Schweizer KMU sind mehrheitlich technisch gut geschützt vor Cyberangriffen. Gleichzeitig zeigt die Studie "KMU Cybersicherheit 2026" der Mobiliar: Bei vielen Betrieben bestehen bei den organisatorischen Massnahmen zum Schutz vor Cyberkriminellen weiterhin Lücken.
Zu den technischen Schutzmassnahmen zählen die befragten rund 500 Geschäftsleitenden von Schweizer KMU unter anderem Backups. Neun von zehn Firmen sichern regelmässig ihre Geschäftsdaten. Mehr als 80% führen Software-Updates durch und eine Mehrfaktor-Authentifizierung gehöre vielerorts (55%) ebenfalls zum Standard, heisst es in der Studie.
Nachholbedarf verorten die Autorinnen und Autoren bei den organisatorischen Massnahmen: Nur rund ein Drittel der KMU führe regelmässige Mitarbeiterschulungen durch oder inventarisiere systematisch ihre IT-Systeme. Notfallpläne, Sicherheitsaudits und die Überprüfung der IT-Sicherheit von Lieferanten seien noch deutlich weniger verbreitet. Nur jedes vierte KMU teste, ob sich Backups im Ernstfall tatsächlich wiederherstellen lassen.
Den Widerspruch zwischen der weit verbreiteten Datensicherungspraxis und den Übungen für den Notfall sieht Anu Anthamatten, Projektleiterin von Digitalswitzerland, kritisch: "Es reicht nicht, nur Daten zu sichern. KMU müssen regelmässig testen, ob sie bei einem Cyberangriff rasch wieder handlungsfähig sind", sagt sie. Immerhin: Rund zwei von fünf Firmen planen in den kommenden drei Jahren zusätzliche Sicherheitsmassnahmen.
KI verschärft Bedrohungslage
Der zusätzliche Schutz könnte angesichts der steigenden Cyberbedrohungen durch KI schneller notwendig sein als gedacht. Die KMU sind sich der Gefahr bewusst, erwarten doch vier von fünf Betriebe, dass die KI-Nutzung zu einer wachsenden Zahl an Angriffen führt. Allerdings setzt nur knapp die Hälfte der KMU die Technologie selbst ein.
"Rund 35'000 von Angriffen betroffene KMU in der Schweiz zeigen: Cyberschutz ist heute genauso wichtig wie der Schutz vor Feuer oder Naturgefahren. Cybersicherheit darf deshalb nicht allein bei der IT liegen. Sie gehört in die Geschäftsleitung und muss Teil der Unternehmensstrategie sein. Eine Cyberversicherung kann Risiken abfedern, ersetzt aber die Eigenverantwortung nicht", mahnt Jesús Pampín, Leiter Kompetenzzentrum Cyber Risk bei Mobiliar.