"Unsere Strategie erhält immer mehr Aufwind"

17. August 2018, 12:25
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KMS liefert seit 1983 die Software für Steuer­verwaltungen. Mit CEO Erich Kleinhans auf den Spuren der Entwicklung.

KMS liefert seit 1983 die Software für Deutschschweizer Steuerverwaltungen. Mit CEO Erich Kleinhans auf den Spuren einer langen Entwicklung.
IT-Jubiläen werden nicht nur im Silicon Valley gefeiert. Die Schweiz hat eigne Software-Schmieden, die Erfolgsgeschichte geschrieben haben. Eine davon ist die von Erich Kleinhans geführte KMS. In einem per Mail geführten Interview erklärt er, wie es dazu kam, dass die Software nest für die Verwaltung von Steuern heute bei 14 von 19 Deutschschweizer Kantonen etabliert ist.
inside-channels.ch: Was ist Ihr Kerngeschäft?
Erich Kleinhans: Unser Kerngeschäft sind nach wie vor Business-Lösungen für kantonale Steuerverwaltungen. Wir haben vor mehr als 25 Jahren eine Standard-Software für die fünf nest-Ur-Kantone (die Steuerverwaltungen Glarus, Nidwalden, Obwalden, Schwyz und Uri) entwickelt. Der kantonale Markt ist auch heute noch unser grösstes Standbein.
Neu entwickeln wir zusammen mit dem Kanton Thurgau eine Standard-Lösung für Objektbewertung, also die Schätzung von Liegenschaften inklusive Abwicklung der anfallenden Steuern. Es zeigt sich bereits jetzt, dass wir auch mit diesem Produkt auf das richtige Pferd setzten und schon bald mit einem Einsatz der neuen Lösung in weiteren Kantonen rechnen können. Ausserdem sind wir dabei eine neue Generation unserer Software auf den Markt zu bringen.
Wo steht KMS und was hat sich seit der Gründung verändert?
Erich Kleinhans: Der Trend im Steuerwesen der Schweiz geht klar Richtung Zentralisierung. Diesen Trend haben wir bereits vor 25 Jahren erkannt und mit nest-Steuern als einziger Anbieter auf eine mandantenfähige Standardlösung für kantonale Steuerverwaltungen gesetzt. Es handelte sich um eine Lösung, die inzwischen auch im kommunalen Umfeld, bei Städten und Gemeinden eingesetzt wird.
Kurz gesagt, erhält unsere Strategie von damals immer mehr Aufwind. Das Steuerwesen der Zukunft wird zentral auf kantonaler Ebene abgewickelt. Bereits ein Grossteil der Gemeinden, die mit nest-Steuern arbeiten, tun dies auf dem zentralen System ihres Kantons.
Welche Situation haben Sie vorgefunden, als Sie 1983 gestartet sind?
Erich Kleinhans: Als die KMS AG in Luzern gegründet wurde, eroberte der PC gerade erst die Verwaltungen. Lösungsanbieter waren kaum vorhanden. Mehrheitlich Individualentwicklungen auf Main-Frame-Basis standen in den Verwaltungen im Einsatz. Zudem waren internationale US-Firmen präsent, welche sich im Nischenmarkt Schweiz allerdings nicht durchsetzen konnten.
Welche Konkurrenzsituation hat sich in all den Jahren herausgebildet?
Erich Kleinhans: Das Steuerwesen ist bis heute ein Nischenmarkt geblieben, auf dem sich nur wenige Anbieter behaupten. In den letzten Jahren sind verschiedene Anbieter vom Markt verschwunden, da sie den wachsenden Anforderungen nicht standhalten konnten. Mit unterdessen 14 von 19 Kantonen aus der Deutschschweiz sind wir breit abgestützt und dürfen die Marktführerschaft für uns beanspruchen.
Was wird aktuell von Ihnen verlangt?
Erich Kleinhans: Die Kunden verlangen nach intuitiven Lösungen, die sie in ihrem Tagesgeschäft optimal unterstützen. Der Zeitfaktor spielt dabei eine immer wichtigere Rolle. Die Steuerverwaltungen wollen ihren Steuerkunden einen hoch qualitativen, professionellen und schnellen Service anbieten.
Wer sind Ihre Partner im nest-Verbund?
Erich Kleinhans: 1998 haben wir Fuss im kommunalen Markt gefasst. Unsere Partner ergänzen Module wie Einwohnerkontrolle und Werke (innosolv) sowie Finanzlösungen (Abacus). Jeder macht dabei, was er am besten kann. Die Gemeinden profitieren dadurch von einer Gesamtlösung mit den besten Lösungen in allen Teilbereichen (Best of Bread). Daneben arbeiten wir im Gemeindegeschäft mit Partnern im Vertrieb zusammen. Im kantonalen Umfeld vertreiben wir unsere Lösung selbständig.
