Steht der "Diem" vor dem Aus?

26. Januar 2022, 12:37
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Der Digitalwährung von Meta scheinen die Regulierungsbemühungen der amerikanischen Behörden Schwierigkeiten zu bereiten. Es gibt Gerüchte über eine allfällige Liquidierung.

Bereits im Mai hat sich die von Facebook gegründete Stiftung Diem aus der Schweiz zurückgezogen, um ihren Fokus verstärkt auf den britischen und den amerikanischen Markt zu richten. Damals war zudem die Rede davon, dass die Diem Association respektive deren Tochter, Diem Networks US, eine Partnerschaft mit der amerikanischen Bank Silvergate Capital eingehen wolle, um das Kryptowährungsprojekt fortsetzen zu können.
Nun berichtet 'Bloomberg' über Gerüchte, wonach der Facebook-Mutterkonzern Meta die Vermögenswerte des Unternehmens liquidieren wolle. Gemäss den Quellen würden bereits Gespräche mit Investmentbankern darüber geführt, wie das geistige Eigentum der Firma am besten verkaufen werden könnte, um Kapital an die Investoren zurückzahlen zu können. Begründet werden die Gerüchte insbesondere mit den Regulierungsbemühungen der amerikanischen Behörden.

Der Anfang der Regulierung

Als Facebook 2019 die Idee seiner digitalen Währung "Libra" vorstellte, wollte das Unternehmen damit die globalen Finanzdienstleistungen revolutionieren. Dabei waren auch über ein Dutzend anderer Unternehmen am Projekt beteiligt. Während die europäischen Behörden sich von Anfang an gegen die Einführung einer Digitalwährung von Facebook gestellt haben, wurde in den USA darüber verhandelt. Im Prozess wurde auch Mark Zuckerberg als Zeuge geladen, was bei einigen Partnern dazu geführt haben soll, dass sie ihre Beteiligungen am Projekt aufgegeben hätten.

Der Versuch eines Neuanfangs

Es folgte ein Namenswechsel auf "Diem" und eine Zurückstufung der Ziele. Zudem verliess David Marcus, der Unternehmensgründer, Meta im vergangenen Jahr. Als letzter Rettungsanker für das Projekt sei noch die Kooperation mit Silvergate Capital Bank eingegangen worden. Der Widerstand der US-Notenbank hätte die Bemühungen aber im Sand versiegen lassen, so die Insider zu 'Bloomberg' (Paywall). Ohne grünes Licht von der Aufsichtsbehörde wäre die Bank nicht in der Lage gewesen, die eigene digitale Währung einzuführen, ohne dass die Fed nicht hart durchgegriffen hätte.

Das Endgültige Ende?

Im November machten die Bundesaufsichtsbehörden schliesslich deutlicher, worauf sie genau hinaus wollten. Wenn Unternehmen Token als Mittel zum Kauf und Verkauf von Dingen anbieten wollen, sollen sie gleich reguliert werden wie eine Bank, so die Arbeitsgruppe des Präsidenten für Finanzmärkte in einem Bericht. Die Regulierungsbehörde warnte insbesondere davor, was passieren könnte, wenn ein riesiges Netzwerk von Nutzern eines Technologieunternehmens plötzlich anfinge, Transaktionen in einer neuen Währung durchzuführen. Die Kombination aus einem Stablecoin-Emittenten und einem grossen Tech-Unternehmen könnte "zu einer übermässigen Konzentration von wirtschaftlicher Macht führen."
Vor diesem Hintergrund sei es allerdings unklar, wie ein potenzieller Käufer das geistige Eigentum von Diem oder die Ingenieure, die an seiner Entwicklung beteiligt waren, bewerten würde. Die Gespräche befänden sich noch im Anfangsstadium und es gebe keine Garantie dafür, dass Diem je einen Käufer finden werde, hiess es weiter. Meta besitze etwa ein Drittel des Unternehmens, der Rest gehöre den Mitgliedern der Vereinigung, der auch verschiedene Risikokapital- und Technologiefirmen angehören.

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