Wie reif ist die Container-Technologie von Docker?

24. Juni 2015 um 15:07
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Der Docker-Cheftechnologe räumt Bugs ein, hat aber auch eine grosse Vision.

Der Docker-Cheftechnologe räumt Bugs ein, hat aber auch eine grosse Vision.
Rund 2500 Entwickler und Softwarearchitekten haben sich am Montag und Dienstag dieser Woche in San Francisco an der DockerCon-Konferenz versammelt, um sich über die neusten Entwicklungen auf dem Gebiet der Container-Technologie zu informieren. Die Konferenz des gerade mal zwei Jahre alten Startups Docker wurde von IT-Grössen wie IBM, Intel, Microsoft oder EMC gesponsort und viele Unternehmen liessen es sich nicht nehmen, an der Konferenz Docker-bezogene Neuigkeiten bekannt zu geben.
Dies alles ist ein Ausdruck des riesigen Interesses, das die Container-Technologie im allgemeinen und Docker im speziellen gegenwärtig bei Entwicklern hervorrufen. Diese Virtualisierungsvariante verspricht, es deutlich einfacher zu machen als bisher, Applikationen auf Servern in Betrieb zu nehmen und sie zwischen Servern und den Cloud-Plattformen von verschiedenen Providern hin und her zu schieben.
Wie der Docker-CEO Ben Golub erklärte, wurde die Docker-Software für Linux-basierte Container bereits rund 500 Millionen Mal heruntergeladen. Rund 150'000 Applikationen seien "dockerisiert" worden und etwa 40'000 Projekte auf GitHub würden Docker verwenden.
Wie aber steht es mit dem produktiven Einsatz der Technologie? Gemäss 'Datacenterknowledge' gibt es eine lange Liste von Unternehmen mit grossen Namen wie eBay, Baidu, Yelp, Spotify usw., welche Docker testen. Der reale Einsatz in der Produktion sei aber wesentlich seltener. Einige Anwender hätten es geschafft, Container mit eigenen Zusatzentwicklungen so weit zu bringen, dass sie für spezifische Zwecke produktiv eingesetzt werden können. Generell herrsche aber die Ansicht, dass Docker noch nicht für den routinemässigen Einsatz bereit sei.
Heute noch fehlerbehaftet, in fünf Jahren allgegenwärtig?
Der Docker-Mitgründer und Cheftechnologe Solomon Hykes bemühte sich in seiner Rede, dem Eindruck entgegenzuwirken, dass die Technologie noch äusserst jung und damit unreif sei. Docker selbst, so betonte er, sei zwar erst vor zwei Jahren gegründet worden, aber sein Team arbeite schon seit acht Jahren daran. Trotzdem räumte er auch ein, dass es immer noch eine Reihe von Bugs gebe, die es zu beseitigen gelte.
Das grosse Interesse zeige aber zweifellos, dass die "Docker-Vision" richtig sei. Schon in weiteren fünf Jahren, so Hykes, könnte man mit der Container-Technologie ein extrem ehrgeiziges Ziel erreichen: Sozusagen das Internet - beziehungsweise alle daran angeschlossenen Geräte - "programmierbar" zu machen. Konkret glaubt Hykes, dass die Container-Technologie es möglich machen wird, dass Entwickler Programme nur noch einmal schreiben müssen und dann ohne grosse Umstände auf allen möglichen Geräten, von Servern über Telefone und TVs bis zu Autos, Sensoren, Drohnen usw. laufen lassen können.
Auf dem Weg dahin muss Docker nicht nur Bugs beseitigen sondern auch die Funktionen seiner Software verbessern und ausweiten. An der Konferenz kündigte Docker unter anderem an, dass die aktuelle Version der Container nun Software-Defined-Networking-Funktionen unterstützen würde. Zu den Partnern, die entsprechende Plugins für ihre SDN-Produkte entwickelt haben, gehören Cisco, VMware und Microsoft.
Docker in VMware-VMs
Eine der interessanten Ankündigungen von Drittunternehmen stammte von VMware. Betriebssystem-basierte Container wie die von Docker kann man als Konkurrenz zur Hypervisor-Virtualisierungstechnologie verstehen, die VMware gross gemacht hat. VMware hat aber nun das Projekt Bonneville angekündigt. Bonneville soll es ermöglichen, einen Docker-Container in eine virtuelle Maschine von VMware zu "verpacken".
In den nächsten Jahren, so erklärte dazu der VMware-Ingenieur Jared Rosoff, würden viele IT-Operations-Teams sowohl VM- als auch Docker-basierte Applikationen betreuen müssen. Statt für die Container ein paralleles, spezialisiertes Management-System aufbauen zu müssen, könnten sie die Container durch diese Integration mit der schon vorhandenen VMware-Management-Software verwalten. Dies werde die Verwaltung erleichtern, bereits getätigte Investitionen schützen und zudem den Container-Betrieb sicherer machen.
Container-Protagonisten arbeiten an Standardisierung
Docker ist der bekannteste Verteter der Container-Zunft, aber nicht der einzige. 2014 hat beispielsweise das Unternehmen CoreOS eine eigene Version von Linux-Containern namens "Rocket" angekündigt, die unter anderem das "vermurkste Security-Modell von Docker" korrigieren sollte. Dies führte zu Befürchtungen, dass die Ausbreitung der Technologie durch konkurrierende inkompatible Standards behindert werden könnte, weil potentielle Kunden befürchten, von einem Anbieter abhängig zu werden.
An der DockerCon-Konferenz haben nun Docker, CoreOS und viele andere Softwarehersteller das "Open Container Project" (OCP) angekündigt. Die Chefs von Docker und CoreOS traten dafür gemeinsam auf die Bühne, um sozusagen demonstrativ das Kriegsbeil zu begraben. Man schüttelte sich freundlich die Hände und lobte jeweils artig die guten Ideen der anderen Seite.
Das Projekt wird von der Linux Foundation überwacht. Neben den beiden bisherigen Container-Streithähnen Docker und CoreOS sind darin auch IT-Riesen wie Amazon Web Services, Cisco, EMC, Fujitsu, Google, Microsoft, HP, IBM, Intel, Microsoft oder VMware vertreten. Das Projekt soll einen Standard schaffen, der es ermöglicht, Images problemlos zwischen Container-Formaten unterschiedlicher Provenienz zu verschieben. (Hans Jörg Maron)
(Anmerkung: Der Autor dieses Artikels war nicht selbst an der DockerCon-Konferenz. Der Bericht beruht auf Pressemitteilungen und Artikeln in der US-Presse. Die Hauptquelle waren dieser und einige weitere Artikel von 'Data Center Knowledge'.

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