Der Offshoring-Partner der Credit Suisse einigt sich mit der UBS: Fünfjähriger Vertrag zur Erbringung diverser Outsourcing-Dienstleistungen. Voraussichtlicher Umsatz für Cognizant: 442 Millionen Dollar. Polnische BPO-Einheit steht nicht zum Verkauf.
Das letzte Gerücht war richtig. Seit Monaten beschäftigte sich die indische Zeitung 'Economic Times' mit der Frage,
wer die indische Business-Process-Outsourcing-Einheit der Grossbank UBS kaufen würde. Nicht Wipro, auch nicht Infosys und schon gar nicht Genpact werden das "UBS India Service Centre" (ISC) mit Sitz in Hyderabad übernehmen. Der Käufer der 2000 Personen starken BPO-Einheit ist Cognizant, wie einer heute veröffentlichten Mitteilung zu entnehmen ist. Die Transaktion soll voraussichtlich Ende 2009 abgeschlossen werden.
BPO, KPO...
Cognizant ist unter der Leitung von Stefan Metzger auch in der Schweiz präsent und erbringt, wie andere indische IT-Dienstleister auch, bereits seit längerem IT-Services für die UBS. Der IT-Riese ist zusammen mit Wipro auch
Offshoring-Partner.
Im Rahmen der ISC-Übernahme haben UBS und Cognizant nun einen mehrjährigen Vertrag unterzeichnet, der die Erbringung von Dienstleistungen zur Auslagerung von Geschäftsprozessen (BPO) in den Bereichen Wertschriftenabwicklung, Compliance, Finanzen sowie Präsentationen und Design vorsieht. Daneben hat das ISC Know-how im Outsourcing von Wissensprozessen (Knowledge Process Outsourcing - KPO) für Research und Analytik und bietet Dienstleistungen zur Verwaltung von IT-Infrastruktur an. In Zukunft wird Cognizant diese Dienstleistungen für die UBS erbringen.
Backoffice-Dienstleistungen für Banken beinhalten viel Software-Entwicklung. Nicht von ungefähr gehören die beiden Schweizer Grossbanken zu den grössten Arbeitgebern im IT-Bereich.
Finanzielle Einzelheiten gaben UBS und Cognizant nicht bekannt. Gemäss früheren Medienberichten liegt der Wert des ISC zusammen mit dem Pendant in Krakau (Polen) bei 100 Millionen Dollar. 'Reuters' schreibt heute, dass der Preis für das ISC nun 75 Millionen Dollar beträgt und Cognizant im Rahmen des Fünfjahres-Vertrages einen Umsatz von 442 Millionen Dollar generieren werde.
"Poland Service Centre" wird nicht verkauft
Wie es bei der UBS auf Anfrage heisst, steht das "Poland Service Centre" (PSC) in Krakau nicht zum Verkauf. Es konzentriere sich auf Dienstleistungen, die aus rechtlichen, regulatorischen oder geschäftlichen Gründen nicht durch Dritte erbracht werden könnten. Die UBS beschäftigt dort 110 Personen – nicht 250, wie die 'Economic Times' berichtet hatte. Sowohl das ISC in Indien als auch die BPO-Einheit in Polen wurden erst kürzlich gegründet: Das ISC 2006 und das PSC sogar erst 2008.
Der Verkauf des ISC repräsentiere den nächsten Schritt in der Offshoring- und Outsourcing-Strategie der UBS, heisst es in einer UBS-Mitteilung. In den vergangenen Jahren sei der Markt für Anbieter von Auslagerungsdienstleistungen stark gewachsen und reifer geworden. Die UBS habe aus diesem Grund entschieden, auf den weiteren Ausbau eines eigenen Angebots zu verzichten und stattdessen die Dienstleistungen einzukaufen. Dadurch profitiere man von den Grössenvorteilen und dem Know-how Dritter und erreiche "mehr Effizienz, tiefere Kosten und eine grössere Flexibilität", hofft die Bank. (Maurizio Minetti)