Unisys könnte Steuerverwaltungs-Millionenprojekt wieder verlieren

3. August 2007, 14:45
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Verfahren auf Widerruf des Zuschlages für das ESTV-Projekt "Insieme" eingeleitet. Entscheidung Ende August möglich.

Verfahren auf Widerruf des Zuschlages für das ESTV-Projekt "Insieme" eingeleitet. Entscheidung Ende August möglich.
Wie der 'NetzwocheTicker' heute berichtete, ist ein Verfahren auf Widerruf des Zuschlages für das IT-Projekt "Insieme" der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) an Unisys Schweiz eröffnet worden. Der für das Programm Insieme bei der ESTV zuständige Koordinator Ueli Burkhard bestätigte sowohl gegenüber dem 'NetzwocheTicker' als auch gegenüber inside-channels.ch diese Sachlage. Über die Hintergründe und weitere Details konnte er uns aufgrund des laufenden Verfahrens keine Auskunft geben. Wie Burkhard glaubt, könnte schon Ende August eine erste Entscheidung gefällt werden, gegen die dann aber noch rekurriert werden könnte. Falls Unisys letztendlich den Auftrag verlieren würde, würde eine Neuausschreibung des Millionen-Projekts anstehen. Unisys wollte auf unsere Anfrage hin noch keinerlei Kommentar abgeben.
Unisys Schweiz erhielt den Zuschlag für Insieme nach einer öffentlichen Ausschreibung im März des letzten Jahres. Ein entsprechender Werkvertrag lag aber gemäss Burkhard bisher nicht vor. Der offizielle Auftraggeber, das Bundesamt für Bauten und Logistik, begründete den Zuschlag damals damit, dass die Eingabe von Unisys die in den Ausschreibungsunterlagen gestellten Anforderungen am besten erfülle.
Das Auftragsvolumen ist für Schweizer Verhältnisse und damit auch für Unisys Schweiz äusserst bedeutend. Beim Zuschlag wurde eine Preisspanne von zwischen 25,8 und 99,4 Millionen Franken angegeben, das realistische Volumen dürfte sich im oberen Bereich dieser Spanne bewegen. Dafür soll das Projekt auch Einsparungen in Millionenhöhe bei den jährlichen IT-Kosten bringen.
Software aus den 80ern
Im Rahmen des Projektes Insieme sollen die Prozesse und die IT-Plattform der Eidgenössischen Steuerverwaltung vollständig erneuert werden. Geplant ist unter anderem die Erneuerung bzw. Ablösung der Kernapplikationen "MOLIS" (MWST-Informationssystem) und "STOLIS" (Stempelsteuer-Informationssystem), die seit den Achtzigerjahren (!) im Einsatz stehen. In einem Bericht der Finanzdelegation an die Finanzkommissionen des Ständerates aus dem Februar 2005 ist nachzulesen, dass allein der Unterhalt dieser auf dem Mainframe-OS "BS2000" von Siemens laufenden veralteten Applikationen den Leistungeserbringer, das Bundesamt für Informatik BIT, pro Jahr zwölf Mannjahre koste. Zumindest eine Migration der ESTV-Applikationen war schon einige Jahre vorher versucht worden, das Projekt wurde aber nach zwei Jahren und Kosten von 9 Millionen Franken wieder abgebrochen und durch eine reine Hardware-Migration ersetzt. (Hans Jörg Maron)

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