekt hatte Siat zu Präsentationszwecken im Gepäck: In Mexiko hat die spanische Bank BBVA mit Uber eine Partnerschaft geschlossen, die Fahrern die Eröffnung eines Kontos direkt in der App ermöglicht. Die Uber-Fahrer erhalten zum Konto eine Kreditkarte, auf der jeweils die Einkünfte der Fahrten praktisch in Echtzeit landen. BBVA erhält damit Zugang zu rund 500'000 Fahrern.
Die Deutsche Bank hat sich mit Open Banking eine neue Ertragsquelle erschlossen: Sie bietet Läden einen Alters-Check von Kunden an. Wenn etwa ein Whiskey-Verkäufer sein Angebot anbinde, könne er das Alter der Kunden über das Institut identifizieren lassen, wenn diese bei der Bank angemeldet seien, so Siat. Die Bank erhebt dafür eine geringe Gebühr.

Die Bank-Dienstleistung muss überall abgerufen werden können

"Der Kunde erwartet die Banken-Dienstleistungen mittlerweile, wo er gerade ist", sagte Siat. Sie kaufen ein Fahrrad online? Der Kunde würde vielleicht gerne zugleich eine Versicherung abschliessen, die er bloss anklicken kann. Über APIs könnten solche neuen Zusatzangebote angebunden werden, wie das etwa Neobanken wie N26 bereits machten.
Hier springt SIX ein: Über seine b.Link-Plattform könnten die Banken Komplexität und Aufwand bei der Anbindung reduzieren, verspricht das Unternehmen. Die standardisierte Open-Banking-Plattform der Börsenbetreiberin schiebt sich zwischen Bank und Drittanbieter, so dass diese nicht einzeln händisch integriert werden müssten.
Das Angebot wird bankenseitig bereits von UBS, Credit Suisse und der Neuen Aargauer Bank genutzt. Im 4. Quartal soll die ZKB angeschlossen werden, wie SIX bereits bei der Lancierung im Mai angekündigt hatte. Auf Seiten der Service-Anbieter ist Klara an Board. 

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