Wie haben sich die Besitzverhältnisse entwickelt?
Erich Kleinhans: Die KMS AG ist vollumfänglich privat finanziert und in den Händen von Geschäftsleitungsmitgliedern, Führungskader und Mitarbeitenden. Unsere Mitarbeitenden erhalten nach zwei Dienstjahren erstmals die Möglichkeit, sich am Unternehmen zu beteiligen.
Im Kader sind wir breit abgestützt und wie folgt organisiert: Dreiköpfige Geschäftsleitung, die ebenfalls im Verwaltungsrat vertreten ist, vier Führungskader und 15 Teamleiter (siehe Organigramm (PDF)). Daneben sind diverse Mitarbeitende Bestandteil unseres Fachkaders.
Wie viele Mitarbeiter und Standorte umfasst das KMS heute?
Erich Kleinhans: An unseren drei Standorten in Kriens, Matzingen und Zürich beschäftigen wir rund 120 Mitarbeitende.
Was waren die drei der wichtigsten Meilensteine der KMS-Geschichte?
Erich Kleinhans: Der damalige Auftrag der fünf Ur-Kantone zur Entwicklung einer neuen Steuerlösung, der Entscheid der Steuerverwaltung Luzern für nest-Steuern sowie die aktuelle Entwicklung einer völlig neuen Software-Generation.
Die kantonale Steuerverwaltung Luzern war damals der erste Grosskunde, welcher sich nach einer umfangreichen Evaluation für uns und nest-Steuern entschieden hatte. Damals konnten wir erstmals beweisen, dass sich dahinter eine Standard-Software verbirgt, die sich auch für grosse kantonale Verwaltungen eignet.
Luzern hat später noch einmal Pionierarbeit geleistet und in Zusammenarbeit mit uns das gesamte Steuerwesen zentralisiert. Der Trend im Steuerwesen geht heute stark in diese Richtung. Aktuell unterstützen wir die Kantone Schwyz und Uri in solchen Vorhaben.
Was hat Ihnen die grössten Probleme bereitet?
Erich Kleinhans: Für technische Probleme haben wir noch immer eine Lösung gefunden. Oft sind es zwischenmenschliche Herausforderungen, die fast schwieriger zu bewältigen sind. Wir sind in einem sensiblen Nischenmarkt tätig. Fingerspitzengefühl ist in der internen Mitarbeiterführung aber auch in der Zusammenarbeit mit unseren Kunden gefragt.
Wo ist KMS heute im Einsatz?
Erich Kleinhans: 14 Kantone, Städte wie Winterthur und Zürich und mehr als 250 Gemeindesteuerverwaltungen haben heute nest-Steuern im Einsatz. Unsere Kunden verwalten damit rund 3,3 Millionen Einwohner. Insgesamt fakturieren unsere Kunden rund 70 Milliarden Steuereinnahmen über unsere Software.
Ursprünglich wurde Ihre Software mit der Entwicklungsumgebung Gupta Team Developer und der dazugehörigen Programmiersprache SAL (SQLWindows Application Language) entwickelt. Ab 2010 kam dann der Umstieg auf .NET. Wo stehen Sie technisch heute?
Erich Kleinhans: Wir haben damals unsere Software komplett auf .NET migriert und setzen weiterhin auf diese führende Technologie. Im Gegensatz zu anderen Anbietern gaben wir uns mit der rein technischen Migration aber nicht zufrieden. Sie war lediglich die Basis für die jetzige Weiterentwicklung zur neuen Software-Generation.
Davon sind erste Teile bei unseren Kunden bereits im Einsatz. Wir machen damit sicher unseren bisher grössten Innovationsschub. Zentrale Punkte sind die stärkere Prozessorientierung, eine einheitliche Basisarchitektur, die Optimierung der Bedienbarkeit, also Anpassungen bei der Usability und den Interfaces, sowie die Reduktion der gewachsenen Komplexität. Wir wollen noch stärker als bisher zurück zu den Wurzeln und wieder so nah wie möglich an den Standard.
Planen Sie weitere Ausbauten?
Erich Kleinhans: Was unsere Infrastruktur anbelangt, haben wir bereits an allen drei Standorten ein einheitliches Konzept umgesetzt. Wo es die Situation erfordert, werden wir weiter in den Ausbau unseres Personals investieren. (Interview: Volker Richert)

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