Die kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Schweiz unterschätzen die Gefahren aus dem Cyberspace. Fast jede zweite Firma hat im vergangenen Quartal einen Cybervorfall erlebt. Nur gut 20% stufen die Angriffe als Gefährlich ein. Dies sind Ergebnisse einer Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte, an der 924 Mitarbeitende von Schweizer KMU teilgenommen haben.
Die Wahrnehmungsverzerrung sei besonders bei Kleinstunternehmen ausgeprägt, so Deloitte: Dort berichteten immerhin 38% von Vorfällen, doch nur 15% würden ein hohes Risiko sehen. Bei ihnen fehle es dann auch an elementaren Sicherheitsmassnahmen: Beim KMU-Cybersicherheitsindex würden die Kleinstbetriebe nur einen Wert von 44 von 100 Punkten erreichen, während der Durchschnitt bei 58 Punkten liege. Gemäss Deloitte spiegelt der Index den Prozentsatz umgesetzter Sicherheitsmassnahmen wider. Beispielsweise sei bei 66% eine Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) implementiert und jeweils 45% der KMU setzten auf biometrische Anmeldungen oder Single Sign-On (SSO).
Gesetze fehlen, Eigeninitiative auch
Als Gründe für die mangelhafte Absicherung gegen Cyberattacken identifiziert die Umfrage laxe Gesetze und hausgemachte Nachlässigkeiten. 87% der Befragten sehen den Bund in der Pflicht, weitergehende Vorschriften zur Cybersicherheit zu erlassen. Allerdings wollen nur 19% eine strengere, rein staatliche Regulierung. Stattdessen bevorzugen 62% flexible, branchenspezifische Standards oder Hybrid-Modelle.
Die Geschäftsführenden der Schweizer KMU müssen aber auch vor den eigenen Häusern kehren: Deloitte nennt etwa die Definition von Passwortregeln, die Kontrolle von Zugriffsrechten und die Sensibilisierung der Mitarbeitenden. IT-seitig sollten automatisierte und regelmässige Backups implementiert werden, eine Notfallplanung erstellt und veraltete Hard- sowie Software möglichst abgelöst werden. Ferner empfehlen die Expertinnen und Experten das Auslagern des IT-Betriebs sowie einen Versicherungsschutz gegen Cybervorfälle.