Wozu eine SuisseID?

20. September 2010, 09:34
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Der elektronische Identitätsnachweis ist zwar da, doch findet er keinen reissenden Absatz. Kein Wunder: Der Bevölkerung ist nicht klar, wofür man eine SuisseID benötigt, und kompatible Anwendungen dazu gibt es kaum.

Der elektronische Identitätsnachweis ist zwar da, doch findet er keinen reissenden Absatz. Kein Wunder: Der Bevölkerung ist nicht klar, wofür man eine SuisseID benötigt, und kompatible Anwendungen dazu gibt es kaum.
Die vom Kompetenzzentrum Public Management und E-Government der Berner Fachhochschule letzte Woche veranstaltete Tagung "SuisseID in der öffentlichen Verwaltung" stiess offenkundig auf breites Interesse. Unter den 123 registrierten Teilnehmern befanden sich nicht weniger als 50 Mitglieder von Behörden aus Gemeinden, Kantonen und dem Bund, dazu gesellten sich Vertreter der Privatwirtschaft, mehrheitlich aus der Informatik- und Kommunikationsindustrie.
Sturm im medialen Wasserglas
Dieses Interesse war verständlich. Denn der noch kein Jahr alte nationale elektronische Identitätsnachweis SuisseID war infolge eines sensationell aufgeputschten Zeitungsberichts in der 'Weltwoche' ins Gerede gekommen. Es ging dabei um das Missbrauchspotenzial des neuartigen Ausweises. Daran waren die Initianten der elektronischen Identitätskarte, darunter das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), nicht ganz unschuldig. Denn sie hatten den Sicherheitsaspekt der SuisseID stark in den Vordergrund ihrer Missionstätigkeit für die Verbreitung dieses elektronischen Ausweises gerückt. Und ausgerechnet am Vortag der Berner Veranstaltung erschien in der 'NZZ' ein Beitrag mit dem polemischen Titel "Identitätskrise", in welchem der Autor seinem 'Weltwoche'-Kollegen zu Recht "blanken Unsinn" vorwarf und dem Seco vorhielt, den elektronischen Ausweis "falsch, nämlich als Sicherheitslösung" verkauft zu haben. Der Leiter der Berner Tagung, Fachhochschul-Professor Dr. Reinhard Riedel, hatte gegenüber der 'NZZ' versucht, die von der 'Weltwoche' geweckten Sicherheitsbedenken mit der Aussage abzuwiegeln: "Es gibt keine valable Alternative zur SuisseID, die nicht ebenfalls Risiken mit sich brächte."
Das ist zweifellos richtig. Aber es schafft den Umstand nicht aus der Welt, dass diese valablen Alternativen - ob sie nun von Geldhäusern für das E-Banking an ihre Kunden abgegeben oder von Gemeinden, wie der Stadt Zürich, für die elektronische Teilnahme an politischen Abstimmungen eingesetzt werden - eine bereits verbreitete Gratis-Konkurrenz gegenüber der SuissseID darstellen , die für Privatpersonen jährlich immerhin 33 Franken kostet.
Taktische Ungeschicklichkeit
Denn das eklatante Manko der SuisseID besteht darin, dass noch viel zu wenige Anwendungen dafür vorhanden sind. Dies ging mit aller Deutlichkeit aus den Tagungsreferaten hervor, mit denen der praktische SuisseID-Einsatz dargestellt werden sollte, und nicht zuletzt aus dem von Prof. Riedel geleiteten Expertengespräch auf der Tagungsbühne.
So wies Martin Baumgartner von der Verwaltungsrechenzentrum AG St. Gallen in seinem Referat darauf hin, dass zum Beispiel die St.Galler-Steuerbehörde die SuisseID als Identitätsnachweis anerkenne, und dass dafür ebenso ein - kostenloses - alternatives, auf Passwörtern beruhendes Verfahren, verfügbar sei.
Der praktische Wert und die Wünschbarkeit der SuisseID als universeller, für alle Zwecke einfach benutzbarer Identitätsnachweis ist, wie an der Tagung belegt wurde, durch mehrere Umfragen und Studien untermauert. Schliesslich ist die Informatik- und Kommunikationstechnologie seit langem in unseren Alltag eingedrungen und damit auch in unsere alltäglichen Rechtsgeschäfte. Doch weshalb geht die Einführung der SuisseID - trotz der Bundessubvention für "early adopters" - so ausgesprochen schleppend vor sich? Es drängt sich der Eindruck auf, dass bei der öffentlichen Lancierung des elektronischen Identitätsnachweises taktische Fehler gegangen wurden.
Möglicherweise wäre die Erstabgabe der SuisseID an einen klar umschriebenen und begrenzten Personenkreis - etwa Angestellte der öffentlichen Verwaltung - begleitet von der Entwicklung sich aufdrängender Anwendungen, der wirkungsvollere Weg gewesen als der offensichtlich überstürzte Direktverkauf ans Publikum. Denn selbst von offizieller Seite bestehen Zweifel, ob die 17 Millionen Franken betragende Anschubfinanzierung der SuisseID durch den Bund überhaupt voll ausgeschöpft wird. Dieses Geld wird in der Form einer neudeutsch Cash-Back genannten Rückvergütung von 65 Franken vom Seco an alle Privatpersonen ausbezahlt, die vor dem Jahresende 2010 eine für 3 Jahre gültige SuisseID kaufen (Kostenpunkt: 99 Franken). Die Nachfrage ist offensichtlich gering, wohl vor allem, weil nicht ohne weiteres einsichtig ist, wofür das neuartige IKT-Instrument dienen soll.
Die SuisseID wird kommen
Doch der elektronische Identitätsausweis wird kommen, das wurde an der Berner Tagung klar. Indirekt bestätigte dies auch Daniel Markwalder vom Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) in seinem Referat mit der verklausulierten Aussage, die "flächendeckende Einführung der 2-Faktor Authentisierung" sei in Vorbereitung. Gemeint ist damit der kryptologische Schutz der Identitätsdaten durch die Kombination öffentlicher und privater Schlüssel, wie er in der SuisseID realisiert ist. Ferner gab Markwalder an, bereits im Lauf des ersten Halbjahres 2011 werde eine "Verwaltungs-SuisseID" als Produkt erhältlich sein. Darunter ist ein für den Verkehr mit den verschiedenen Sparten der öffentlichen Verwaltung gedachtes Instrument zum Nachweis der persönlichen Identität zu verstehen.
Ein anderer Referent, Christian Weber vom Seco, Mitglied des Expertenrats E-Gov-Strategie Schweiz, erklärte auf Anfrage von inside-it.ch am Rande der Tagung, im Zuge der anstehenden Revision des Ausweisgesetzes - etwa um 2014 - sei vorgesehen, den in der SuisseID-Karte eingebetteten Chip in die konventionelle und bereits sehr verbreitete schweizerische Identitätskarte zu integrieren. (Gregor Henger)

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