Warum China Bitcoin-Mining unterbindet

22. Juni 2021, 10:16
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Der Grossteil aller Bitcoin werden in China geschürft. Nun wird Minern der Stecker gezogen und gegen Trader vorgegangen.

Kryptomining ist ein grosses Geschäft in China. Bislang wurde Berichten zufolge weltweit rund die Hälfte der neuen Bitcoin in China geschürft. Seit einiger Zeit geht der Staat gegen Kryptowährungen vor, die Massnahmen wurden nun ausgebaut. Sowohl das Mining von Kryptowährungen als auch der Handel damit sollen unterbunden werden. 
Die Zentralbank des Landes, die People's Bank of China (PBOC), erklärte am 21. Juni, dass sie kürzlich mehrere grosse Banken und Payment-Anbieter vorgeladen und aufgefordert habe, stärker gegen den Handel mit Kryptowährungen vorzugehen. Finanzdienstleister dürfen keine Produkte oder Services wie Handel, Clearing und Abwicklung für Krypto-Transaktionen anbieten, so die PBOC in einer Erklärung.
Dabei handelt es sich nicht um eine neue Weisung. Der Schritt zeige aber, dass die Regierung noch stärker gegen Kryptowährungen vorgehen möchte, kommentiert 'CNN Business'. China begründete die Massnahmen mit Gefahren für das Weltfinanzsystem, weil bei diesen Kryptowährungen allein Angebot und Nachfrage den Kurs bestimmen. Ein weiterer Grund dafür könnte sein, dass das Land damit die Initiative für einen staatlich gestützten digitalen Yuan vorantreiben möchte. 

Werden 90% der Mining-Kapazitäten stillgelegt?

Das Statement der Zentralbank folgte auf verschiedene Massnahmen der Regierung gegen Krypto-Mining-Aktivitäten im Land. Mehrere Mining-Zentren wurden geschlossen.
Schätzungen zufolge findet 65% bis 75% des weltweiten Bitcoin-Mining in China statt – hauptsächlich in den vier Provinzen Xinjiang, Innere Mongolei, Sichuan und Yunnan. Laut einem Bericht der chinesischen 'Global Times' sagten hochrangige chinesische Beamte bereits im Mai, dass es nötig sei, gegen Bitcoin-Mining vorzugehen.
Da man Klimaziele verfehlt habe, seien beispielsweise in der Inneren Mongolei, wo viel Strom aus Kohle gewonnen wird, Mining-Zentren geschlossen worden. Die nun erfolgten Schliessungen in der Provinz Sichuan, dem weltweit grössten Bitcoin-Mining-Gebiet mit Wasserkraft, scheinen laut 'Reuters' darauf hinzuweisen, dass Pekings Unmut über das Mining von Kryptowährungen über die Fälle hinausgeht, in denen Strom verwendet wird, der durch die Verbrennung von Kohle erzeugt wird.
Schätzungen der 'Global Times' zufolge könnten 90% der Bitcoin-Mining-Kapazitäten stillgelegt werden, zumindest kurzfristig. "Die chinesische Regierung zieht dem heimischen Mining-Geschäft offensichtlich nun den Stecker", so ein Analyst. "Viele Unternehmen könnten ins Ausland abwandern."
Ein wahrscheinliches Ziel sei das Nachbarland Kasachstan. Die Stromversorgung sei dort gut, Strom billig und das Bauen wenig reguliert, fasst 'CNBC' zusammen. Es sei aber auch möglich, dass die Mining-Aktivitäten in den USA zunehmen. Die US-Zeitung berichtet vergangene Woche, dass Texas ein Kandidat sein könnte. Die Regierung im US-Bundesstaat sei Krypto-freundlich und der Strom billig.
Die anhaltenden Aktivitäten der chinesischen Regierung haben nicht nur den Bitcoin-Kurs, sondern auch den Preis für Grafikkarten bei chinesischen Händlern in den Keller geschickt. Wie 'The Register' schreibt, scheint dieser Preistrend auch langsam den Weg in die USA zu finden. 

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